Regenwald-Zerstörung

25. August 2016 11:33; Akt: 25.08.2016 11:33 Print

Müssen Orang-Utans für unsere Pommes sterben?

von Isabel Strassheim - Der Bund will die Zollschranken für umstrittenes Palmöl aus Malaysia senken. Umweltschützer sagen, das gefährde das Leben von Primaten.

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Der Kampf um den Regenwald entscheidet sich auch mit dem Öl, das Schweizer Restaurants für Pommes frites verwenden: Fritieren sie weiter mit Rapsöl aus der Schweiz oder bald mit billigerem Palmöl aus Malaysia? Für das umstrittene Öl aus Asien dürften nämlich bald die Zolltarife sinken und es könnte zwei- bis dreimal billiger werden. Der Bund will noch dieses Jahr ein Freihandelsabkommen mit Malaysia abschliessen, wie Seco-Sprecher Fabian Maienfisch zu 20 Minuten sagt.

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Zum Kern des Abkommens zwischen Malaysia und den Efta-Staaten (Schweiz, Island, Liechtenstein, Norwegen) gehört die erleichterte Einfuhr von Palmöl, dem einzigen wichtigen Exportgut Malaysias. Durch die hohen Importzölle ist Palmöl aktuell fast gleich teuer wie Schweizer Raps- oder Sonnenblumenöl. Entfällt der Zoll, würde es billiger und deswegen auch von vielen bevorzugt – auch wenn Palmöl wegen seines hohen Gehalts an gesättigten Fettsäuren zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten beitragen soll.

Sind Wirtschaftsinteressen wichtiger als der Regenwald?

Nebst den Gesundheitsexperten sorgen sich aber vor allem die Umweltschützer: Um Palmölplantagen anzulegen, wird in Malaysia grossflächig Regenwald abgeholzt und abgebrannt. Gemäss dem UNO-Umweltprogramm ist der Anbau von Ölpalmen der wichtigste Grund für den Raubbau am Regenwald in dem Land. Nebst einheimischen Völkern werden dabei auch Tiere wie Orang-Utans vertrieben und ihrer Lebensgrundlage beraubt. «Der Bund ist sich der Problematik des Palmöls bewusst, will das aber aus wirtschaftlichen Interessen in Kauf nehmen», kritisiert Johanna Michel vom Bruno-Manser-Fonds.

Der Bundesrat hält dagegen, er fördere das Nachhaltigkeitslabel RSPO für Palmöl und unterstütze damit Umwelt- und Sozialstandards in Malaysia. Für Greenpeace-Sprecher Yves Zenger ist das ein «Etikettenschwindel», denn das Label sei viel zu wenig transparent: «Es lässt sich nicht in jedem Fall zurückverfolgen, woher das Palmöl stammt.» Bevor es zu Handelserleichterungen komme, müsse es lückenlose Transparenz über die Anbaubedingungen geben. «Andernfalls ist zu befürchten, dass die Urwald- und Torfbodenzerstörung weiter angekurbelt wird und noch mehr Lebensraum für Orang-Utans verloren geht.»

Schweizer Bauern bangen um Rapsölproduktion

Auch für Schweizer Bauern würde es mit dem neuen Abkommen eng: Für rund 6300 Bauernfamilien macht die Rapsöl-Produktion einen wichtigen Einkommensanteil aus. Raps ist im Austausch zu Getreide und Mais unabdingbar, um die Böden zu schonen. In der Schweiz werden so jährlich rund 82'000 Tonnen Rapsöl produziert, erklärt Andrea Koch vom Schweizerischen Getreideproduzentenverband. Sein Anteil beim Verbrauch in der Schweiz beträgt unter allen Pflanzenölen aktuell ein Viertel.

«Sinkt die Zollschranke, wird speziell das Rapsöl zum Frittieren per sofort und komplett ersetzt werden», sagt Koch. Das wären 21'000 Tonnen. Bei den restlichen gut 60'000 Tonnen für den Verkauf im Gross- oder Detailhandel sei ein Preisverfall zu erwarten. «Je nachdem wie stark die Preise sinken, lohnt sich für die Bauern der Anbau dann nicht mehr», sagt Koch.

Palmöl bei Nestlé unter der Lupe

Laut Seco dürfte der Zoll für Palmöl aus Malaysia mit dem Freihandelsabkommen zwar sinken, aber nicht komplett entfallen. Die Schweizer Zugeständnisse beim Palmöl seien mit der Schweizer Agrarpolitik vereinbar, betont Maienfisch.

Auch Nestlé stand wegen dem Palmöl in seinen Kitkat-Riegeln und Maggi-Suppen immer wieder öffentlich in der Kritik. 2010 hatte der Konzern kein Öl mehr vom indonesisichen Hersteller Sinar Mas bezogen, nachdem Greenpeace anprangerte hatte, dass «jeder Biss in einen Kitkat-Riegel das Leben der letzten Orang-Utans noch ein bisschen mehr» zerstöre. Dieses Frühjahr nun stellte Nestlé den Kauf von Palmöl vom zweitgrössten Hersteller aus Malaysia, IOI, wegen illegaler Urwald-Brandrodung teilweise ein. Kellog's, Mars und Unilever zogen sich von IOI gänzlich zurück.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rudolf am 25.08.2016 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Palmöl gehört verboten

    Palmöl gehört generell verboten. Ausser das es billiger für die Industrie ist, hat Palmöl keinen einzigen vorteil.

  • Dr House am 25.08.2016 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht nur weiter so

    Der Regenwald ist unsere Lunge und steuert das Klima. Es muss alles daran gesetzt werden diesen zu erhalten. Nur bin ich nicht zuversichtlich dass dies je geschehen wird wenn wir es nicht mal schaffen kleinste Lebensräume der Natur zurückzugeben

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  • marlis am 25.08.2016 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Palmöl

    Typisch dem Bund ist die Wirtschaft und das Geld wichtiger...egal was mit diesen Abauländern geschieht (Alles wird vernichtet und in ein paar Jahrzehnten ist nur noch nutzlose Erde da), hauptsache schnell viel Geld.... Die Arme Flora und Fauna, geiz ist geil lässt grüssen...ich schaue penibel auf Palmöl

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Moi am 26.08.2016 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein Schwachsinn

    Wozu Palmöl - wir produzieren selbst Speiseöl.... Soll der Mist in Malaysia bleiben! Aber unser Bundesrat - 7 Pussies..

  • Sam Süffi am 26.08.2016 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn

    Ja diese Primaten müssen verschwinden. Jeder der davon profitiert, wird Ausreden finden, andere beschuldigen oder Verbündete suchen: anderswo wird das auch getan. Wenn "Andere" es tun, ist es keine Legitimation das Gleiche zu tun. Wie wäre es mit einschränken? Müssen wir wirklich Alles haben? Wo, wann, hört diese Wahnsinn - Anspruchsspirale auf?

  • Mike am 26.08.2016 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mike

    Also bei uns zu Hause gibts keine Pommes Frites, sondern wenn schon, Country Fries. Mit Kartoffeln aus dem eigenen Garten. Etwas Butter aus Schweizer Milch, Paprika und Chilli. Ab in den Ofen und besser als jedes Fertig Pommes Frites.

  • Wilfried Sidler am 26.08.2016 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zerstörung wegen Palmöl

    Das darf es nicht geben! Die Regenwälder - unsere Lunge - sind gerade in Malaysia schon viel zu stark dezimiert. Ein Freihandelsabkommen ist sowieso fragwürdig. Und die Schweizer Landwirtschaft hat einmal mehr das Nachsehen. Übrigens: Nicht nur Primaten sind in Malaysia bedroht, sondern auch Naturvölker wie die Penan.

  • Parviflorum am 26.08.2016 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nächste Verordnung in Sicht

    Die Gastwirte werden begeistert sein, wenn sie zukünftig auch die verwendeten Ölsorten deklarieren müssen. Der Druck der Konsumenten ist dabei gewiss.