Risiko

24. Juni 2015 10:35; Akt: 24.06.2015 12:07 Print

Naturgefahren – wie sicher ist Ihr Haus?

von S. Spaeth - Hochwasser und Steinschlag etwa verursachen in der Schweiz jährlich Millionenschäden. Mit einem neuen Gefahren-Radar lässt sich das Risiko jeder Liegenschaft abfragen.

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Hochwasser, Murgänge, Hangrutschungen oder Steinschlag: Naturgefahren sorgten in der Schweiz im letzten Jahr für Schäden in der Höhe von gegen 120 Millionen Franken. Schätzungen des Bundesamts für Umwelt (BAFU) zufolge befinden sich allein in durch Hochwasser gefährdeten Liegenschaften Sachwerte in der Höhe von 600 Milliarden Franken. 1,8 Millionen Menschen leben hierzulande in Gebieten mit Hochwassergefahr.

Wo es wie gefährlich ist, zeigt ein am Mittwoch lanciertes Naturgefahren-Radar des Versicherers Zurich. Das Online-Tool fasst tausende von Daten aus Gefahrenkarten von Bund und Kantonen zusammen. Fürs Programmieren der Software hat die Zurich drei Millionen Franken investiert.

Umfrage
Ist Ihr Wohnhaus Naturgefahren ausgesetzt?
19 %
55 %
26 %
Insgesamt 1992 Teilnehmer

«Wir geben den Menschen die Möglichkeit, sich schnell und unkompliziert über Naturgefahren zu informieren und sich dagegen zu schützen», sagt Patrick Amschand, Geschschäftsleitungsmitglied bei Zurich Schweiz. Das Ziel: Die Schadenssumme insgesamt zu reduzieren. Davon profitiert nicht nur die Zurich, denn über den sogenannten Elementarschaden-Pool sind die 15 grössten Privatversicherer miteinander verbunden, um einen besseren Risikoausgleich zu schaffen.

Abfrage für jeden Winkel der Schweiz

Konkret ermöglicht der Naturgefahren-Radar für jede beliebige Adresse in der Schweiz eine individuelle Analyse zu erstellen. Basis dazu bilden Landkarten von Swisstopo, wodurch auch nicht bebaute oder erschlossene Grundstücke ausgewertet werden können.

Für die Liegenschaft im luzernischen Dierikon, wo Anfang Juni nach einem Unwetter zwei Menschen starben, weil sie im Untergeschoss von eindringenden Wassermassen überrascht wurden, liest sich die Analyse so: Der Standort verfügt über eine mittlere Hochwassergefährdung, womit im und am Gebäude mit mittleren bis grösseren Schäden gerechnet werden muss. Personen seien innerhalb von Gebäuden kaum gefährdet, ausserhalb hingegen schon, so die Zurich. Im Umkreis von 50 Metern wird die Hochwassergefahr sogar als erheblich bezeichnet. Gefahren in der Umgebung listet der Versicherer auf, weil beispielsweise Fahrzeuge dort stehen könnten.

Das Naturgefahren-Radar zeigt aber auch Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit auf: beispielsweise die Waschmaschine im Keller auf einen Betonsockel zu stellen, um Kurzschlüssen vorzubeugen oder die Lichtschächte zu erhöhen, um das Eindringen von Wasser in den Keller zu verhindern. «Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung kann sich mit relativ einfachen Massnahmen gegen Naturgefahren schützen», sagt Zurich-Experte Amschwand. Wer einmal einen überfluteten Keller gehabt hat, wisse: «Da nützt es nur bedingt, wenn die Versicherung den Schaden bezahlt. Denn den grossen Stress und den Ärger hat man trotzdem.»

Rekordgewitter sorgt für 3-Milliarden-Schaden

Fasst man die Schadenssumme aller Naturgefahren-Ereignisse seit 1972 zusammen, ergibt das unter Berücksichtigung der Teuerung eine Summe von knapp 13,7 Milliarden Franken. Dieser Betrag wird laut BAFU aber von wenigen sehr grossen Ereignissen dominiert. So ist ein einziges Unwetter vom August 2005 für Gesamtschäden in der Höhe von drei Milliarden Franken verantwortlich.

In Zukunft dürften die Unwetterschäden noch zunehmen, und zwar im Kontext von Klimawandel und Bevölkerungswachstum, wie die Zurich in der Medienmitteilung schreibt. Im Alpenraum wird das Ansteigen der Permafrostgrenze zu mehr Rutschungen, Murgängen sowie Fels- und Bergstürzen führen und fürs Flachland prognostizieren Experten eine deutliche Zunahme von Hochwasser.

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Dampf am 24.06.2015 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nein Danke

    Auszug AGB: Es ist dem Nutzer bewusst und er erklärt sein Einverständnis, dass Zurich die Profile Dritten (z.B. Banken, Immobilienunternehmen o.ä.) zur kommerziellen Verwertung entgeltlich weiterleiten kann. Zudem nimmt er billigend zur Kenntnis, dass auf seinen im Rahmen der Applikation geäusserten ausdrücklichen Wunsch hin, seine Kontaktdaten, namentlich seine Adresse samt den Auswertungsergebnissen, Experten zur Kontaktaufnahme mit ihm zur Verfügung gestellt werden.

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  • Interessent am 24.06.2015 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zurich Page down?

    Wäre spannend gewesen aber mit scheint, die Webpage der Zürich ist nicht erreichbar? Dann wäre die Marketing-Aktion ja gründlich in die Hosen...

  • Simon Meier am 24.06.2015 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Enttäuschendes Resultat

    Mit Spannung habe ich unser Gebäude überprüft welches jährlich von mindestens einer leichten bis mittleren Überschwemmung heimgesucht wird. Resultat gemäss diesem Tool nach ganz langem Warten und der Bestätigung der komischen AGBs: Keine Gefahr! Und: Die richtige und zuverlässigere Gefahrenkarte gibt es ja bereits vom Kanton (Schwyz) welche viel umfassender, komfortabler und vor allem richtig ist. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich nächstens Werbung von Zurich erhalten werde...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • W. Baumann am 25.06.2015 06:58 Report Diesen Beitrag melden

    Erdbeben

    Leider fehlt bei den Naturgefahren das Thema Erdbeben.

  • S. Schild am 25.06.2015 00:04 Report Diesen Beitrag melden

    Leider nicht aussagekräftig

    Bei mir heisst es keine Gefährdung - Haus ist jedoch in Rutschgebiet mit Steinschlag und in der Lawinenzone.. Naja - nicht wirklich brauchbar... leider.

  • Erwin Gerold am 24.06.2015 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prävention anstelle von Schadensbehebung

    Gemäss heutiger Pressekonferenz führt die Zurich dies nicht im Schilde. Mehrwohl will sie die Daten sinnvoll nutzen, um über mögliche Präventionsmaßnahmen aufzuklären. Prävention ist grundsätzlich die bessere Lösung als Schadensbehebung aus finanzieller wie auch emotionaler und physischer Sicht. Aufgrund des in der Schweiz herrschenden Datenschutzgesetzes sowie der herrschenden Solidaritätsregelung im Elementarschadenpool, glaube ich, ist die Plausibilität gegeben. Zumindest war dies der Eindruck und die Rede der heutigen Lancierung.

  • Peter Kradolfer am 24.06.2015 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Finde das Tool sehr informativ

    Ich persönlich finde dieses Tool sehr informativ und zeigt einem schnell, welchen Gefahren man ausgesetzt ist. Jedenfalls bin ich froh, dass bei meinem Haus keine Gefährdung angezeigt wird. Ich musste mich nicht anmelden, denke da wird die AGB erst aktiv, wenn ich mir das PDF schicken lasse?

  • Zyniker am 24.06.2015 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Naturgefahren

    Nun... ich bin verheiratet und habe 2 Kinder... Gilt das als Naturgefahr? Spätestens wenn die Schwiegereltern einfahren denke ich oft, dass eine frühzeitige Evakuation sinnvoll wäre!