Grosser Verlust

22. Juni 2018 11:26; Akt: 22.06.2018 11:26 Print

Modekette OVS schreibt über 50 Millionen Euro ab

Totalliquidationen und Filial-Schliessungen: Der Schiffbruch in der Schweiz drückt das italienische Unternehmen in die roten Zahlen.

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Die italienische Modekette OVS hat in der Schweiz Schiffbruch erlitten. Das schlägt sich in den Unternehmenszahlen nieder: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres muss OVS über 50 Millionen Euro abschreiben, wie die Zeitschrift «Textilwirtschaft» vermeldet. Auch die OVS-Mitarbeiter kriegen das zu spüren: Anstatt Ende Monat den vollen Lohn erhalten sie in diesen Tagen die Hälfte. Die Mitarbeiter glauben auch nicht, dass sie irgendeine Abfindung erhalten würden, falls ihnen gekündigt wird: «Es ist ja gar kein Geld mehr da», sagte ein OVS-Angestellter, der anonym bleiben möchte, Anfang Juni zu 20 Minuten. Und eine Kündigung erwartet der Mitarbeiter: «Ende Monat werden wir alle die Kündigung bekommen.» Sempione Fashion muss laut der Gewerkschaft Unia an die italienische Muttergesellschaft OVS appellieren. OVS trage grosse Verantwortung «in diesem Debakel», so die Gewerkschaft. Sempione Fashion, dem OVS in der Schweiz angehört, befindet sich seit Anfang Juni in der Nachlassstundung. Wie aus einem an die Filialleiter verschickten Brief hervorgeht, der 20 Minuten vorliegt, hat dies negative Folgen für OVS-Kunden: Alle Geschenk-Karten und sonstigen Gutscheine von OVS und Charles Vögele haben ihre Gültigkeit verloren. Sie können per sofort nicht mehr in den Filialen eingelöst werden. Der Umtausch von Waren gegen andere Waren oder die Rückerstattung von Geld sind nicht mehr möglich. Dies gilt auch für Produkte, die vor dem 30. Mai gekauft wurden. Kunden mit OVS-Karte können keine Bonuspunkte mehr sammeln und einlösen. Es werden auch keine neuen Bonus-Karten ausgestellt. Mitarbeiter erhielten am Dienstag einen eingeschriebenen Brief von OVS. Der Verwaltungsrat der Schweizer OVS-Kleidergeschäfte hat beim Bezirksgericht Höfe ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht, wie das Unternehmen mitteilte. Die Marke OVS habe sich nicht wie gewünscht am Schweizer Markt positioniert. Die anhaltend ungenügenden Umsätze hätten daher zu massiven finanziellen Engpässen geführt, so das Unternehmen. Die rund 140 OVS-Geschäfte in der Schweiz entstanden aus den ehemaligen Filialen von Charles Vögele, die im Dezember 2016 an OVS verkauft worden waren. OVS ist an der Mailänder Börse kotiert. Damals schrieb Vögele rote Zahlen im zweistelligen Millionenbereich. Stefano Beraldo, der CEO von OVS, sagte bei der Übernahme aber, er werde das Unternehmen wieder auf Kurs bringen und wolle in der Schweiz zum Marktführer werden. Stattdessen steht der Händler hierzulande jetzt vor dem Aus. Auch der Wechsel vom Namen Vögele zu OVS war riskant: «Ein Rebranding birgt immer das Risiko in sich, dass mehr Stammkunden der alten Marke zur Konkurrenz abwandern, als dass Neukunden gewonnen werden können», erklärt CS-Experte Jucker. Um OVS war es in der Schweiz in Sachen Werbepräsenz relativ ruhig. Charles Vögele warb früher mit prominenten Markenbotschaftern wie Penélope Cruz ... ... und Til Schweiger. Zwar half das nicht direkt gegen die roten Zahlen, immerhin dürfte heute aber vielen der Name Charles Vögele noch geläufiger sein als OVS.

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Für das gescheiterte Schweiz-Abenteuer muss die italienische Modekette OVS finanziell schwer bluten. In dem von Februar bis April dauernden ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres schrieb das Unternehmen über 53 Millionen Euro ab, wie die Unternehmen in einer Medienmitteilung vermeldet. Das drückt OVS in die roten Zahlen: Unter dem Strich resultiert ein operativer Verlust von 24,5 Millionen Euro.

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Im Heimatmarkt Italien läuft es indes besser. Dort hat OVS die Einnahmen im ersten Quartal um rund 2 Prozent auf 266 Millionen Euro steigern können. Damit konnte sich das Unternehmen sogar dem negativen Trend in der heimischen Textilbranche widersetzen: Die Umsätze brachen dort im Februar und März zwischen 5 bis 9 Prozent ein.

Halbe Löhne

Das fehlende Geld in der Schweiz macht auch den Mitarbeitern von OVS zu schaffen: Statt den vollen Lohn auf Ende Monat erhalten sie vorerst die Hälfte. Der Rest soll später ausgezahlt werden. Zudem hat die Schliessung der ersten der rund 140 OVS-Filialen in der Schweiz bereits begonnen. Auch der Flagschiff-Store in Zürich macht dicht. Die Filialen sollen gestaffelt geschlossen werden.

OVS ist der Charles-Vögele-Nachfolger und steht vor dem Konkurs. Seit Ende Mai ist die Modekette in provisorischer Nachlassstundung. Betroffen sind rund 1200 Angestellte.

(dob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jimmmy am 22.06.2018 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    ausgeschlatet

    Dieses Thema ist längst ausgeschlachtet. Dutzende male wird das gleiche geschrieben.

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  • Maria am 22.06.2018 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da ist etwas oberfaul

    Für mich riecht das nach Geldw..... Das sind keine Anfänger und wussten doch genau was sie tun.

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  • Renato am 22.06.2018 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Geldwäscherei aus Italien ?

    Ein Management welches nach nicht einmal einem Jahr solchen Schiffbruch erleidet, ist den Lohn nicht wert ! Böses Denken wäre wenn man denkt, dass beim Kauf von Vögele die Italiener hier Geld gewaschen hätten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sigi leu am 25.06.2018 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    kein Wunder,

    habe mir die T-Shirt angeschaut. Die Logos darauf fand ich scheußlich. Verwundert mich nicht, dass es zu wenig Kunden gab. Die Qualität fand ich in Ordnung, wie der Preis.

  • Dani D am 25.06.2018 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schnäpchen

    Konnte mir noch die letzten schnäppchen sicher . Werde nochmals morgen vorbei gehen evt hat es noch etwas, teilwiese haben die waren kleinere mängel knöpfe etc. fehlen für diese habe ich nochmals 10% erhalten also fast gratis. Sollte öfters solche sales geben.

  • Mary Rüdi am 25.06.2018 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlust????

    Und was ist mit den Liegenschaften? Z.b Hauptsitz in Pfäffikon SZ. Die sind ja auch was wert

  • DanieleK am 23.06.2018 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Rückstellungen Sozialplan

    Wie wäre es wenn bei Übernahmen von ausländischen Firmen nur gekauft werden kann wenn zuerst in einen Sozialplan investiert werden muss. Damit verhindert man das die Arbeitslosenkasse und die Mitarbeiter den Lohn bekommen für den sich ehrlich verdient haben.

    • Xeno72 am 25.06.2018 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @DanieleK

      Dann hätte OVS nicht gekauft, und Vögele wäre schon lange vom Konkursamt zerlegt worden.

    • mauro am 25.06.2018 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @DanieleK

      das hätte sich mister Vögele auch überlegen können, OVS hat versucht das sinkende Schiff zu retten, leider waren die Löcher schon zu gross.

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  • Es Vögeli am 23.06.2018 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wischi waschi

    Ja OVS sind mit allen Wassern gewaschen und mit Geld gesegnet.