Runder Tisch zu Importpreisen

10. August 2011 18:51; Akt: 10.08.2011 18:55 Print

Nichts als gute Absichten und fromme Wünsche

von Balz Bruppacher - Die Beteiligten am «Runden Tisch» zu den Importpreisen zeigten zwar viel guten Willen, konkrete Ergebnisse gabs aber nicht. Bundesrat Schneider-Ammann verwies auf den Markt.

(Video: Keystone)
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Ähnlich wie der «Frankengipfel» vom letzten Januar hat auch der «Runde Tisch» zu den Importpreisen in Bern vor allem ein grosses Medieninteresse ausgelöst. Bundesrat Johann Schneider-Ammann konnte keine konkreten Zusicherungen über die Weitergabe von Wechselkursgewinnen machen und schloss sein Statement vor den Medien mit der Bemerkung: «Letztlich sind wir eben doch im Markt.»

Druck auf den «Runden Tisch» hatten vor allem die Konsumentenorganisationen gemacht. Ihre Forderung nach einer sofortigen 20-prozentigen Preissenkung für Importprodukte stiess in der von Schneider-Ammann geleiteten Runde im Bernerhof offensichtlich ins Leere. Hinzu kommt, dass wichtige Player nicht am Tisch sassen. So fehlten die ausländischen Produzenten jener Markenartikel, wie Gillette oder Nivea, die in den letzten Wochen besonders am Pranger standen.

Mit ihnen will Schneider-Ammann aber das Gespräch suchen und versuchen, die Schlaufe etwas enger zu machen, wie er sich ausdrückte. Der Wirtschaftsminister regte auch an, das sogenannte Must-in-Stock-Prinzip – das heisst, wichtige Markenprodukte zwingend im Regal zu haben, – in Frage zu stellen und nicht als «gottgegeben» zu betrachten

«Währungsgewinne gibt es nicht»

Der Detailhandel und die Auto-Importeure versicherten, sie hätten alles Interesse, die Wechselkursvorteile an den Kunden weiterzugeben. «Die sogenannten Währungsgewinne gibt es nicht», versicherte AMAG-CEO Morten Hannesbo. Mirgos-Boss Herbert Bolliger forderte namens des Detailhandels gleich lange Spiesse wie die ausländischen Konkurrenten bei der Beschaffung.

Einigen waren sich die Branchenvertreter vor allem im Wunsch nach mehr Planungssicherheit. Das heisst, sie möchten vom Bund und der Nationalbank am liebsten wissen, mit welchem Wechselkurs sie kalkulieren können. Der Wirtschaftsminister machte deutlich, dass dies ein frommer Wunsch bleibt.

Keine raschen Beschlüsse des Bundesrats

Die Konsumentenorganisationen fordern mittelfristig eine Verschärfung des Kartellgesetzes und mehr Kompetenzen für den Preisüberwacher. Rasche Beschlüsse des Bundesrats sind allerdings kaum zu erwarten. Geprüft werde allenfalls eine Gesetzesverschärfung bei den vertikalen Preisabsprachen, sagte Schneider-Ammann. Immerhin scheint der letztjährige Plan definitiv vom Tisch zu sein, diese Bestimmungen zu lockern. Schneider-Ammann mahnte die Wettbewerbskommission und den Preisüberwacher, ihre bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Sollte dies aus Personalmangel nicht möglich sein, signalisierte der Wirtschaftsminister Abhilfe.

Das sagte Migros-Chef Herbert Bolliger vor den Medien in Bern:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bernhard am 10.08.2011 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Hallo aufwachen!!

    Genau , das ist richtig --"Wir sind im Markt" und deshalb liebe Schweizer kauft auch im Ausland ein!! Immer diese Sprüche von allen Seiten welche schlechtes Gewissen verursachen sollen wenn man im Ausland einkauft. Hallo aufwachen !! Die grossen Importeure verdienen sich dumm und dämlich! Und wenn dann die Aufträge ausbleiben kommen Briefe wie heute wo darauf steht:Profitieren Sie von 7% Euro Preisvorteil!! Dabei müssten es ,wenn richtig umgerechnet ca. das 3-Fache sein! Aber viele können nicht rechnen sonst wüssten Sie was alleine 10Rp Umrechnungsdifferenz bedeuten.

  • Adelheid ich am 10.08.2011 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    Boykott

    Warum boykotieren wir die importieren waren nicht einfach? Vorallem bei den Nahrungsmitteln, wenn dann die Gestelle voll bleiben, können dann plötzlich die Preise gesenkt werden. Wetten?

    einklappen einklappen
  • Reto Derungs am 10.08.2011 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    zielführende Lösungen

    Statt dass die Nationalbank versucht, den heissen Stein tropfenweise zu kühlen, indem sie wahllos Franken in die Märkte schleust, wäre es effizienter, wenn sie den Exporteuren und der Tourismusbranche ihre Euros und Dollars zu einem anständigen Kurs gegen Fränkli wechselt. Alle diese Unternehmungen haben ja eine Steuerbilanz, und der Plafond wäre dort, wo der Vorjahresumsatz in Fremdwährungen geritzt wird. Sehe ich da etwas falsch?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sivori Hittnau am 11.08.2011 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Alibiübung Bundesrat und Detailhandel

    Alles nur Versprechungen! Dem Konsumenten wird weiterhin Sand in die Augen gestreut. Migros hat eine so grosse Marge und nennt sich immer noch das Soziale Kapital. Nichts ist wahr - im Gegenteil. Es wird auf Kosten der Konsumenten und Angestellten Profit gemacht! Die Schweiz und damit der Handel muss sich auf ihre Rolle besinnen. Kompromisse mit dem Ausland einzugehen bedeutet Schwäche zeigen und angreifbar werden.

  • Deutschland einkaufen am 11.08.2011 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    wer's immer noch nicht begriffen hat

    ab nach Deutschland einkaufen. Wollen die uns etwa für dumm verkaufen?

  • K. Räschter am 11.08.2011 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    unsere grossen Detail-Händler

    Unsere grossen Detail-Händler (Migros, Coop, Denner, Volg, etc.) sollten sich zusammenschliessen und die Lieferanten unter Druck setzen. Ich denke, dass sich auch diese einen Umsatz-Ausfall von all unseren Grossen nicht leisten können und wollen.

  • Alex am 11.08.2011 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Preise

    Und wenn der Schweizer Franken wieder an Wert verliert, gehen die Preise wieder nach oben, obwohl die Produkte vorher schon genauso viel kosteten, wo der Kurs bei 1.50 lag gegenüber denn Euro, dann zahlen wir nicht mehr 80-200% mehr sondern 160-400%. Also weiter im Ausland einkaufen, selber Schuld. Aber bitte dann nicht Motzen wegen Umsatzeinbüssen. Weil nichts rechtfertigt diese Preise.

  • Stefan W. am 11.08.2011 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Keine raschen Beschlüsse des BR

    Voll auf den Punkt gebracht! Fromme Wünsche. Kommt noch, dass der Bundesrat schon bald vor unseren Türen steht und klingelt. Auch das kriegt er noch hin.