Blender-Schachtel?

07. Oktober 2019 16:39; Akt: 07.10.2019 18:56 Print

Neue Kägi-Packung – weniger Inhalt, mehr Abfall

Der Biscuit-Fabrikant Kägi hat die Packung der Kägi-fret verändert. Obwohl die Abfallmenge steigt, hat es zwei Schoggiwaffeln weniger drin. Und der Preis?

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Der Traditionshersteller Kägi hat die Verpackung seiner Kägi-Fret-mini-Biscuits angepasst: Neu kommen die Guetsli in einer eckigen Kartonschachtel daher, die massiv grösser wirkt als das bisherige Gebinde. In der neuen Packung befindet sich ein in Plastik eingeschweisster, vierteiliger Innenkarton, der jeweils sechs Biscuits von den nächsten sechs trennt. Bis anhin waren die Kägi-Fret lediglich eng aneinander in einem simplen Innenkarton verpackt gewesen, der von plastifiziertem Papier umschlossen wurde. Bei Kägi heisst es, dass die Biscuits mit der neuen Verpackung besser vor Stössen und Wärme geschützt seien. Im Bild: Der Hauptsitz der Firma Kägi im sankt-gallischen Lichtensteig. In der Kägi-Manufaktur werden seit über 80 Jahren knusprige Biscuit- und Waffelspezialitäten produziert. In der Schweiz wurden in diesem Frühling die Coca-Cola-Flaschen kleiner. Trotzdem blieben die Preise gleich. Viele Hersteller tricksen bei den Verpackungen und beim Inhalt, um den Konsumenten unbemerkt mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Für Konsumenten schwer zu durchschauen: Durch minimale Veränderungen bei Wareninhalt und Preis machen Hersteller ihre Produkte teurer. Saftige Preiserhöhung: Packungsinhalt um 200 Gramm erhöht, aber auch am Preis geschraubt. Um ganze 29,2 Prozent ist dieser laut Verbraucherzentrale Hamburg gestiegen. 100 ml weniger drin: Das macht eine indirekte Preiserhöhung von 11,1 Prozent bei der Glace von Mövenpick aus. Mehrere Sorten seien betroffen, schreibt die Hamburger Verbraucherzentrale. 11,1 Prozent Preiserhöhung auch bei dieser Schokolade: 20 Gramm weniger Ware erhalten Konsumenten beim Kauf dieser Süssigkeit. 47-44-40-37: Das sind keine Modelmasse, sondern die verwirrenden Stückzahlen bei Windelpackungen aus dem Hause Procter und Gamble. Durch das Schrauben am Inhalt erhöhte sich der Preis um satte 27 Prozent, wie die Hamburger Verbraucherzentrale schreibt. Sie beruft sich auf Zahlen von 2006 bis 2012. Von 50 auf 40 Waschladungen, oder von 3,5 Liter auf 2,92 Liter: 25 Prozent teurer machte Hersteller Ariel einige seiner Waschmittel durch sukzessives Schrauben an der Produktmenge. Ganze 51,7 Prozent teurer wurden zwischen 2006 und 2010 diese Chips: Auch hier machte sich der Hersteller am Verpackungsinhalt zu schaffen. Dieser schrumpfte von 200 Gramm auf 170 und schliesslich auf 165 Gramm.

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Es ist der Trick der Konsumgüterhersteller: Eine Firma ändert das Verpackungsdesign und passt dabei gleich noch den Inhalt an. Was für den Konsumenten bleibt, ist meist eine heimliche Preiserhöhung. So geschah es in diesem Frühling etwa bei den PET-Flaschen von Coca-Cola, die neu nur noch 450 statt 500 Milliliter Inhalt haben.

Nun hat auch der St. Galler Traditionshersteller Kägi im September die Verpackung seiner Kägi-fret-mini-Biscuits angepasst, wie die SRF-Konsumsendung «Espresso» berichtet. Neu kommen die Guetsli in einer eckigen Kartonschachtel daher, die massiv grösser wirkt als das bisherige Gebinde. In der neuen Packung – selbstredend mit Schweizer Flagge und Berg-Design – befindet sich ein in Plastik eingeschweisster, vierteiliger Innenkarton, der jeweils sechs Biscuits von den nächsten sechs trennt.

Viel Luft in der Packung

Bis anhin waren die Kägi-fret lediglich eng aneinander in einem simplen Innenkarton verpackt gewesen, der von plastifiziertem Papier umschlossen wurde. Was neben dem gestiegenen Verpackungsmaterial der neuen Kägi-fret-Gebinde sonst noch auffällt: Es hat nur noch 24 statt 26 Schoggiwaffeln drin. Der geschrumpfte Inhalt zeigt sich auch bei der Mengenangabe. Neu hat die Packung noch einen Inhalt von 152 statt 165 Gramm. Der Rest: Luft oder Trennstege aus Karton.

Bei Kägi heisst es auf Anfrage, die neue Verpackung schütze die Schokoladenwaffeln besser vor Stössen. Zudem bleibe der Schokoladenmantel auch bei Wärme länger unversehrt und die Waffeln würden weniger aneinanderhaften. Weiter betont Sprecherin Anja Prasse: «Wir haben uns als erster Schweizer Hersteller für einen recycelbaren Innenkarton mit Zwischenstegen statt der marktüblichen Blisterschalen aus Plastik entschieden.» Sowohl der innere als auch der äussere Karton könnten recycliert werden.

Preisempfehlung angepasst

Geht mit der neue Kägi-Packung auch eine versteckte Preiserhöhung einher? Ein Augenschein im Detailhandel zeigt, dass gewisse Läden die Guetsli noch immer zum bisherigen Preis verkaufen.

Bei Kägi heisst es dazu, man habe mit dem geänderten Inhalt auch den Abgabepreis an den Handel sowie die unverbindliche Verkaufspreisempfehlung gesenkt. Der Biscuit-Produzent bedauert, dass die Läden womöglich vereinzelt mit leichter Verzögerung auf die Umstellung reagiert haben. «Inzwischen können wir bei den meisten Händlern eine Preisreduktion von 3.95 auf 3.65 Franken sehen», sagt Prasse. Dies entspreche einem stabilen 1oo-Gramm-Preis.

(sas)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli am 07.10.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft interessiert das Klima nicht

    Anscheinend lernt die Wirtschaft nichts, der dummer Bürger soll zahlen für das Klima und die Wirtschaft macht nichts dafür.

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  • Oskar am 07.10.2019 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gier

    Einfach nicht mehr kaufen!

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  • A.Bo am 07.10.2019 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skandalös

    Weder ökologisch (generell) noch ökonomisch (Kunde) sinnvoll..! Sorry notsorry #daumenrunter

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Die neusten Leser-Kommentare

  • P.Lastik am 14.10.2019 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird sich kaum

    Was ändern ! Die Wirtschaft muss gezwungen werden viel weniger Plastik zu verwenden ! Bis heute machen die gerade das Gegenteil ! ! !

  • Dave am 10.10.2019 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wen juckts?

    Wen juckts? Der Schweizer kauft eh in DE, da ist alles besser!!

  • Avenarius am 09.10.2019 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker haben keine Macht mehr

    Wir "einfachen" Leute haben die Macht. Also legen wir uns ins Zeug :-)

  • Cyber-Rechtsschutz-Versicherter am 09.10.2019 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    HOHE BUSSE

    Bei dieser rechtswidrigen Boykott-Hetzte gegen ein einzelnes Unternehmen, ist es nicht verwunderlich, dass Tamedia die Leser davonlaufen (), die wollen nicht zu Mittätern gemacht werden. So eine Boykott-Hetzte verstösst gröblich gegen jeden journalistischen Kodex.

  • Ruedi Trütsch am 09.10.2019 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig statt Reaktion

    Ach tut nicht so: Ihr kauft es weiterhin. Auch Coca Cola ist immer ausverkauft, obwohl dieses Unternehmen richtig dreist war, einfach die Flaschen kleiner zu machen und den Preis beibehalten hat. Wenn die Konsumenten tatsächlich einen Kaufstopp durchziehen würden, wären die Unternehmen sofort wieder vernünftig. Beobachten wir doch, ob sich die GL anders entscheidet... IHR HABT ES IN DER HAND!