Fast erstickt

23. Februar 2011 17:33; Akt: 23.02.2011 17:55 Print

Nano im Bauch - Kind im Spital

Was Fachleute und Eltern befürchteten, ist passiert: Es gibt ein erstes Nanomania-Opfer. Im Wallis schluckte ein 4-Jähriger ein Nano und musste ins Spital.

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Bunt, lustig, aber kein Bonbon: Ein 4-Jähriger hat ein Nano verschluckt. Der kleine Walliser kam glimpflich davon. (Bild: Printscreen SF/Montage 20 Minuten Online)

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Fast wäre die Freude an den Nanos dem kleinen Jona zum Verhängnis geworden. Der 4-Jährige verschluckte vergangenen Donnerstag ungewollt eines der Stapelmonster der Migros. «Jona heulte und lief blau an», erinnert sich die Mutter in einem Bericht des «Kassensturz» an die schrecklichen Sekunden. «Er sagte, er habe eben ein Nano verschluckt.» Die besorgte Mutter zögerte nicht lange und fuhr gleich ins Spital Oberwallis.

Was Experten, Ärzte und besorgte Eltern befürchtet hatten, ist Realität geworden: Jona hatte die bunte Plastikpille verschluckt, wie Carlo Valli, Spezialist für den Verdauungstrakt, im Spital feststellte. Valli fischte den Nano mit einem speziellen Netz aus dem Magen, während Jona unter Vollnarkose vor ihm lag. Der Arzt wollte so das Risiko minimieren, wie er dem «Kassensturz» erklärte: «Beim Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm gibt es eine verengte Stelle, hier hätte das Nano steckenbleiben können.» In einem solchen Fall hätte Jona das Messer gedroht - Valli hätte den Bauchraum öffnen und den Fremdkörper raus operieren müssen.

«Ziehen Messer ja auch nicht nach Schnittwunden zurück»

Jona ist nicht das einzige Kind, das ein Nano verschluckt hat. Wie der «Kassensturz» schreibt, hat ein Vater das Spielzeug mit einem Bonbon verwechselt und seinem Kind abgegeben. Dieser Vorfall lief allerdings glimpflich ab: Die Plastikkapsel wurde wieder ausgeschieden. Für den Facharzt Carlo Valli können Nanos gefährlich sein: «Das Nano ist verpackt wie ein Bonbon. Die Kapsel selbst ist sehr angenehm in den Händen zu halten und wird von Kindern sicher auch gerne in den Mund genommen». Ist das bunte Monster erst im Mund, droht die Verschluckungsgefahr. Der Facharzt fordert deshalb, die Nano-Aktion zu stoppen.

Die Forderung des Experten hält Migros-Sprecher Urs-Peter Näf für völlig überrissen. Die bekannten Verschluckungsfälle sind für ihn bedauerliche Einzelfälle angesichts von über zehn Millionen abgegeben Nanos. Sein Argument gegenüber dem «Kassensturz»: «Küchenmesser ziehen wir ja auch nicht zurück, wenn sich Kinder damit verletzen. Es kann immer etwas passieren, auch mit den klassischen Spielsachen zuhause.»

(amc)