Irre Kurssprünge

15. Juli 2014 18:21; Akt: 15.07.2014 18:21 Print

Mysteriöse Firma im Visier der Börsenaufsicht

Kein Vermögen, kein Gewinn, nur ein Angestellter. Dennoch war Cynk kurzzeitig 6 Milliarden Dollar wert. Die Menschen, die dahinterstecken, verstricken sich in Widersprüche.

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Cynk legte ungewöhnliche Kurssprünge hin. (Bild: Keystone/AP/Michael Probst)

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50 Dollar zahlen und dafür private Nachrichten mit Scarlett Johansson austauschen – das ist das Geschäftsmodell der Website Introbiz. Sie verspricht, ihren Nutzern zu berühmten und einflussreichen Persönlichkeiten gegen eine geringe Gebühr Kontakt herzustellen. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist es auch. Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 hat die Mutterfirma von Introbiz, Cynk, keinen Umsatz gemacht. Vermögen besitzt sie auch nicht, zudem hat sie lediglich einen Angestellten. Ein weiteres Indiz, dass es sich bei der ganzen Sache eher um eine Briefkastenfirma handelt: Der offizielle Sitz von Cynk befindet sich im Steuerparadies Belize.

Und dennoch war die Firma zeitweise mit über sechs Milliarden Dollar bewertet – höher als der US-Internetkonzern AOL. Die Aktien der Firma, die eigentlich als sogenannter Pennystock ausserhalb der Börsen gehandelt wurde, kosteten monatelang nur um die zehn Cent. Innerhalb von nur wenigen Tagen legten sie dann plötzlich einen gewaltigen Kurssprung hin: Um 36'000 Prozent auf rund 20 Dollar. Weil das den Verdacht nahelege, dass der Kurssprung auf einer Manipulation beruhe, hat die US-Börsenaufsicht SEC den Handel mit den Titeln nun für rund zwei Wochen ausgesetzt.

Verwirrende Firmengeschichte

Wirklich einfach dürfte es für die Ermittler nicht werden, etwas über die Firma herauszufinden. Bei nicht börsenkotierten Unternehmen sind die Offenlegungspflichten deutlich laxer als bei anderen. Was klar ist: Seit 2008 waren insgesamt vier verschiedene Firmenchefs von Cync eingetragen. Der Gründer und erste Chef, John Kueber, trug die Firma 2008 noch im US-Bundesstaat Nevada ein. Das Netzwerk mit den Prominenten sei ein ernsthafter Plan gewesen, sagt er gegenüber dem Portal Business Insider. Doch irgendwann habe er erkannt, dass es keine Zukunft für das Projekt gebe, und das Projekt an einen Bekannten seines Bruders Phil verkauft. Von dem habe er sich inzwischen allerdings distanziert.

Der andere angebliche Chef, Javier Romero, sagte ebenfalls zu Business Insider, er sei nie mit Cynk involviert gewesen. Andere Namen stellten sich als Synonyme heraus. Ein Chef war schlicht nicht auffindbar. Eigentlich ist der Plan, den Handel mit den Titeln am 24. Juli wieder aufzunehmen. Doch das, heisst es von der Börsenaufsicht, könne man nur, wenn alle Umstände des mysteriösen Kurssprungs geklärt seien.

(laf)