Luxus-Offensive

04. Juli 2014 23:33; Akt: 04.07.2014 23:33 Print

Neuer Passat fordert BMW und Mercedes heraus

von Arno Meili - Mit sportlichem Design und modernster Technologie will VW den neuen Passat im Premiumsegment etablieren. Für den Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer birgt das einige Risiken.

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«New Business Class»: Der neue VW Passat soll mit modernster Technik und sportlicherem Design den Premiummarken Mercedes, BMW und Audi Konkurrenz machen. «Für mich persönlich ist der Passat Oberklasse im Mittelklasseformat, weil er ein Auto mit Premium-Anspruch, aber ohne Premium-Kosten ist», sagte Konzernchef Martin Winterkorn (rechts) bei der Enthüllung des Wagens. Für Ferdinand Dudenhöffer, Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, ist diese Strategie riskant. «Der Passat ist ein Volkswagen, der keiner mehr sein will. Es ist aber sehr schwer, aus einem Spatz eine Taube zu machen», so der Experte zu 20 Minuten. Ausserdem konkurrenziere der Passat Premiummarken im eigenen Konzern, wie beispielsweise Audi oder Porsche. Mit dem Passat will VW seine Position im Automarkt weiter stärken. Der aktuell profitabelste aller Autobauer heisst Porsche. Die Deutschen verdienten im ersten Halbjahr 2013 pro verkauftem Fahrzeug im Schnitt 16'600 Euro (Stufe Ebit). Die Gewinnmarge liegt damit bei 18,4 Prozent. Auf Rang zwei schafft es Ferrari. Dem Autohersteller bleiben pro verkauftem Boliden 15'000 Euro - die Marge beträgt 11,9 Prozent. Rang drei geht an die Marke Audi, die zum Volkswagen-Konzern gehört. Pro verkauftem Auto bleibt ein Gewinn von 3821 Euro. Bei den Massenherstellern liegt Toyota an der Spitze. Die Japaner verdienen pro Fahrzeug 1801 Euro. Das gibt eine Gewinnmarge von 9 Prozent. Zum Vergleich: Bei Porsche ist sie fast doppelt so hoch. Dahinter folgt mit 1027 Franken Erlös pro abgesetztem Fahrzeug Hyundai. Die Gewinnmarge: 9.3 Prozent. In den roten Zahlen liegt Fiat. Die Italiener legen pro Fahrzeug 130 Euro drauf. Rechnet man die Fiat-Zuliefersparte und Ferrari-Maserati mit ein, war das Fiat Ergebnis im ersten Halbjahr aber positiv. Bei der Profitabilität kann VW nicht mit der Konkurrenz aus Asien mithalten. Bei der Marke der Volkswagen-Gruppe bleiben pro verkauftem Auto 629 Euro. Die Gewinnmarge beträgt 3 Prozent. Noch schlimmer steht es um Peugeot-Citroen. Hier resultierte pro Auto ein Verlust von 349 Euro. Schlecht steht es auch um Renault. Der französische Autobauer schrieb pro Auto 414 Euro Verlust. Ganz am Ende des Rankings liegt Ford Europe. Hier bleib am Ende pro abgesetztem Auto ein Minus von 843 Euro. Gar noch schlimmer war es im Vorjahr. Damals lag der Verlust sogar bei 967 Euro.

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Am Donnerstag enthüllte VW die achte Generation des Passat, die Ende des Jahres auf den Markt kommen wird. Das neue Modell hebt sich stark von seinen Vorgängern ab. Äusserlich ist der Mittelklassewagen breiter und flacher geworden, zudem verfügt er über mehr Innenraum, hat an Gewicht verloren und soll im Vergleich mit den Modellen anderer Marken deutlich weniger Sprit verbrauchen.

Die grösste Veränderung hat der Passat aber in seiner technischen Ausstattung erfahren: So ist die gesamte Instrumenteneinheit laut dem «Handelsblatt» digital inklusive Head-up-Display, das verschiedene Infos auf einer ausfahrbaren Glasscheibe im Sichtfeld des Fahrers anzeigt. Ausserdem ist der Passat mit zahlreichen Assistenzfunktionen versehen, die den Lenker unter anderem beim Einparken und im Stau unterstützen sollen.

Angriff auf BMW und Mercedes

Mit diesen Neuerungen will der Wolfsburger Konzern den Passat ins Premiumsegment heben: «Für mich persönlich ist der Passat Oberklasse im Mittelklasseformat, weil er ein Auto mit Premium-Anspruch, aber ohne Premium-Kosten ist», sagte Konzernchef Martin Winterkorn bei der Enthüllung des Wagens. Die Preise für den neuen VW Passat starten laut «Auto, Motor und Sport» bei 25'875 Euro. Damit ist er deutlich günstiger als die Konkurrenzmodelle von BMW, Mercedes und Audi, die im Premiummarkt dominieren.

Für Ferdinand Dudenhöffer, Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, ist diese Strategie trotz allgemein besserer Margen im Premiumsegment mit einigen Risiken für VW verbunden. So sei der Passat vor allem bei Firmenkunden äusserst beliebt und fungiere dabei hauptsächlich als praktischer Funktionswagen – etwa für Aussendienste oder Monteure. «Durch den höheren Preis gegenüber dem Vorgängermodell könnte der Passat aber gerade in diesem Segment an andere Marken wie Skoda oder Opel Kunden verlieren», so der Experte zu 20 Minuten.

Etablierte Marken ausser Konkurrenz

Diese Verluste könne der Konzern im Premiumsegment aber nicht auffangen, denn in diesem kleinen Markt werde es VW kaum gelingen, etablierten Marken wie Mercedes Konkurrenz zu machen. «Premiummarken wie Mercedes, Porsche, Jaguar oder Land Rover haben sich über Jahre etabliert und werden bei den Leuten auch als solche wahrgenommen», sagt Dudenhöffer. VW hingegen habe ein anderes Image, das beim Kunden kaum zu ändern sei. «Der Passat ist ein Volkswagen, der keiner mehr sein will. Es ist aber sehr schwer, aus einem Spatz eine Taube zu machen.»

Ein weiteres Problem sieht Dudenhöffer in der Konkurrenzierung der eigenen Marken innerhalb des VW-Konzerns. «VW hat selbst erfolgreiche Premiummarken wie Porsche und Audi. Mit der Neuorientierung des Passat kannibalisiert VW seine eigenen Marken.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Volvofahrer am 05.07.2014 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Phaeton

    Das sah man gut am Modell Phaeton von VW. Ein super Auto, das den Vergleich mit BMW und Audi absolut nicht scheuen musste,aber niemand bezahlt 100k um mit einem VW rumzufahren;)

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  • Nein nein am 05.07.2014 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder?

    Haben die VW noch nichts gelernt? Das hatten sie doch schon einmal. VW fängt tief an und die Preisliste wird dafür doppelt so lang sein wie die von BMW und Kollegen. Das Aussehen ist nicht gerade gelungen noch schön. Sportlich? Mir ist es eigentlich egal was es für eine Marke ist, ich will was für mein Geld haben. VW ist extrem teuer auch Ersatzteile haben einen Preis der nur noch frech ist. Volkswagen war einmal, schade.

  • friedel am 05.07.2014 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ein VW bleibt Mittelklasse

    Sie haben bereits mit dem Phaeton einen riesigen Flop gelandet. Sie sind unumstritten sehr gut in der Mittelklasse, aber für die Oberklasse fehlt ihnen ganz einfach der Innovationsgeist, wie zb. bei BMW nicht nur das Beste vom Besten verbaut wird, sondern auch designtechnisch ganz vorne mitmischt. VW designt von A bis Z vollkommen nichtssagende, neutral-langweilige Autos, auch dieser Passat ist wieder absolut charakterlos.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Herbert G. am 06.07.2014 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wollt ihr Design und Stil?

    Dann schaut bei den Italienern und Franzosen aber nicht bei den Deutschen...

    • Hans am 06.07.2014 23:08 Report Diesen Beitrag melden

      Haha! Schauen Sie sich die Karre..

      ....in 3 Jahren an. Ich will Auto fahren, nicht stossen!

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  • BWL Erstsemester am 06.07.2014 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Top-Manger vernichtet Geld mit Passat

    Mit der Passat-Premium-Furz-Idee kostet der VW Konzernchef das Unternehmen mehr, als er damit an Revenue (Profit/Loss) jemals generiert. Winterkorn denkt vom Produkt her und nicht von seinem Kundenmarkt! Sein Gehalt als Topmanager ist zu kürzen. Und er VR soll aus dem Winterkorn einen Sommerschlau machen. Oder lesen wir bald dass die Passat-Abteilung abspecken muss = sprich Entlassungen?

  • marcel am 06.07.2014 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    deutsche wagen überteuert und anfällig

    welche Autos stehen meistens am Strassenrand mit einer panne ? deutsche wagen, achtet euch mal drauf. es sind einfach überteuerte wagen die ihren preis nicht wert sind. egal ob Vw, Audi, BMW.......

    • Alfred E. Neumann am 06.07.2014 23:12 Report Diesen Beitrag melden

      Das möchte ich gerne...

      ... bewiesen sehen. Was ich am Strassenrand sehe sind Autos, die die Servicegarage schon länger nicht mehr gesehen haben. Oder solche welche ausser Plasitk nichts zu bieten haben.

    • zoran am 07.07.2014 00:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      auch die deutschen geben zu dass ihre autos nicht

      obwohl zbsp. adac stimmen gefälscht hat, und die auto bild offensichtlich vw gesponsert ist

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  • Urs L. am 06.07.2014 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wäh

    Schaut euch das Auto an und ihr wisst das es nicht gelingen wird. Ein Head Up Display macht keinen BMW.

  • Autonarr am 06.07.2014 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    VW-heisst Volkswagen

    Jedoch fürs Volk wurde keiner mehr seit dem Käfer gebaut. Ich denke dieser Konzern sollte den Namen wechseln, denn er produziert für Wohlhabende.

    • deb_ch am 07.07.2014 15:04 Report Diesen Beitrag melden

      Die neuen Volkswagen..

      ..heissen wohl Dacia. Oder Hyundai.. ,-)

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