FAO

03. Februar 2011 12:34; Akt: 03.02.2011 13:56 Print

Nahrungsmittel verteuern sich drastisch

Die Nahrungsmittelpreise haben weltweit eine neuen Höchststand erreicht. Die Armen, die den Grossteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen, leiden am meisten.

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Markt in Bangkok am 1. Februar 2011. (Bild: Reuters)

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Dramatische Entwicklung bei den Nahrunsmittelpreisen: Die zwischen Dezember und Januar verzeichnete Teuerung sei die höchste jemals festgestellte, gab die in Rom ansässige UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) bekannt.

Im Januar seien vor allem die Preise für Lebensmittel bis auf Fleisch stark angestiegen. «Die neuen Daten zeigen, dass der Aufwärtstrend bei Lebensmittelpreisen nicht nachlässt», warnte Abdolreza Abbassian, Ökonom und FAO-Experte für den Getreidemarkt am Donnerstag. Die Preise würden höchstwahrscheinlich auch in den kommenden Monaten hoch bleiben.

Aufstände wegen hohen Preisen

Dies sei sehr zum Nachteil der armen Länder, die schon jetzt grosse Probleme hätten, ausreichend Nahrung zu importieren. Ausserdem würden die Armen leiden, die den Grossteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssten. Nach dem Preisschub für Nahrungsmittel in den Jahren 2007/08 schätzte die FAO die Zahl der Hungernden oder Unterernährten weltweit auf 870 Millionen. Mittlerweile dürften es bereits 900 Millionen sein.

Im Januar waren in Algerien Aufstände ausgebrochen wegen der Verteuerung der Lebensmittel. Auch bei den Protesten in Tunesien spielten die steigenden Nahrungsmittelpreise eine gewisse Rolle. Der bisherige Höchststand stammt vom Juni 2008. Damals hatten die explodierenden Nahrungsmittelpreise Hungerrevolten ausgelöst - unter anderem in Afrikas und der Karibik.

Neue Preisblase

Der alte Rekordstand lag bei 224,1 Zählern auf dem FAO-Barometer, das einen Nahrungsmittel-Korb von Ölsaaten, über Molkereiprodukte bis hin zu Zucker abbildet.

Der Index stieg nun im Januar den siebten Monat in Folge und erreichte den neuen Spitzenwert von 230,7 Punkten. Eine neue Preisblase entsteht, wie ein Blick auf die Marktentwicklung zeigt.

Appell an die G-20

Weltbank-Präsident Robert Zoellick forderte die Gruppe der grössten Industrie- und Schwellenländer (G-20) auf, das Thema Ernährung nun endlich ganz oben auf die Agenda zu setzen. «Wir müssen uns auf weiter steigende Rohstoffpreise einstellen, das gilt auch für Agrarrohstoffe», sagte Zoellick der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Preisexplosion bei Gütern des täglichen Bedarfs dürfte auch die jüngsten politischen Turbulenzen in arabischen Staaten wie Tunesien und Ägypten begünstigt haben. Während an den Märkten Investoren Rohstoffe als lohnende Anlageziele entdeckt haben, leiden insbesondere Bewohner der Entwicklungsländer unter den Folgen der steigenden Lebenshaltungskosten.

(sda)