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19. August 2019 16:50; Akt: 19.08.2019 16:52 Print

Firmen wollen keine Raucher einstellen

von S. Spaeth, D. Benz - Rauchen kann die Jobchancen schmälern. So schreiben Firmen explizit ins Anforderungsprofil, dass sie nur Nichtraucher suchen. Gewerkschaften finden das problematisch.

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Wer raucht, hat auf dem Jobmarkt zuweilen einen Nachteil. Firmen suchen in Inseraten teilweise bewusst nach Nichtrauchern. So steht im Jobinserat der Lotus Beauty GmbH aus dem sankt-gallischen Zuzwil unter den Anforderungen: Nichtraucher. Bei der Gewerkschaft Unia hat man grosse Vorbehalte gegenüber solchen Stelleninseraten: «Ob jemand raucht oder nicht, ist Privatsache. Es ist unangebracht, in Jobausschreibungen nach Nichtrauchen zu suchen», sagt Unia-Sprecher Philipp Zimmermann Keine Raucher will auch der Food-Service-Anbieter Felfel. In den Online-Jobanzeigen heisst es auf Englisch: «No smoking: Felfel is a non-smoking company». Im Bild: Die Gründer Daniela und Emanuel Steiner. Es sei nicht zu beanstanden, wenn Firmen Mitarbeiter suchten, die nicht rauchten. Auch sind solche Inserate rechtlich nicht diskriminierend, sagt Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Uni Zürich. In Schweizer Stelleninserate schleichen sich regelmässig lustige Vertipper oder Unklarheiten ein. Fürs Buch «Skurrile Stellenanzeigen und wie man es richtig macht» haben die Macher während zwei Jahren Inserate gesammelt. Was sucht diese Firma genau? Man muss einfach alles können. Unklar ist auch dieser Jobtitel. In den Jobtitel gehört nur die Hauptinformation. Die Firmennamen sind im Buch anonymisiert, alle Inserate sind aber tatsächlich so erschienen. «Benutzen Sie aussagekräfte Titel, damit sie von den Suchmaschinen erkannt werden», heisst es in einem Tipp im Buch. Dieses Inserat setzt branchenspezifisches Wissen voraus. Hä...?! Was wird genau gesucht? Tanzpädagogin, Kindergärtnerin, oder ... Was tut ein Hai-Cleaner genau? Mit dieser Info zum Beschäftigungsgrad können Bewerber nicht viel anfangen. Hier stehen die gelegentlichen Überstunden schon im Jobinserat. Besser nicht: Demenzerfahrung ... Lieben Sie Ihren Job? Berner und Aargauer dürfen sich nicht bewerben. Wer gut aussieht, hat bei dieser Firma einen Vorteil. Wir wollen zu den besten gehören. Hääää...!? Stelleninserate sind so etwas wie die Visitenkarte eines Unternehmens – Fehlerfreiheit ist darum das A und O, heisst es im Ratgeber. «Schon ein kleiner Tippfehler kann Unprofessionalität ausdrücken ... ... und Bewerber abschrecken», heisst es in der Einleitung des Buches. Ooops ... da ging was daneben.

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Ein gepflegtes Erscheinungsbild sollte man abgeben, selbstständig arbeiten können und einwandfreies Deutsch sprechen: so weit, so einleuchtend. Im Anforderungsprofil heisst es dann weiter wörtlich: «Nichtraucher/kein Gelegenheitsraucher». So steht es im Job-Inserat der Lotus Beauty GmbH aus dem sankt-gallischen Zuzwil. Die Firma mit Hauptsitz und einer Filiale bietet alle möglichen Kosmetikbehandlungen, Massagen, Nagelpflege oder Hautverjüngungen an.

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«Idealerweise haben Sie Ihre Familienplanung bereits abgeschlossen und möchten in ein neues Berufsfeld einsteigen. Es erwartet Sie ein sehr modernes und exklusives Arbeitsumfeld», schreibt Lotus Beauty in Online-Inserat weiter, worüber das Portal FM1today berichtet.

«Qualifikationen»: Nichtraucher

Ein Blick ins Stellenportal Jobs.ch zeigt 22 Stellen, bei denen explizit Nichtraucher gesucht werden. Beim Portal mit über 77'000 Jobs ist die Mediengruppe Tamedia, die 20 Minuten herausgibt, beteiligt. So schreibt etwa eine Immobilien- und Treuhandfirma von der Zürcher Goldküste unter «wir wünschen uns»: Nichtraucher. Ähnlich tönt es bei der Lucerne Clinic, die Personal für die Patientenüberwachung sucht. Unter «Qualifikationen» steht: Nichtraucher.

Bei der Gewerkschaft Unia hat man grosse Vorbehalte gegenüber solchen Stelleninseraten: «Ob jemand raucht oder nicht, ist Privatsache. Es ist unangebracht, in Jobausschreibungen nach Nichtrauchern zu suchen», sagt Unia-Sprecher Philipp Zimmermann zu 20 Minuten. «Ob aber jemand in seiner Freizeit oder während einer Pause raucht, hat den Arbeitgeber nicht zu interessieren», sagt Zimmermann weiter. Klar aber ist: Eine Firma darf Regeln aufstellen, wo oder ob innerhalb ihrer Räumlichkeiten gequalmt werden darf.

Laut Unia schränkt Rauchen die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters nicht in einem Masse ein, das ins Gewicht fällt. Folglich seien auch derartige Fragen im Bewerbungsgespräch problematisch. «Man hat ein Recht darauf, gewisse Dinge nicht bekannt zu geben», sagt Zimmermann. Umso wichtiger, dass Firmen sich im Bewerbungsverfahren korrekt verhalten würden. Er rät: «Sprechen Sie die Firma darauf an, dass die Frage nach dem Rauchen nicht angebracht ist, weil sie das Privatleben betrifft.»

«Inserate sind rechtlich nicht diskriminierend»

Private Firmen dürfen im Jobinserat explizit Nichtraucher suchen. «Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, ihren Mitarbeitern einen rauchfreien Rahmen zu gewährleisten», so Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Uni Zürich. Es sei daher nicht zu beanstanden, wenn Firmen Mitarbeiter suchten, die nicht rauchten. Auch sind solche Inserate rechtlich nicht diskriminierend. «In der Schweiz kennen wir kein allgemeines Diskriminierungsrecht, ausser bei Gleichstellung von Mann und Frau», so der Experte.

Keine Raucher will auch der Food-Service-Anbieter Felfel. Die Firma hat bereits 80 Angestellte und sucht zehn weitere. In den Online-Jobanzeigen heisst es auf Englisch: «No smoking: Felfel is a non-smoking company». Rauchen während der Arbeitszeit ist nicht erlaubt man darf nie nach Zigaretten riechen. Die Begründung: Im Unternehmen geht es um frisches und gesundes Essen. Die Angestellten dürfen auch in den Pausen nicht rauchen. «Es kann gut sein, dass Mitarbeitende mal nach der Arbeit zum Feierabendbier 'eine Rauchen', das ist dann Privatsache und komplett in Ordnung», sagt Geschäftsführerin Daniela Steiner zu 20 Minuten.

Geruch, häufige Pausen, lästiger Husten: Was stört Sie an Ihren rauchenden Arbeitskollegen? Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen!

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pflege am 19.08.2019 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nun ja...

    ...insbesondere in Pflegeberufen, innerhalb denen eine gewisse Nähe zu Patienten zwingend ist, empfinde ich starke Raucher als doch eher kritisch. Es ist sehr unangenehm für den Patienten wenn die Pflegeperson stark nach Rauch riecht.

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  • Andreas am 19.08.2019 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Ich sehe kein Problem. Das unternehmen darf selbst entscheiden, mit wem es einen Arbeitsvertrag schliessen möchte. Jeder einzelne darf entscheiden, ob er rauchen möchte. So what? Das gleiche gilt doch für sichtbare Tattoos, muss jeder selber wissen. Aber man darf eben dann nicht rum heulen, wenn man irgendwo nicht eingestellt wird.

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  • Lisa am 19.08.2019 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Why not!

    Finde ich gar nicht schlecht. Ich (raucherin) würde gerne damit aufhören. Würde es begrüssen in einem Nichtraucher-Umfeld zu arbeiten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lena Meyers am 03.09.2019 23:40 Report Diesen Beitrag melden

    Anstellung

    Ich bestimme in meiner Firma welche Personen ich anstellen möchte und welche nicht. Dazu brauche ich keine Nachhilfe von wem auch immer. Wer zahlt befiehlt!

  • Berner am 24.08.2019 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nichtraucher

    Wenn ich ein Geschäft mit Arbeiter hätte, ich würde keine Rächer einstellen. Mich wieder der Raucher Gestank an.

  • peter laufmann am 21.08.2019 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    An alle Ausgrenzer

    ihr seit nur missbrauchte Werkzeuge einer Elite, denn es wird der Moment kommen, da seit ihr dran, niemand ist vollkommen! Primitivste teile und herrsche Praktik für das obere 1%, deren einzige Angst es ist, dass wir solidarisch zusammen gegen diese Ankämpfen!

  • Tina am 21.08.2019 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht raucher arbeiten ja viel besser oder?

    Da entwickelt sich ja eine tolle Gesellschaft. Jeder fängt an mit dem Finger auf den anderen zu zeigen. Was kommt als nächstes? Irgendwann müssen wir ausstemplen um auf die Toilette zu gehen. Es sollte nach Arbeitsleistung gehen und nicht nach vorurteilen. Als würden nicht raucher 3x besser arbeiten.

    • Stefan am 21.08.2019 12:44 Report Diesen Beitrag melden

      Gibt's schon bei uns

      Das Ausstempeln für den Toilettengang haben wir schon, da die WC's außerhalb dem Arbeitsbereich ist. Sofern man den mit dem Chip verlässt, sonst kommt man nicht rein oder raus, wird die Arbeitszeit gestoppt

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  • Päde am 20.08.2019 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder darf einstellen, wen er will

    Echt jetzt, die Unia. Sind das die, die wegen der Krankenkassenprämien ständig jammern. Die wissen auch nicht, was sie wollen.