Wirtschafts-Ticker

23. März 2020 18:07; Akt: 23.03.2020 18:08 Print

Jedes fünfte KMU stellt auf Kurzarbeit um

In unserem Wirtschafts-Ticker erfahren Sie alles rund um die Schweizer Wirtschaft während der Corona-Krise.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Jedes fünfte KMU stellt bereits auf Kurzarbeit um

Die Schweizer KMU werden durch die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus hart getroffen. Jedes fünfte Unternehmen habe bereits auf Kurzarbeit umgestellt, wie eine Umfrage des Marktplatzbetreibers Visable ergab. Demnach rechnen knapp zwei Drittel der KMU (58%) mit kleinen Umsatzeinbussen und gar ein Viertel (25%) mit enormen Einbussen, wie es einer Mitteilung am Montag heisst. Als Hauptproblem wurde von den befragten Unternehmen die starke Verunsicherung der Kunden genannt. Dies sei von 71 Prozent der angegeben worden. Vermehre Krankheitsfälle im Betrieb wurden von 11 Prozent angeführt.

Mehr als die Hälfte habe auch bereits eine tiefere Nachfrage der Kunden gespürt, rund ein Viertel beklagt sich über Lieferengpässe bei der Beschaffung. Engpässe würden dabei eher aus Europa bemerkt, Umsatzprobleme wegen der Abhängigkeit vom chinesischen Markt würden hingegen weniger gespürt.

Schweizer Börse startet Woche mit neuem Kursrutsch

Trotz massiver Geldspritzen der US-Notenbank (Fed) ist die Schweizer Börse am Montag erneut abgesackt. Der SMI verlor am Montag 4,4 Prozent auf 8244 Zähler. Die Fed brachte zwar neue Massnahmen auf den Weg, mit denen unter anderem der Kreditfluss an Haushalte und kleine Firmen unterstützt werden soll. Anleger monierten aber, dass weitere breit angelegte Konjunkturhilfen notwendig seien, um die Wirtschaft vor einem Absturz zu bewahren.

Zu den grössten Verlierern gehörten deshalb die Aktien von Firmen, deren Erfolg stark von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängt. Der Personalvermittler Adecco brach fast zehn Prozent ein, währen der Elektrotechnikanbieter ABB knapp sieben Prozent an Wert verlor. Die Aktien des Augenheil-Unternehmens Alcon rauschten über zehn Prozent in die Tiefe. Vergleichsweise gut hielt sich der Aromenhersteller Givaudan mit einem Minus von 0,9 Prozent.

Bei den Nebenwerten legten Implenia 3,5 Prozent zu. Der Baukonzern schränkt aufgrund der Coronavirus-Pandemie und der damit verbundenen behördlichen Massnahmen im mehreren Ländern die Arbeit auf Baustellen ein. Die im Bereich digitale Farbmanagementlösungen tätige Datacolor rechnet mit einer Beeinträchtigung durch die Seuche. Die Aktien gaben elf Prozent nach. (Reporter: Oliver Hirt redigiert von Georg Merziger)

MC Donalds macht komplett zu

Ab 21. März schliesst McDonald’s vorübergehend auch die McDrives und stellt den Lieferservice McDelivery ein. Bereits am Montagabend, 16. März haben McDonald’s Schweiz und seine Lizenznehmer sich auf freiwilliger Basis dafür entschieden,
das Take-away-Angebot in ihren Restaurants generell nicht mehr anzubieten.

Air Canada streicht 5100 Stellen

Die kanadische Fluggesellschaft will wegen der Coronavirus-Pandemie vorübergehend mehr als 5100 Stellen streichen, wie die Flugbegleitergewerkschaft erklärte. Bis mindestens Ende April seien die Entlassungen wirksam. Kürzlich hatte die Airline schon mitgeteilt, dass sie als Reaktion auf die Coronavirus-Krise schrittweise den Grossteil ihrer internationalen Flüge bis zum 31. März aussetzen werde.

Post schränkt Auslandspost ein

Wegen des Coronavirus fallen zahlreiche internationale Flüge aus. Deshalb nimmt die Schweizerische Post ab sofort in Postfilialen und Filialen mit Partnern keine Ausland-Briefe und -Pakete für zahlreiche Länder mehr entgegen. Für die restlichen Länder dauert der internationale Versand zudem länger als üblich.

Kunden können für den Versand in diese Länder derzeit noch die Express-Versandart «Urgent» nutzen. Geschäftskunden können Pakete weiterhin mit Swiss Post GLS versenden.

Bund erwartet deutliche Rezession

Die Schweiz dürfte im laufenden Jahr in eine Rezession fallen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geht von einer Schrumpfung von 1,5 Prozent aus.

Gegenüber der Dezember-Prognose ist das ein Minus von 2,8 Prozent. Gründe für die Schrumpfung der Wirtschaft sind laut Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik im Seco, unter anderem der Rückgang des Konsums, ausbleibende Investitionen, erschwerte Transportbedingungen oder der starke Franken.

Im zweiten Semester sei eine Besserung zu erwarten, sagte Scheidegger. Nächstes Jahr sei ein Wachstum von 3,3 Prozent möglich. Diese Voraussagen sind mit Vorsicht zu geniessen, weil unklar ist, wie sich die Pandemie entwickelt und wie lange sie dauert. «Die Prognoseunsicherheit ist derzeit ausserordentlich hoch.» Es sei denkbar, dass sich der Konjunktureinbruch bis in das nächste Jahr hineinziehe.

Nationalbank lässt Leitzins unverändert bei -0,75 Prozent

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tastet die Zinsen nicht an und führt damit ihre expansive Geldpolitik fort. Doch das Coronavirus macht zusätzliche Massnahmen notwendig.

Konkret belässt die SNB ihren Leitzins sowie den Zins auf Sichtguthaben bei -0,75 Prozent, wie sie am Donnerstag im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung mitteilte.
In dieser ausserordentlichen Situation investiert die SNB nun auch «verstärkt» am Devisenmarkt, um zur Stabilisierung der Lage beizutragen.

So soll der Spielraum der Banken zur Kreditvergabe gelockert werden. Die SNB erhöht ab 1. April den Freibetrag, ab dem die Banken Negativzinsen entrichten müssen. Der sogenannte Freibetragsfaktor steigt dabei von 25 auf 30.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • U. Eberden-Jordan am 19.03.2020 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Herr Jordan

    Das erste Mal, dass ich einig mit Ihnen gehe. Die CH muss den Euro-Crash nicht fast im Alleingang tragen und touristisiert und exportiert wird zur Zeit auch weniger. Es wäre jetzt wirklich mal an der Zeit, auch den Besitz des Sparers und Lebensversicherten mal etwas zu schützen. Die postapokaklyptische Gesellschaft kann nicht nur aus Grossfirmen, ein paar wenigen Ultrareichen und einer Riesenanzahl völlig Mittelloser bestehen.

    einklappen einklappen
  • THINK am 19.03.2020 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Kreditausfälle

    Es wird auch Probleme im Immobilenmarkt geben. Wer zeitnah zu teuer gekauft hat und bis zur Kante kalkuliert hat, wird nun Probleme bekommen wenn Einkommen wegbrechen. Die Utopie Eigentum für jedermann durch billiges Geld löst sich in Luft auf. Wenn der Wasserspiegel fällt, sieht man, wer nackt schwimmt (W.Buffett).

    einklappen einklappen
  • Mutti am 19.03.2020 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Das Verhalten kennt man von BAG und BR

    Wir haben alles unter Kontrolle und beobachten die Situation. Wenn erforderlich werden wir die notwendigen Massnahmen ergreifen. Ist klar, oder?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frigo am 04.04.2020 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzarbeit im Kanton Uri

    Sie sprechen hier von KMU Betrieben, die Kurzarbeit einführen. Dafür habe ich grosses Verständnis. Nur, es gibt scheinbar auch andere Institutionen, welche Kurzarbeit eingeführt haben, welche mich richtig schockierten. Es ist schlicht schizophren, wenn der Kanton Uri in gewissen Direktionen Kurzarbeit einführt. Sogar im Kantonsspital Uri hat man für gewisse Personen Kurzarbeit angemeldet. Habe ich da etwas falsch verstanden? Das gibts ja gar nicht.

  • Mensch mit GMV am 28.03.2020 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    wir müssen damit leben

    mit dem Spruch Man weiss es nicht.

  • MaRa_128 am 25.03.2020 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erhöhung Kurzarbeitsentschädigung?

    Bundesrat Parmelin hat heute and der PR Konferenz (12min05) gesagt, die Kurzarbeitsentschädigung werde erhöht, 100% statt 80%... doch nirgends steht was darüber. Ist das jetzt so?

  • ReRe am 25.03.2020 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Baustelle ja - MFK nein ?

    Ich bin froh, dass ich als Handwerker noch arbeiten darf. Es nervt aber, wenn andere die könnten, nicht wollen. Auf Baustellen darf man arbeiten, aber z.B. auf der Motorfahrzeugkontrolle MFK, wo nur ein Mann nötig ist, geht es nicht. Man sieht deutlich den Unterschied von Dienstleistern zu Beamten, also von Betrieben, die wissen wo das Geld her kommt und von Institutionen, wo es egal ist ob man dort ist oder nicht. Ob ein Fahrzeugprüfer auch nur 80% Lohn bekommt, wäre interressant zu wissen.

  • EFAG am 25.03.2020 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    haha so geil...

    und mir deffed nödmal homeoffice mache obwohls möglich wär