Schweizer Projekt

31. Dezember 2018 16:43; Akt: 31.12.2018 16:43 Print

Nestlé zahlt Bauern Geld, damit Kühe länger leben

von Isabel Strassheim - Nestlé zahlt Bauern einen Aufpreis, wenn sie ihre Kühe später schlachten. Das reduziert den Treibhausgas-Ausstoss bei der Milchproduktion.

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Rund tausend Kühe in der Schweiz dürfen ein Jahr länger leben. Normalerweise lassen Bauern Milchkühe nach rund fünf Jahren schlachten. Nicht weil sie dann weniger Milch geben, sondern weil sie mit dem Alter mehr Arbeit machen. «Das Problem ist, dass ältere Kühe tendenziell mehr Aufmerksamkeit und Pflege benötigen», sagt Projektleiter Andreas Stämpfli von der Milchhandelsorganisation Aaremilch zu 20 Minuten.

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Wussten Sie, dass Kühe 15 Jahre alt werden, wenn sie nicht vorzeitig geschlachtet werden?

Die Milchbauern erhalten für den grösseren Aufwand mit den älteren Kühen einen Aufpreis im Schnitt von 3,5 Rappen pro Kilogramm. Finanziert wird das Pilotprojekt von zwei Partnern: dem Bundesamt für Landwirtschaft und Nestlé. Der Nahrungsmittelkonzern ist einer der grossen Treiber der Schweizer Milchwirtschaft und verarbeitet in seinen hiesigen Fabriken jährlich 118'000 Tonnen Milch, den grössten Teil davon im Emmental, wo unter anderem Babymilchpulver und Stalden- Dessertcreme hergestellt werden.

je älter Milchkühe werden, desto besser fürs Klima

«Klimafreundliche Milch» heisst das Projekt, an dem auch das Bundesamt für Landwirtschaft beteiligt ist. Denn es geht nicht um Tierschutz, sondern um Umweltschutz. Der Ausstoss des Treibhausgases Methan bei der Milchproduktion soll nämlich reduziert werden. Und das ist möglich, wenn die Kühe älter werden dürfen.

Es dauert nämlich knapp 2,5 Jahre, bis eine Kuh nach dem ersten Kalben überhaupt Milch gibt. Schon in dieser Zeit stösst sie aber Methan aus. Darf sie nun ein Jahr länger Milch geben und sechs statt nur fünf Jahre alt werden, erhöht sich die Milchleistung pro Lebenstag. Das bedeutet: Die Milch wird klimafreundlicher.

Nestlé geht es nicht um die Werbung

«Es braucht jedoch Abnehmer, die dafür bereit sind, den Bauern mehr zu zahlen», sagt Stämpfli. Bislang ist dies nur Nestlé. Dabei will der Konzern mit der klimafreundlichen Milch kein neues Label schaffen und nicht auf seinen Produkten damit werben. Die Konsumenten hat Nestlé damit nicht im Blick.

«Gelingt es mit dem Projekt, die Klimabelastung zu reduzieren, reduziert sich indirekt auch der ökologische Fussabdruck vieler Nestlé-Produkte», sagt Nestle-Sprecherin Inge Gratzer. Es geht um eine Langzeitstrategie der Landwirtschaft: Wichtig sei, dass die Innovation in der heimischen Landwirtschaft vorangetrieben werde, «denn Schweizer Milch muss gegenüber dem Ausland einen Mehrwert haben».

Ab 2019 soll das Pilotprojekt auf 3000 Kühe von 170 Bauernhöfen ausgedehnt werden. Es läuft dann noch vier Jahre. Zusammen mit weiteren Massnahmen, wie etwa der Gabe anderer Futtermittel, soll der Methanausstoss der Kühe pro Kilo Milch um zehn Prozent gesenkt werden.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Otti am 31.12.2018 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bauern Bursche

    Eine gesunde Milchkuh kann schon mal unselten 14 Jahre lang ein treues und geschätztes Mitglied in den Ställen dieser Schweiz sein!

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  • Uschle am 31.12.2018 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nestle

    Dass sind Good News. Danke Nestle. Allerseits es guäts Nöis

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  • caotikus am 31.12.2018 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uiuiuiuiui

    Es gibt tatsächlich mal positives in Verbindung mit dem Nahrungsmittelkonsum?! Ohne Label, ohne Werbung aber (leider) auch nicht ohne Eigennutz! Trotzdem, chapeau! Jetzt noch das ganze Geschäftsmodell auf sozial, ökologisch und nachhaltig ausrichten, und ich kann meinen Boykott beenden #mandarfjanochträumen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mammaleone am 01.01.2019 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Nach dem ersten kalben gibt eine Kuh natürlicherweise Milch! Was soll denn das Kalb dass bei der Mutter bleiben darf saufen?

  • Peter Künzle am 01.01.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Veterinäre und Medikamente

    Ist doch klar, dass der Landwirt bei gesunkenen Milchpreisen mehr auf die Rentabilität schaut. Das wird ja durch die Gesellschaft und Politik direkt gefördert. Je weniger jede einzelne Kuh zu dem Gesamtertrag des Bauernhof beiträgt, desto schneller wird das Tier bei gesundheitlichen Problemen zur Schlachtbank geführt. Dieses Projekt fördert nur wieder den vermehrten Einsatz von Tierarznei, was dem aktuellen Aktionsplan des Bundes zur Senkung von Antibiotika entgegenwirkt.

  • Branislav T am 01.01.2019 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heimatverbunden

    nestle ist wohl das seriöseste grossunternehmen der welt! nie etwas schlechtes gehört. weiter so

  • Bloss eine Frage... am 01.01.2019 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Zahlt Nestlé auch den Müttern

    in Afrika, denen das Milchpulver als die bessere Alternative zu ihre eigenen Muttermilch aufgeschwatzt wird, wenn jene das Pulver zwar kaufen aber nicht verwenden - damit ihre Kinder älter werden?

  • Curth Milleneuve am 01.01.2019 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    was uns hier aufgetischt wird unser liebes Vieh wird immer noch für den Klimawandel verantwortlich gemacht. Genau das Gegenteil ist der Fall je mehr Co2 je mehr grünes Gras und Wälder die wiederum Co2 aufnehmen. Gerade das was die Natur zum Leben braucht muss man reduzieren sagt man. Seit doch endlich froh wenn sich das Klima ändert so ändert sich wenigstens nichts was sich nicht schon immer geändert hat. Nur ein sich nicht änderndes Klima wäre die grosse Änderung.

    • Adrian am 01.01.2019 17:14 Report Diesen Beitrag melden

      kann trotzdem zu viel sein

      Die Natur braucht eine gewisse Menge CO2 wie der Mensch Wasser braucht. Aber nur weil der Mensch Wasser braucht, heisst dies aber noch nicht, dass er an zu viel Wasser nicht sterben kann.

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