Content-Rückzug

26. April 2019 10:20; Akt: 26.04.2019 10:20 Print

Diesen Serien droht das Aus auf Netflix

von Raphael Knecht - Weil Disney, Warner und NBC bald eigene Streaming-Dienste haben, kehren sie Netflix den Rücken. Das wird auch die Schweiz betreffen.

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Disney ist dabei, «Star Wars» sowie andere Filme und Serien von Netflix abzuziehen. Auch weitere US-Medienriesen planen eigene Streaming-Dienste und kehren Netflix den Rücken. «Family Guy» könnte auf Disneys Streaming-Dienst Disney Plus abwandern. «Friends» könnte auf AT&Ts Streaming-Dienst Warner Media abwandern. «Good Girls» könnte auf Comcasts Streaming-Dienst NBC Universal abwandern. «How I Met Your Mother» könnte auf Disneys Streaming-Dienst Disney Plus abwandern. «Pretty Little Liars» könnte auf AT&Ts Streaming-Dienst Warner Media abwandern. «Prison Break» könnte auf Disneys Streaming-Dienst Disney Plus abwandern. «Star Wars: The Clone Wars» könnte auf Disneys Streaming-Dienst Disney Plus abwandern. «The Big Bang Theory» könnte auf AT&Ts Streaming-Dienst Warner Media abwandern. «The Blacklist» könnte auf Comcasts Streaming-Dienst NBC Universal abwandern. «The Good Place» könnte auf Comcasts Streaming-Dienst NBC Universal abwandern. Wenn die Medienriesen Netflix den Rücken kehren, könnte das für die Nutzer eine Preiserhöhung nach sich ziehen, denn Netflix muss dann mehr in die Eigenproduktion investieren. Der Anbieter hat in der Schweiz schon dieses Jahr die Preise erhöht: Das Standard-Abo mit HD-Qualität und gleichzeitiger Wiedergabe auf zwei Geräten verteuert Netflix um 1 Franken auf neu 16.90 Franken. Im Bild: Szene aus dem Film «Triple Frontier» mit Ben Affleck. 2 Franken mehr kostet das Premium-Abo mit HD- und 4K-Auflösung und gleichzeitiger Wiedergabe auf vier Geräten: Neu müssen Nutzer dafür 21.90 Franken zahlen. Unverändert bei 11.90 Franken bleibt das Basis-Abo. Die Preise gelten ab sofort für Neukunden. Für bestehende Abonnenten wird es ab ihrer nächsten Rechnung im Mai teurer. (Bild aus der Netflix-Serie «Sex Education») Seit dem Start von Netflix in der Schweiz 2014 ist die jetzige Preiserhöhung schon die zweite. Die letzte Anpassung gab es im Herbst 2017. Netflix begründet die höheren Preise mit den steigenden Investitionen für Eigenproduktionen. (Bild aus dem Film «Bird Box») «Wir investieren viel Geld für hochwertige Filme und Serien. Das muss sich auch in den Abo-Preisen widerspiegeln», sagt ein Netflix-Sprecher auf Anfrage. Laut Jean-Claude Frick sind die höheren Abo-Kosten zwar für die Nutzer unerfreulich. Der Digitalexperte der Vergleichsplattform Comparis finden den Schritt dennoch gerechtfertigt. «Für das, was Netflix bisher geboten hat, waren die Abos bisher fast zu günstig.»

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Noch dieses Jahr will Disney seinen eigenen Streaming-Service Disney Plus lancieren. Damit wird der Konzern künftig Netflix direkt Konkurrenz machen. Weitere US-Medienriesen wie Warner Media und NBC Universal haben ebenfalls solche Angebote geplant.

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Für Netflix dürfte das ein harter Schlag sein, denn die Medienriesen werden ihre Inhalte vom Streaming-Pionier abziehen: «Es wird Netflix richtig weh tun, wenn etwa Disney alle seine Filme und Serien abzieht», sagt Jean-Claude Frick, Digital-Experte beim Vergleichsdienst Comparis, zu 20 Minuten.

Content-Rückzug hat bereits begonnen

So dürften «Star Wars»- sowie Marvel-Serien und -Filme von Netflix zu Disney Plus und die immer noch sehr beliebte Serie «Friends» zu Warner Media wechseln. «Der Prozess läuft schon», sagt Michael Klass, Leiter der Fachstelle Digital Marketing der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), zu 20 Minuten.


Das sind Serien, die in der Schweiz auf Netflix zu sehen sind, aber ursprünglich von den US-Riesen stammen. (Tabelle: RKN)

Der Content der drei US-Grosskonzerne, die demnächst ihre eigenen Plattformen lancieren, ist extrem beliebt: Derzeit verbringen Nutzer im Heimmarkt rund 40 Prozent ihrer Zeit auf Netflix damit, Filme und Serien von diesen Firmen zu schauen, wie das «Wall Street Journal» schreibt. Wie viel es in der Schweiz sind, ist nicht bekannt – die Inhalte hätten aber auch hier eine grosse Zugkraft, sagt Klaas.

Auch die Schweiz ist betroffen

Der Content-Rückzug der Medienriesen dürfte sich zuerst in den USA vollziehen, denn dort werden die Netflix-Konkurrenten als Erstes lanciert – Disney Plus und Warner Media wollen noch dieses Jahr an den Start, NBC Universal soll 2020 kommen. Experten sind überzeugt, dass die Veränderungen auch die Schweiz betreffen werden: «Sobald die neuen Plattformen auch bei uns aktiv werden, wird deren Content bei Netflix verschwinden», sagt etwa Frick von Comparis. Das sei nur eine Frage der Zeit.

Um anstelle der verschwindenden Inhalte weiterhin attraktive Filme und Serien bieten zu können, muss Netflix jetzt vor allem die Eigenproduktion ankurbeln, sind sich die Experten einig. Zudem werde Netflix weiterhin auf Fremdinhalte angewiesen sein, sagt Klaas von der ZHAW: «Die müssen dann teuer eingekauft werden.» Für Kunden werde das Preiserhöhungen bedeuten. Netflix hat erst kürzlich bereits das zweite Mal in Folge die Preise in der Schweiz erhöht.

Dafür sei aber davon auszugehen, dass die Qualität der Inhalte künftig steigen dürfte. Wenn die Konkurrenz grösser wird, kann man sich weniger erlauben, mittelmässige Serien zu produzieren. Das gilt sowohl für die Industrieriesen mit den neuen Angeboten als auch für etablierte Streaming-Anbieter – und nicht nur Netflix, sondern alle, die künftig eigene Filme produzieren. Darunter sind etwa Amazon und Apple.

Schweizer Netflix-Angebot ist kleiner

Das Angebot von Netflix in der Schweiz ist bereits heute kleiner als das im Heimmarkt. Schweizer Nutzer können derzeit auf 2935 Filme und 1325 Serien zugreifen. In den USA sind es 4091 Filme und 1761 Serien.

Auf die Frage von 20 Minuten, wie Netflix mit der steigenden Konkurrenz umgehen wird, hat das US-Unternehmen bisher nicht geantwortet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MM am 26.04.2019 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pirat

    Na dann holen wir mal den Piratenhut wieder nach vorne...

    einklappen einklappen
  • Red Devil am 26.04.2019 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mensch will mehrere Abos haben

    Und bald sind wir wieder Piraten

    einklappen einklappen
  • Hinterschinken am 26.04.2019 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Ich zahle gern für meine Bequemlichkeit, aber wenn ich mir schussendlich vier Dienste zulegen müsste, lade ich die Medien halt wieder traditionell herunter...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Susi am 27.04.2019 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel besser

    Netflix' Eigenproduktionen sind viel besser als die ollen Disney Serien. Da zahle ich gerne etwas mehr fürs Abo.

  • Dober am 27.04.2019 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    old news

    ist seit letztem jahr bekann. alles jugendfreie geht auf Disney+ alles nicht jugendfreie auf Hulu. Alles Marvel geht übrigens auch auf Disney+ Mit dem kauf von Fox besitzt Disney fast die hälfte von Hulu. Freue mich auf die neuen Serien auf Disney+ die Scarletwich, Loki, und Live Action Star Wars

  • der pirat am 27.04.2019 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    ho ho ho

    ich habe über 500 serien und 2400 filme auf meinem server in HD. was brauch ich netflix?

  • Julia am 27.04.2019 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Dann halt 2-3 Abo's

    Kommt für mich immernoch billiger wie DVDs und CD käufe früher... kein bock auf Download, mit zum Teil schlechter Ton und Bildqualität, das ist etwas für Bastler! Oder streaming via dubiose Seiten...

  • Thom am 27.04.2019 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Arrrghhh....

    Ahoi und ne Puddle Rum, wir stechen wieder in See der guten Beute nach. Hisst die Totenkopf Flagge.