Schweizerische Nationalbank

24. Oktober 2016 19:45; Akt: 25.10.2016 06:21 Print

Negativzins verringert Druck auf den Franken

SNB-Präsident Thomas Jordan verteidigt in einem Referat die Zinssenkung. Als kleine Volkswirtschaft könne sich das Land nicht von den global tiefen Zinsen abkoppeln.

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Tiefzinsumfeld stelle die Geldpolitik vor Herausforderungen: Thomas Jordan, Direktor der Schweizerischen Nationalbank (SNB), präsentiert die geldpolitischen Entscheide der SNB am Donnerstag, 16. Juni 2016 in Bern. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

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Der Negativzins und die Bereitschaft der Schweizerischen Nationalbank, am Devisenmarkt zu intervenieren, haben den Druck auf den Franken verringert. Ausserdem sanken die Finanzierungskosten für Unternehmen und Haushalte. Das sagte Nationalbank-Präsident Thomas Jordan in Basel.

Die Unternehmen hätten mehr Mittel am Kapitalmarkt aufgenommen, erklärte der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Jordan am Montag in Basel vor der Vereinigung Basler Ökonomen. Das Wachstum der Bankkredite habe hingegen nicht zugenommen.

Global sinkendes Zinsniveau

Der Negativzins sei für die Schweiz im aktuellen Umfeld notwendig und sinnvoll. Als kleine Volkswirtschaft könne sich das Land nicht von den global tiefen Zinsen abkoppeln. Ohne Negativzins hätte sich der Franken noch stärker aufgewertet, die Arbeitslosigkeit wäre gestiegen und es wäre zu einem Wachstumseinbruch bei noch tieferer Inflation gekommen.

Global sinke das Zinsniveau seit zwanzig Jahren, konstatierte der höchste Notenbanker der Schweiz weiter. Ein Grund dafür seien strukturelle Faktoren wie etwa die demografische Entwicklung. Diese habe weltweit zu einem höheren Angebot an Ersparnissen geführt. Gleichzeitig sei die Investitionsnachfrage gesunken. Ein weiterer Grund für die tiefen Zinsen ist gemäss Jordan die expansive Geldpolitik.

Kein Allheilmittel

Das Tiefzinsumfeld stelle die Geldpolitik denn auch vor Herausforderungen. So schränke die Möglichkeit der Bargeldhaltung den geldpolitischen Spielraum ein. Anhaltend tiefe Zinsen könnten negative Auswirkungen auf die Finanzstabilität haben und zudem könnte die Wirksamkeit der Geldpolitik abnehmen.

Nicht zuletzt wegen dieser Nebenwirkungen seien ein Negativzins oder allgemein eine expansive Geldpolitik kein Allheilmittel. Für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung seien strukturelle Reformen und realwirtschaftliche Anpassungen nötig.

Global könnten strukturpolitische Anpassungen Voraussetzungen für steigende Gleichgewichtszinsen schaffen. Dann könnten die Zentralbanken die Zinsen allmählich anheben und die negativen Auswirkungen anhaltend tiefer Zinsen begrenzen.

(bee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jürg H. am 24.10.2016 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld unters Kopfkissen

    Alles gut und recht, liebe Banker. Doch zu dem Zeitpunkt. wo ich als Privatsparer Negativzinsen zahlen muss (was heute mit der Gebühtenpraktik faktisch bereits der Fall ist), ziehe ich mein Geld von der Bank ab und lege es in meinen Safe. Bin dann mal gespannt, wer meinem Beispiel folgt.

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  • Mundtod am 24.10.2016 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tschüss Pension:

    Und herzlichen Dank an die Notenbanker!

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  • Piedro am 24.10.2016 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tendenz sinkend, global

    Die Tendenz ist, so wie Jordan sagt, sinkend. Vor 25 Jahren gab's noch 7 Prozent, heute keine Prozente mehr, in 10 Jahren wohl minus 7 Prozent oder wird das erst in 20 Jahren der Fall sein?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • blume am 25.10.2016 23:24 Report Diesen Beitrag melden

    ein pfui für die nationalbank

    wenn der druck auf den franken veringert werden soll, .... dann mit hohen negativzinsen auf die ausländischen spekulationsguthaben :::: und nicht auf der zwangsgesparten altersvorsorge der arbeitnehmer (AHV und pensionskassengelder)

    • Supermario am 26.10.2016 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      Mag sein

      Ja, wurde eben in den 70-ern so gemacht (10% Negativzinsen auf ausländischen Guthaben p.a.); offenbar würden aktuell vermutlich irgendwelche Bilaterale (Politik sei dank) verletzt; ansonsten hätte das Jordan vermutlich schon lange gemacht?

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  • Steff am 25.10.2016 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja der Jordan ist doch ein Fluss??

    Schade führt Jordan die Schweiz ins Dilemma! Es reicht ihm noch nicht dass unsere Renten (AHV,2Säule und Sparen der 3 Säule) in den Keller sausen! Warum nur fährt er die Europa Politik ??? Wenn jemand etwas unbedingt haben will zahlt er auch den gerechten Preis dafür,EU Misere hin oder her! Ich frage mich ob er das fehl Konstrukt EU retten will,oder der Schweiz den Gnadenstoss erteilen.... wir werden sehen.

    • Supermario am 26.10.2016 12:16 Report Diesen Beitrag melden

      Hin oder her

      Fluss hin der her; eine der Hauptaufgaben der SNB ist es nun mal eine gewisse Wechselkursstabilität zu gewährleisten. Wie anders soll er es den machen? Übrigens geht es immer noch um unsere Währung (nennt sich gemeinhin Schweizer Franken) und nicht um die Rettung der EU!

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  • AlterHut am 25.10.2016 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Na toll..

    Der Franken wird abgewertet. Genauso schwinden Pensionen dahin. Und die SNB gibt noch Geld aus, damit mehr Geld in Umlauf gebracht wird und die Aktionäre der SNB (grösstenteils Kantone und Kantonalbanken) werden darunter leiden. Zeit das Vollgeld einzuführen um das Geld der schweizer Bürgerinnen und Bürger zu sichern!

    • Felice am 25.10.2016 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Schon

      Wir haben darüber abgestummen. Aber wieder mal hat das extrem vernünftige und extrem zukunftsorientierte Schweizer Volk Nein gesagt.

    • Supermario am 26.10.2016 11:47 Report Diesen Beitrag melden

      Toll dieser Kommentar

      Die SNB "gibt kein Geld aus". Erstens nimmt sie - aufgrund der Negativzinsen - solches ein und zweitens bringt sie auch nicht freiwillig Geld in Umlauf. Der Geldumlauf reguliert sich nämlich aufgrund von Nachfrage und die SNB ist verpflichtet diese abzudecken!

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  • TomTom am 25.10.2016 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Enteignung

    Bald wird auch der Bürger mit negativ Zinsen auf seine Sparguthaben belegt. Als nächstes folgt die Enteignung via Abschaffung von Bargeld!

    • Kleinsparer am 25.10.2016 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @TomTom

      Ich bin auch nicht Fan davon, aber: Diejenigen Sparer die derzeit privat Negativzinsen bezahlen, lesen wohl eher die NZZ als die 20 Minuten. Und von den vielen Hypothekarnehmern die heute profitieren, und das werden dann wieder viele 20 Minuten-Leser sein, will niemand etwas zum Thema sagen?

    • rocky53 am 25.10.2016 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kleinsparer

      genau lese 20 min zum informieren und unterhalten , nzz für börse und geschäft. sage schon lange an sparer holt es raus, guten tresor steuerklärung null vermögen und niemand weis was mit geld passiert. einfach regelmässig konto abbauen auf kleinen rest.

    • Schrittchen weiter am 25.10.2016 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kleinsparer

      Jungs und Mädels, zum richtigen Zeitpunkt verkaufen und ab an die sonne , jenseits von Stress und saugenden Behörden mit endlosen Vorschriften und zuhauf Rechnungen mit 3 Fach Versteuerung vom Privatvermögen

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  • Rapple am 25.10.2016 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Abwälzug

    Sämtliche negativen Einflüsse werden schlussendlich auf den Bürger abgewälzt. Der Liebe Bürger bezahlt alles.