Grundversorgung

18. März 2020 19:10; Akt: 18.03.2020 19:10 Print

Müssen Detailhändler Teile der Läden absperren?

von Raphael Knecht - Manche Geschäfte sperren Teile des Ladens ab, andere machen weiter wie gewohnt, Coop verkauft keine Pflanzen mehr. Die Weisungen des Bunds sind unklar.

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Händler, die Lebensmittel oder Gegenstände des täglichen Bedarfs bieten, haben weiterhin geöffnet. Anders ist es hingegen bei Unternehmen wie Kleiderhändlern – sie mussten auf Anweisung des Bunds schliessen. Für die grossen Detailhändler ist das ein Wettbewerbsvorteil – denn sie können in den meisten Fällen auch Produkte weiterhin verkaufen, die nicht zum täglichen Bedarf gehören. Grosseinsatz bei Coop. Am Mittwoch wurden zum Schutz der Mitarbeiter an den Kassen rund 10'000 Scheiben installiert. Betroffen sind alle rund 1000 Coop-Filialen in der Schweiz. Der Schutz der Mitarbeiter stehe an erster Stelle, sagt Sprecherin Andrea Bergmann. Jan-Egbert Sturm, Direktor der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, bezeichnet die aktuelle Situation als Weltwirtschaftskrise. Er prognostiziert, dass die Schweiz im ersten Halbjahr 2020 in eine Rezession fallen wird. Grund für die Prognose sind die massiven Belastungen, die die Coronavirus-Krise auf die Wirtschaft hat. Die KOF hofft aber, dass es im zweiten Halbjahr zu gewissen Nachholeffekten kommt und das Bruttoinlandprodukt dann wieder wachsen wird. Vor allem der Bund müsse nun dafür sorgen, dass gesunde Firmen das nötige Geld erhalten, damit sie finanzielle Engpässe überbrücken können. Bereits Ende letzter Woche kündigte Wirtschaftsminister Guy Parmelin an, dass der Bund 10 Milliarden Franken für Kurzarbeitentschädigung und andere Soforthilfemassnahmen bereitstellt. Laut Sturm steht die schwierigste Zeit noch bevor. «Die Nachfrage der Konsumenten wird weiter sinken, und auch Liefer- und Versorgungsengpässe werden immer grösser.» Es sei also mit noch schlechteren Wirtschaftszahlen zu rechnen als bisher. Es sei auch gut denkbar, dass die Lohnentwicklung schwächer ausfällt als ohne die Coronavirus-Pandemie.

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Die Detailhändler haben weiterhin geöffnet, da sie die Grundversorgung der Schweizer Bevölkerung aufrechterhalten. Doch viele von ihnen verkaufen auch Produkte, die nicht zur Grundversorgung gehören: etwa Kleider, Pflanzen und Geschirr.

Dürfen die Händler diese Artikel weiterhin anbieten oder müssen sie sich auf Lebensmittel, Medikamente und dergleichen beschränken? In der Verordnung des Bunds heisst es lediglich, dass Läden weiterhin geöffnet bleiben dürfen, soweit sie Lebensmittel oder Gegenstände des täglichen Bedarfs anbieten. Unklar ist, ob das bedeutet, dass solche Geschäfte effektiv nur noch diese Produkte anbieten dürfen.

Basel-Landschaft fordert Abschrankungen

Der Regierungsrat von Basel-Landschaft hat etwa beschlossen, dass Ladenbereiche, die nicht der Grundversorgung dienen, von den zugelassenen Verkaufsflächen abzugrenzen und zu schliessen seien. Viele Kantone verzichten hingegen auf Massnahmen, die über die Anweisungen des Bunds hinausgehen – und sind somit auch nicht konkreter.

Für die grossen Detailhändler sei es ein grosser Wettbewerbsvorteil, wenn sie etwa weiterhin Kleider verkaufen dürfen, während alle Kleiderläden schliessen müssen, sagt ZHAW-Wirtschaftsprofessor Tilman Slembeck: «Es wäre darum wünschenswert, wenn die Spiesse gleich lang wären und auch die Grossen nicht mehr alle Produkte verkaufen dürfen.»

Probleme bei der Umsetzung

Slembeck gibt aber zu bedenken, dass die Umsetzung viele Fragen aufwirft. So sei nur schon unklar, was Artikel des täglichen Bedarfs sind: «Gehört zum Beispiel Druckerpapier dazu?»

Des Weiteren könnte es für grosse Händler schwierig werden, durchmischte Sortimente effektiv nach den Vorgaben des Bunds abzusperren oder anzupassen. «Dann stellt sich die Frage, wie praktikabel es überhaupt ist, diese Weisungen umzusetzen – vielleicht muss man sonst den Laden ganz dichtmachen, was dann wieder ein Nachteil für grosse, durchmischte Detaillisten oder Warenhäuser mit Lebensmittelabteilung wäre», so Slembeck.

Die Detailhändler ihrerseits versuchen derzeit, die Massnahmen schweizweit zu vereinheitlichen. «Wir arbeiten auf Hochtouren an einer einheitlichen Lösung», sagt Migros-Sprecher Marcel Schlatter zu 20 Minuten. Coop-Sprecherin Marilena Baiatu nennt konkrete Schritte: «Wir werden beispielsweise ab Donnerstag schweizweit keine Blumen und Pflanzen mehr verkaufen.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Domlea am 18.03.2020 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    LÄDEN TEILE ABSPERREN

    Das ist absolut daneben. Eine schöne Blume kann in der so unerfreulichen Zeit viel Farbe in den Alltag manch einsam isolierter Person bringen!

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  • philipp am 18.03.2020 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kinderspielzeug? malbucher?

    Lasst es offen. Online kann man es bestellen. Aber aktuell brauchen wir für unsere Kinder positive Dinge. Mal ein malbuch. Mal spielzeug.

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  • Luc H. am 18.03.2020 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle übergeschnappt?

    Blödsinn im Quadrat. Hat ein Laden offen, soll er auch alles verkaufen dürfen. Setzlinge z. B. Andere Länder sind da pragmatischer und lassen Bau- und Hobbymärkte offen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • WegmitdieserMassnahme am 05.04.2020 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach nee...

    Und sich dann wunderb, dass die Onlineshops und die Post überfordert sind-na bravo... es nützt ja auch nichts, wenn die Pflanzen bei ALLEN vergammeln. Ausserdem würde gerade in dieser Zeit ein Farbtupfer oder frisches Gemüse Freude bereiten...

  • Benedikt Weber am 05.04.2020 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Genau darum hats zuviele Pakete

    Teile der Läden absperren und sich dann wundern, dass es zuviele Pakete gibt, weil die Leute Gartensetzling, Spezial-Shampoo, Katzengras, Papeterieartikel und weiss der Geier was per Internet bestellen. Pervers, das Ganze.

  • büezer am 05.04.2020 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wichtig

    wenn es schon heißt es dürfen nur lebensnotwendige Artikel verkauft werden, frage ich mich, warum man immer noch Zigaretten kaufen kann

  • Mivi am 05.04.2020 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Bund macht seine arbeit nicht richtig

    Ich lach mich krumm,in Ottos Filialen haben nicht alle dass selbe abgesperrt.Es gäbe sogar Filialen die auch immer noch die Kleider verkaufen!! Der Bund ist ja nicht fähig es überall gleich hand haben.Auto zubehör geschlossen,anderen orten kann man es kaufen. Elektrosachen abgesperrt,wie Bastelsachen,das man jetzt gut gebrauchen könnte,um die Kinder zu beschäftigen.

    • bitte nicht krumm lachen,ist unschön am 05.04.2020 15:23 Report Diesen Beitrag melden

      die können nicht alles absperren etc.

      @Mivi: Es sind vermutlich die Kantone welche zuständig wären?

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  • Emil Bumann am 05.04.2020 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grundversorgung!

    Seit wann gehören Kleider und Schuhe nicht mehr zur Grundversorgung?

    • bin alt und mit allem gut bestückt, aber am 05.04.2020 14:33 Report Diesen Beitrag melden

      Fuss-Fesseln werden noch nicht angeboten

      @Emil Bumann, richtig... und Pfannen für jene die plötzlich kochen müssen.

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