Swatch-Chef

12. März 2015 16:57; Akt: 12.03.2015 17:25 Print

Nick Hayek spottet über Smartwatches der Rivalen

von S. Spaeth, Corgémont - Swatch hat die Antwort auf die Smartwatches von Apple und Co präsentiert: Uhren mit Bezahlfunktion. Man wolle kein Telefon ans Handgelenk bringen.

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«Wir sind keine Firma für Consumer Electronic, wir sind eine Uhrenfirma», stellte Swatch-Group-CEO Nick Hayek gleich zu Beginn der Medienkonferenz klar. Anders als viele Beobachter erwartet hatten, präsentierte Hayek am Donnerstagvormittag keine Smartwatch mit unzähligen Funktionen, die man als Konkurrenz zur Apple Watch bezeichnen könnte: Vielmehr war Hayek darauf bedacht, vor Analysten und Journalisten die gute Position seines Unternehmens darzulegen. Man sei gut aufgestellt, so Hayek über sein Reich mit zwanzig Marken sowie Uhrwerk- und Elektronikherstellern: «Die Schweiz ist das Silicon Valley.» Auch wegen der Smartwatch-Hysterie waren die Swatch-Group-Aktien zuletzt aber unter Druck gekommen.

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Die bisher auf dem Markt erhältlichen Wareables scheint Hayek zu belächeln. So platzierte er Seitenhiebe wegen ihrer kurzen Akkulaufzeiten – und meinte damit auch die Apple Watch, deren Batterie bei durchschnittlicher Nutzung nicht einmal einen Tag hält. Bei der Swatch Group hingegen wisse man, wie wichtig das Thema Stromverbrauch sei, so Hayek, der gleich die nächste Bereitseite abfeuerte: «Wir bauen nützliche Funktionen in schöne Uhren ein. Und sie sollen ihren Trägern für mehr als einen Tag Unabhängigkeit geben.»

Uhr zum Bezahlen und als Zimmerschlüssel

Trotz diese Kritikpunkte gratulierte Hayek Apple, als er auf deren Uhr angesprochen wurde. Die Firma habe von allen Anbietern die schönste Smartwatch geschaffen. «Aus der Warte des Uhren-Designs ist es aber kein Meilenstein. Die Uhrenindustrie hat andere Schönheiten.» Hayeks Antwort auf den Smartwatch-Hype ist die Kombination von traditionellem Uhrendesign mit zukunftsträchtiger Technologie. So baut Swatch künftig einen NFC-Chip (Near Field Communication) in einen Teil der Uhren ein – und zwar sowohl in jene von Swatch und Tissot als auch in teure, mechanische Modelle von Omega.

Dank NFC wird es beispielsweise möglich sein, mit der Uhr zu bezahlen, sie als Zimmerschüssel oder fürs Treueprogramm bei einem Detailhändler einzusetzen. Die Swatch Group ist deswegen bereits eine Kooperation mit einer Schweizer Bank sowie mit dem Kreditkartenanbieter Visa eingegangen. Laut Hayek geht es um wirklich nützliche Funktionen: «Die Swatch Group will nicht Champion werden beim Integrieren des Telefons in eine Uhr.»

Grosse Chancen in China

Punkten will die Swatch Group mit den NFC-Uhren, deren Chip nur etwa zwei Franken kostet, auch in China, dem 2014 grössten Absatzmarkt für Produkte des Swatch-Konzerns. Bereits ist die Firma eine Kooperation mit dem chinesischen Kreditkartenanbieter Union Pay eingegangen. Die ersten NFC-fähigen Swatch-Modelle dürften noch in diesem Sommer auf den Markt kommen. «Bei den Swatch-Uhren könnten wir schon in fünf Wochen bereit sein», so Hayek. Hier rechnet er damit, dass künftig 10 bis 15 Prozent der verkauften Uhren NFC-fähig sind.

An der Medienkonferenz präsentierte Hayek der Öffentlichkeit ausserdem die im Februar angekündigte Swatch Touch Zero One. Diese Sportuhr kostet weniger als 150 Franken und gleicht am ehesten einer Smartwatch im Stil der Apple Watch. Sie verfügt über einen berührungsempfindlichen Bildschirm und bietet einen Fitness-Tracker. Ausgerichtet ist sie speziell auf Beachvolleyballer. So misst sie beispielsweise die Intensität des Trainings oder die Schlagkraft bei einem Smash. Weitere Ausführungen der Touch Zero für die Bereiche Freeride, Surfen und Kochen werden laut Hayek folgen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • catch33 am 12.03.2015 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kerngeschäft

    Kerngeschäft machen. Gute Uhren, einfach, leicht, mit Schwinggewicht zum laden der Batterie (oder wie das heisst.) Trumpft mit Eleganz und Stil, und soll nur die Zeit anzeigen. Für alles andere hat man ja sein Telefon dabei. Das wäre ein Kracher. Smartwatch braucht kein Mensch.

  • Informatiker43 am 12.03.2015 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Herdentrieb versus Nutzwert

    Wenn ich bequem telefonieren will nehme ich ein Handy-Headsets , wenn ich die Zeit sehen will ist eine Uhr geeignet. Apple ist für mich dann geeignet, wenn ich krampfhaft modern sein will und dafür auch gerne mal tiefer in die Tasche greifen will. Im Klartext gar nie.

  • Ringo am 12.03.2015 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Warten wir doch einfach....

    die Verkaufszahlen ab.Dann sehen wir ob Samsung oder Apple oder Microsoft oder Swatch den Smartwatch Krieg gewinnen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dave am 13.03.2015 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Hochmut

    Wenn ich den Hayek höre kommt mir immer der Spruch "Hochmut kommt vor dem Fall" in den Sinn...

  • Supermario am 13.03.2015 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kurz und bündig

    Hochmut kommt vor dem Fall; immerhin hat sich sein Vater um die Entwicklung eines innovativen Kleinwagens bemüht (hat glaub auch relativ wenig mit Uhren zu tun).

  • S.Hänni am 13.03.2015 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenarbeit

    Hayek könnte doch mal Ventura anfragen für eine Zusammenarbeit. Ventura baut ja Digitaluhren mit Mechanischem Aufzug. Da braucht es keine Batterie. Die Technik einer Ventura Sparc Sigma MGS gepaart mit Swatch Touch wäre sicher ein Erfolg.

  • Alter Swatch Sammler am 13.03.2015 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    iWatchist mehr iDiagnostics

    Was wir da gerade erleben sind 2 total unterschiedliche Geschäftsentwicklungen. Für Apple ist die iWatch nur der erste Schritt in den Medizinsektor. Da geht es um Diagnosegeräte. Bald werden Chips unter die Haut gespritzt oder das iPhone wird als Folie auf die Haut geklebt. Die messen dann nicht nur den Puls und den Blutdruck, sondern auch den Zuckerspiegel und ob es Krebszellen oder andere Keime im Körper hat usw. Swatch bleibt Luxus-Uhrenhersteller mit nützlichen Zusatzfunktionen. Beide Stories sind interessant.

    • Chris am 13.03.2015 06:37 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso Uhren und Telefone fahren lernen?

      Irgendwie ähneln die Entwicklungen von Apple, Google und co den Plänen des alten Swatch Vaters - Marketinggenie und Visionär Hayek Senior. Er war es doch, der den Smart ins Leben gerufen hat. Wieso aber gerade Uhren- und Telefonhersteller zu Autobauern werden wollen ist mir schleierhaft.

    • Andi China am 13.03.2015 08:49 Report Diesen Beitrag melden

      Verschlafen

      mir kommt da immer wieder nokia in denn sinn...

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  • PPB am 13.03.2015 00:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Falsch! Swatch beteiligt sich nicht am Smartwatch-Krieg.