Konjunkturprognose

13. Dezember 2011 07:55; Akt: 13.12.2011 11:32 Print

Nicht k.o., nur ein blaues Auge

von Balz Bruppacher - Die Schweizer Wirtschaft steht vor einer Durststrecke, aber nicht vor einem Absturz. Bedingung ist aber, dass es nicht zu einer grossflächigen internationalen Bankenkrise kommt.

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Im Einklang mit anderen Konjunkturexperten hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Wachstumsprognose für 2012 ungefähr halbiert, auf 0,5 Prozent, verglichen mit 0,9 Prozent in der bisherigen Prognose. «Durchaus denkbar sind im Winter auch zwei negative Quartale», sagt Seco-Chefökonom Aymo Brunetti. Das wäre gemäss gängiger Definition eine Rezession. Mit einem Einbruch wie vor drei Jahren rechnen die Bundesökonomen hingegen nicht. 2013 sollte die am realen Bruttoinlandprodukt (BIP) gemessene Wirtschaftsleistung wieder um 1,9 Prozent steigen.

Schmerzhaft dürfte aber die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt werden. Nach einer mittleren Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent im laufenden Jahr sagen die Experten des Bundes eine Zunahme auf 3,6 beziehungsweise 3,7 Prozent in den nächsten beiden Jahren voraus. Der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit wird Ende 2012 mit einer saisonbereinigten Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent erwartet. Unter Einschluss der saisonalen Effekte könnte dann gemäss Brunetti auch eine 4 vor dem Komma stehen. Das wären rund 160 000 Arbeitslose oder 40 000 mehr als jetzt.

Kein Weihnachtsgeschenk von Hildebrand in Sicht

Der Grund für die wirtschaftliche Talsohle liegt in der doppelten Problematik des starken Frankens und der sich abschwächenden Auslandkonjunktur, namentlich im Hauptabsatzmarkt Europa. Die von der Nationalbank eingeführte Wechselkursuntergrenze von 1.20 Franken für den Euro habe die Lage für die Unternehmen zwar stabilisiert und leicht entschärft, schreibt das Seco. Der aktuelle Frankenkurs ist nach den Worten von Brunetti aber nach wie vor extrem hoch.

Zur Politik der Nationalbank will sich der Seco-Chefökonom nicht äussern. Das Notenbank-Direktorium tritt übermorgen Donnerstag zur letzten Lagebeurteilung dieses Jahres zusammen. Der Leitzins ist faktisch bereits am Nullpunkt und lässt keine weitere geldpolitische Lockerung zu. Dass Philipp Hildebrand ein Weihnachtsgeschenk in Form einer Heraufsetzung des Mindestkurses für den Euro macht, ist angesichts der anhaltenden Unsicherheit in der Eurozone wenig wahrscheinlich.

Trotz Negativteuerung keine Deflation befürchtet

Die am Landesindex der Konsumentenpreise gemessene Teuerung dürfte gemäss Seco nächstes Jahr um 0,3 Prozent sinken. «Das ist aber keine Deflation», sagt Brunetti. Eine Abwärtsspirale von sinkenden Preisen und rückläufiger Nachfrage sei nicht zu befürchten. Der Chefökonom des Seco hält auch keine staatlichen Konjunkturprogramme für nötig. «Denn wir haben mit der Schuldenbremse und der antizyklischen Finanzierung der Arbeitslosenversicherung bereits automatische Stabilisatoren mit Milliardenwirkung», betont Brunetti.

Es kann auch schlimmer kommen

Die Prognose des Bundes ist aber mit einem grossen Vorbehalt behaftet. Sie betrifft die Entwicklung der europäischen Schuldenkrise. «Zentrale Voraussetzung für einen glimpflichen Konjunkturverlauf ist, dass es nicht zu einer grossflächigen internationalen Bankenkrise kommt», schreiben die Ökonomen des Bundes. «Die Abwärtsrisiken unserer Prognose überwiegen klar», sagt Brunetti, verweist aber auch auf ein gegenteiliges Szenario. Sollte das Vertrauen der Finanzmärkte in eine nachhaltige Lösung der Schuldenkrise zurückkehren, könnte der Aufwertungsdruck auf den Franken nachlassen. Die Schweizer Wirtschaft könnte dann auch von besseren Konjunkturaussichten im Euroraum profitieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Völlig Unklar am 13.12.2011 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nächstes Jahr steht die Wirtschaft still

    Juhui, dann können wir ein ganzes Jahr zuhause bleiben und Ferien machen! Oder meint der Titel wohl das Wachstum?

  • Peschä am 13.12.2011 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzen

    Es gibt gewisse Grenzen, wo Wachstum für breite Bevölkerungsschichten nicht mehr den Wohlstand verbessert - steigende Mieten, überfüllte Strassen und ÖV, Löhne unter Druck,...

    einklappen einklappen
  • Chris K am 13.12.2011 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Jammertal

    Jetzt hört doch endlich mit dem Jammern auf. Schlechte Prognosen und Schwarzmalen bringen uns schlussendlich auch nicht weiter! Steht auf und klemmt euch in den Allerwertesten! Wenns uns gut geht können ja auch immer alle zurücklehen, jetzt müssen wir halt wieder mal richtig anpacken, dass wir durch die Krise kommen. Das ewige Jammern nervt echt gewaltig!

Die neusten Leser-Kommentare

  • 807687 am 13.12.2011 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bedingung aber, dass es nicht zu einer

    ...grossflächigen, internationalen Bankenkrise kommt. Dazu nur soviel: Bankenrun in Griechenland und Estand, stiller Bankenrun in Ländern wie Irland, Spanien, Italien. Das ist erst eine Glut, aber ein kleiner Wind wird das Ganze anfachen und dann fallen die Banken wie Dominosteine! Also vergessen wir die Aussichten auf bessere Konjunktur und befassen wir uns mit dem worst case scenario. Gold und Silber retten Vermögen auch über die Währungsreformen hinaus. Also, worauf wartet Ihr noch?

  • Nico Meier am 13.12.2011 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    gute Lösung

    Viele Firmen beschäftigen unzählige Grenzgänger aus Frankreich oder Deutschland nun ist es an der Zeit wenn Arbeiter abgebaut werden zuerst die aus DE und FR abzubauen, dies erhöht die Arbeitslosenzahlen in der Schweiz nicht. Grenzgänger haben seit Jahren stark profitiert nun sollen sie Federn lassen.

  • Domino am 13.12.2011 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Spiralen-Domino-Effekt

    dreht sich bis zum geht nicht mehr.

  • Arbeiter aus Zürich am 13.12.2011 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft

    Immer wieder auf Ende Jahr werden schlechte Prognosen und Angstmache Publiziert, so dass der kleine Arbeiter wieder einmal auf Lohnerhöhung verzichten muss, da man ja Angst haben muss dass es wieder zu Massenentlassungen kommt. Dies seit gut 10 Jahren, ich habe seit dieser Zeit keine Lohnerhöhung bekommen! Geschweige denn einmal einen Dank! Zudem kann ich die Steigende Teuerungen wie Krankenkassen, Mietwohnungszins, bald nicht mehr bezahlen! Ferien seit zwanzig Jahren in der Wohnung, vielleicht einmal im Monat auswärtsessen gehen mit Freunden.

    • Matthias am 13.12.2011 16:20 Report Diesen Beitrag melden

      Strafe für Unternehmen die Entlassen

      Tja und wenn die Unternehmen doch noch Gewinn machen, dann entlassen sie einen Tag später hunderte Arbeiter... Super! Solche Firmen sollten eine Strafe bezahlen müssen die ihnen weh tuen würde.

    einklappen einklappen
  • Völlig Unklar am 13.12.2011 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nächstes Jahr steht die Wirtschaft still

    Juhui, dann können wir ein ganzes Jahr zuhause bleiben und Ferien machen! Oder meint der Titel wohl das Wachstum?