Vollgeld-Initiative

01. Dezember 2014 20:08; Akt: 01.12.2014 20:46 Print

Nächste Initiative will Finanzsystem umkrempeln

von Laura Frommberg - Nach dem Nein zur Goldinitiative wollen die Befürworter der Vollgeld-Initiative profitieren. Diese würde das Finanzsystem von Grund auf verändern.

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Bei der Nationalbank dürfte am Sonntag der Champagner geflossen sein – wohl auch wegen einer breit angelegten Medienkampagne von Präsident Thomas Jordan höchstpersönlich hat das Stimmvolk die Goldinitative deutlich abgelehnt. Doch kaum ist die eine Initiative vom Tisch, geben die nächsten Initianten Gas. Und auch die wollen den Finanzmarkt umkrempeln.

Dabei wollen die Initianten vom Goldinitiativen-Nein profitieren. «Die Goldinitiative brachte das heutige problematische Geld- und Bankensystem in die öffentliche Diskussion», teilten sie mit. Doch das Stimmvolk habe auch erkannt, dass die Gold-Initiative keine Sicherheit gegeben hätte. «Der Grund liegt darin, dass rund 90 Prozent des umlaufenden Geldes von privaten Banken und nicht von der Nationalbank geschaffen wird. »

Virtuelle Kredite

Was sie damit meinen: Die Banken sollen nur das Geld verleihen, das sie auch wirklich besitzen. Momentan ist das bei Weitem nicht der Fall: Es ist wesentlich mehr Geld im Umlauf, als physisch tatsächlich vorhanden ist. Das geschieht über die Kreditvergabe an Kunden. Doch diese Kredite werden eben nicht vom Guthaben anderer Kunden finanziert, sondern existieren rein virtuell. Das führt dazu, dass das Guthaben vieler Bankkunden nur Forderungen gegenüber ihrer Bank sind. Und alle Forderungen der Schweizer Bankkunden zusammengenommen machen in der Summe etwa zehnmal so viel aus wie das Bargeld, das im Umlauf ist.

Ein Risiko, finden die Initianten vom Verein Monetäre Modernisierung (Momo). Im Fall einer Finanzkrise oder des Konkurses einer Bank sei das Geld nicht wirklich geschützt. Sie schlagen daher eine Reform der Finanzpolitik vor: Einzig die Nationalbank soll künftig für die Geldschöpfung zuständig sein – auch für die elektronische. Damit würde das von den Geschäftsbanken durch die Kreditvergabe geschaffene Buchgeld verschwinden und durch sogenanntes Vollgeld der Nationalbank ersetzt. Die Banken dürften weiterhin Kredite gewähren, aber nur noch in dem Umfang, in dem sie selber über Vollgeld verfügen.

300 Mitglieder

Rund 300 Mitglieder hat der Trägerverein. Aktiv Interessierte gibt es laut Momo aber tausende. Und: Auch der eine oder andere prominente Wissenschaftler unterstützt das Vorhaben. So etwa der emeritierte St. Galler Wirtschaftsprofessor Peter Ulrich oder Hans-Christoph Binswanger, ebenfalls emeritierter St. Galler Professor.

Kritiker der Initiative sehen katastrophale Folgen für den Finanzplatz Schweiz – er könnte sich komplett isolieren, so die Angst. Im Gegenteil, heisst es von Momo: «Mit Vollgeld wird der Schweizer Franken zur sichersten Währung und den Bankenplatz Schweiz im Bereich Vermögensverwaltung stärken», so Momo-Geschäftsführer Daniel Meier. Die Grossbanken würden allenfalls Stellen im spekulativen Investmentbanking abbauen.

Thomas Jordan skeptisch

Die Nationalbank ist nicht begeistert von den Plänen. Allerdings ist der SNB-Präsident lange nicht so deutlich dagegen wie bei der Goldinitiative. Die Vollgeld-Idee sei «konzeptionell in gewisser Hinsicht interessant», so Jordan kürzlich bei einer Rede. Doch weil noch kein Land weltweit jemals Vollgeld eingeführt habe, sei zweifelhaft, ob durch die Initiative wirklich besseres Geld entstehen würde. Sie sei «ein gigantisches Experiment». Die Initiative soll 2018 oder 2019 vors Volk kommen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carlos zapato am 01.12.2014 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Initiativ-Flut

    Ob all diesen Schrott-Initiativen glaube ich mittlerweile, dass die Hürden für Initiativen angehoben werden sollten. Was vor 20 und mehr Jahren noch angemessen war, scheint mir ob der deutlich gewachsenen Bevölkerung und medialen Erreichbarkeit nicht mehr zweckdienlich.

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  • eugen am 01.12.2014 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Flut

    Wie wärs mal mit einer Initiative, die die Hürden für Initiativen anheben würde?

  • Iniativen am 01.12.2014 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel

    Erst gerade 3 Iniativen durch und schon kommen die Nächsten!! Einfach zu viel

Die neusten Leser-Kommentare

  • DaniJ am 02.12.2014 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Buchgeld, Superpunkte und Cumulus

    Elektronisches Buchgeld ist nur eine Art Gutschein, um Bargeld bei der Bank zu erhalten. Ähnlich wie Coop Superpunkte ebenfalls eine Art elektronischer Gutschein, den man gegen Ware eintauschen kann. Könnte ich mit Coop Superpunkten, oder würde ich mit Cumulus Punkten meinem Freund ein Buch abkaufen, wären beide ebenfalls ein Zahlungsmittel, wohlverstanden wie Buchgeld, nicht gesetzliche Zahlungsmittel.

    • Vorausdenkend am 02.12.2014 23:26 Report Diesen Beitrag melden

      Richtg, und jetzt?

      Alles richtig, Dani, nur wo ist jetzt der Bezug zum obigen Artikel?

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  • Max Begré am 02.12.2014 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Unser Geld- und Finanzsystem ist

    ... eine sklavenhalterische Perversion. Aber man verschweigt oder verdreht lieber die Tatsachen. Oder dann wird mit der Angst- oder Jobverlust Keule geschwungen. Ich frage: Warum hat man ein paar privaten das alleinige Recht überlassen, leistungslos Geld, das es vorher nicht gab, zu schaffen, es dann mit Zins und Zinseszins zu verleihen. Z. Bsp. an unseren Staat in Milliardenhöhe, der dann die Zinsen von über 5 Milliarden im Jahr bei den CH Bürgern über Steuern eintreibt. Dies ist eine endende leistungslose Einnahmequelle in Milliardenhöhe. Und die gehört gemäss Verfassung (Art. 99) dem Volk.

  • C. Vargas am 02.12.2014 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vollgeld macht voll Sinn

    Sammle schon seit der Lancierung Unterschriften. Es ist erstaunlich, wie die Reaktionen der Bürger ausfallen, wenn sie realisieren, dass es sich eigentlich auch "nur" um eine Fehlerkorrektur handelt. Zumal das Schweizer Volk schon 1891 die Richtlinien zum Geldmonopol vorlegte. Deshalb verstehe ich auch den Titel zum Artikel nicht. Dem Giralgeld ist eine seither enorme moderne Beschleunigung und Deregulierung widerfahren, dem es eben entgegenzuwirken und zu korrigieren gilt. Natürlich ist die Schweiz ein kleines Beispiel, keine Frage, aber in keinen Land in naher und ferner Distanz können Bürger sich so politisch ausdrücken wie hierzulande! Das ist Tatsache, und kein Patrotismus-Phantom! Auch für mich als junger(24) klar, diese Initiative zu unterstützen..

  • Markus T. am 02.12.2014 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vollgeld

    Die Initiative stösst endlich etwas Sinnvolles an. Ich finde das Experiment mit dem Giralgeld hat sehr schlecht funktioniert wie die Geschichte beweist. Deshalb macht es Sinn sich Alternativen zu überlegen. Jetzt müssen nur noch genügend Unterschriften zur Initiative zusammenkommen.

  • DaniJ am 02.12.2014 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Banken und Postfinance ...

    Vollgeld ist auch ein Vorteil für kleine und mittlere Banken, sie kriegen wieder gleich lange Spiesse wie die Grossbanken. Die Postfinance ist ein Sonderfall und auch sie würden mit Vollgeld wieder gleich lange Spiesse wie die Banken erhalten. Postfinance darf nämlich selber keine Kredite vergeben und kann somit kein eigenes Geld herstellen.