Kokosblüten und Dattelsirup

15. Oktober 2017 12:30; Akt: 15.10.2017 12:30 Print

Neuer Trend-Zucker erobert die Schweiz

von Dominic Benz - Die Zucker-Industrie und die Detailhändler passen sich den Bedürfnissen der Kunden an. Im Trend liegen Alternativen zum Rübenzucker.

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Die europäische Zucker-Industrie ist in Bewegung geraten. Seit 1. Oktober ist der Markt liberalisiert. Das heisst: Die Schweiz droht von billigem EU-Zucker überschwemmt zu werden. Für die Industrie sind die Umwälzungen daher auch ein Anreiz, neue Geschäfte zu erschliessen.

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So bilden sich immer mehr Nischen mit exotischen Alternativen zum klassischen Rüben- und Rohrzucker. Und diese liegen im Trend – auch bei den grossen Detailhändlern. «Wir stellen eine zunehmende Nachfrage nach exotischen Zucker-Alternativen fest», teilt Coop auf Anfrage mit. Der Lebensmittelriese führt denn auch verschiedene Alternativen im Sortiment. Dazu gehören Kokosblütenzucker, Dattelsirup oder Agavendicksaft.

Denner beobachtet Markt genau

Auch die Migros hat Zuckeralternativen in den Gestellen und rüstet das Sortiment immer wieder auf. Ab Mitte Oktober sei Kokosblütensirup unter der Marke Alnatura erhältlich, teilte die Migros mit. Trotzdem: Von einer aktuell erhöhten Kundennachfrage will das Unternehmen nichts wissen. Zu den Umsätzen geben sowohl Migros als auch Coop keine Auskunft.

Vom Boom mit Zucker-Alternativen profitieren vor allem Reformhäuser. «Die Nachfrage steigt stark, sie ist in den letzten drei Jahren um rund das Fünfzehnfache gestiegen», sagt Philippe Theubet, Chef der Naturkostbar AG.

Gesündere Alternative

Beliebt ist vor allem Kokosblütenzucker. Im Bereich der Süssstoffe macht der Kokosblütenzucker laut Theubet knapp zwei Drittel des Umsatzes aus. Der Süssstoff verwendet die Firma für Produktion unter anderem von Pralinen und Schokolade.

Kokosblütenzucker, der aus dem Nektar der Kokospalme hergestellt wird, sehen Kunden als gesündere und bekömmlichere Alternative zum herkömmlichen Zucker. Der Blutzuckerspiegel steigt nach dem Verzehr nur langsam an, was Diabetes, Übergewicht oder Herzerkrankungen vorbeugen soll. Zudem enthält er viele Nährstoffe wie Zink, Kalium, Eisen oder Magnesium und gehört laut Theubet zu den nachhaltigsten Süssungsmitteln weltweit.

Hoher Preis

Dem Boom der alternativen Süssungsmittel sieht der einzige Zuckerrüben-Verarbeiter der Schweiz, die Aarberger Zucker Schweiz AG, gelassen entgegen. Das seien absolute Spezialprodukte und würden von Liebhabern gekauft, sagt Chef Guido Stäger. «Da fallen kaum Marktanteile für uns weg.» Für die Lebensmittel-Industrie gebe es kaum Alternativen.

Grund dafür ist vor allem auch der Preis. Die Zucker-Alternativen sind oft mindestens zehnmal teurer, sagt Stäger. Bei der Migros kostet ein Kilo Schweizer Feinkristallzucker einen Franken, ein halbes Kilo Kokosblütenzucker hingegen schnell rund zehn Franken und mehr.

Neue Kundenbedürfnisse

Dass sich der Zuckermarkt verändern wird, bestätigt Stäger hingegen. Es gebe neue Kundenbedürfnisse und neue Angebote. So stellt sich auch die Zucker Schweiz AG breiter auf. «Wir versuchen auch, unser Sortiment auszuweiten mit Biozucker aus Rüben oder Rohr, braunem Rübenzucker oder Gelierzucker», erklärt der Firmenchef.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Domi am 15.10.2017 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder ein gehyptes Lebensmittel...

    Im Endeffekt handelt es sich immer noch um einen Zucker. Und der besteht in der Natur fast immer aus Glucose, Fructose oder einer chemischen Verbindung aus den beiden Molekülen (Saccharose). Der niedere glycämische Index weist auf einen hohen Fructosegehalt hin. Trotzdem ist es immer noch ein raffiniertes Produkt mit gleich viel Kalorien wie normaler Haushaltszucker. Nur weil es aus einer exotischen Pflanze kommt, viel kostet und in bestimmten Weiberzeitschriften undifferenziert gehyped wird, ist es noch lange kein gesundheitliches Wunderwerk mit mystischen Fähigkeiten. Checkt das endlich!

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  • DavidLU am 15.10.2017 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zucker bleibt Zucker

    und alle glauben nur weils aus anderen Grundstoffen gewonnen wird ist es gesund

  • Amina123 am 15.10.2017 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unnötiger "ausweicher"

    da mein verbrauch an zucker extrem gering ist,werde ich auch nicht auf die neuen alternativen zurückgreifen,was ich eh nicht für sehr sinnvoll halte. man bedenke die weiten wege,die es zurücklegt und das nur als alternative zu unserem zucker...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Samuel K. am 17.10.2017 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Das sind doch

    nur Wohlstandsprobleme! Haben wir Konsumenten keine anderen Sorgen?

  • mumof4 am 17.10.2017 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    das problem ist

    auch dieser zucker ist ungesund da er in unmassen genossen wird. wenn man lust auf süsses verspürt einfach früchte essen. da kann man nicht zuviel aufnehmen, den man hört irgendwann auf. dieser zucker jedoch ist konzentriert. soviel würde man übers früchte essen niemals aufnehmen. deshalb ist auch dieser zucker nicht gesund. es ist einfach zuviel für den körper.

  • Gärtnerin am 16.10.2017 22:49 Report Diesen Beitrag melden

    macht mal alles kaputt nur nicht denken

    Datteln - da sind Monokulturen bereits angesagt und es verschwinden noch mehr Naturwälder, deren Fauna und Flor. Hört auf damit - genau so wie bei Kokosblütenzucker, also der Nektar der Kokosblüten. Genau dieser Nektar zieht Insekten und gegebenenfalls kleine Vögel an, die davon leben und gleichzeitig als Bestäuber dienen. Werden die Kokosblüten abgenommen, es wird wohl kaum bei jeder Blüte mit der Spritze Nektar entnommen, gibt es keine Kokosnüsse mehr und das Kokosfett fehlt. Der Mensch spielt blinde Kuh und wundert sich danach. Dabei sind Zuckerrüben so patent. Man kann auch wenig Zucker.

  • Radiesli am 16.10.2017 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wer profitiert?

    Einfach nicht jammern über Subventionen an unsere Landwirte.

  • Unnütziger am 16.10.2017 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wie der Zucker so die Milch

    Alle verstehen, dass Zucker ungesund ist. Mal sehen, wie lange es geht, bis auch erkannt wurd, dass Kuhmilch gut für ein Kalb ist (wie Muttermilch für unsere Babies), aber dass Kuhmilch schlecht ist für den Menschen. Der Glaube an Kalzium etc wird immer noch zelebriert. An Schulen wird Milch verteilt. Milchprodukte sind eine eigene Kategorie in vielen Nahrungsmittel-Lehrbüchern. Warum? Milchlobby sei Dank.