Schweizer Reederei unter Beschuss

16. Juni 2019 15:39; Akt: 16.06.2019 20:07 Print

Zu diesen Hungerlöhnen arbeitet die Schiffscrew

Die Schweizer Reederei Viking Cruises gerät erneut unter Beschuss. Die Besatzung klagt über Tiefstlöhne für die harte Arbeit an Deck.

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Ende Mai kam es auf der Donau in Budapest zu einem tödlichen Schiffsunfall. Ein Flussschiff der Basler Reederei Viking rammte ein kleineres Touristenschiff. Dieses sank innert nur wenigen Sekunden, mehrere Touristen starben. Jetzt ist die Firma des Unfallschiffs, die Basler Reederei Viking Cruises, unter Beschuss: Ehemaligen Mitarbeitern sprechen von zu langen Arbeitszeiten. Die Besatzung klagt zudem über Tiefstlöhne für die harte Arbeit an Deck. Für die Arbeit an Deck soll es den Minimallohn von 9,19 Euro pro Stunde geben. Passagiere, die den Lohn der dienstfertigen Besatzung mit Trinkgeldern aufbessern möchten, können wenig bewirken: Viking sackt seit 2019 der Batzen gleich selber ein. Viking bestreitet dies gegenüber der «Sonntagszeitung», bestätigt aber, dass sie die Trinkgelder als Lohnbestandteil auszahlt. Derzeit beschäftigt das Unternehmen aber noch immer der Unfall in Ungarn: So sieht das Schiff zwei Wochen nach dem Unglück aus. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich als aufwändig. Während der Bergung wurde das Wrack immer wieder von Tauchern untersucht. Wegen der starken Strömung in der Donau konnten Taucher lange nicht in das Wrack vordringen. Noch immer werden Menschen, die auf dem Touristenboot anwesend waren, vermisst. Ein sechsjähriges Mädchen und der Kapitän des Ausflugsbootes werden noch immer vermisst. Nach dem schweren Schiffsunglück auf der Donau in Budapest behinderten Hochwasser und starke Strömung die Suche nach den 21 Vermissten. (31. Mai 2019) Einsatzkräfte auf der Suche nach Vermissten. Fest steht: Nur sieben Insassen überlebten das Unglück. Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs war nach dem Unglück verhaftet worden. Die Zahl der Toten nach dem Schiffsunglück auf der Donau ist auf 20 gestiegen. (9. Juni 2019) Zehn Angehörige der aus Südkorea stammenden Todesopfer und Vermissten reisten am 31. Mai nach Ungarn. Im Verlauf des Tages würden weitere mehr als 30 Angehörige folgen. Auch wurde die südkoreanische Aussenministerin Kang Kyung Wha in Budapest erwartet. Das gesunkene Touristenboot wurde am 30. Mai lokalisiert. Taucher versuchten, in der starken Strömung zum Wrack vorzudringen. Ein Video, das den Zusammenstoss zeigt,wurde an einer Medienkonferenz kurz nach dem Unglück veröffentlicht. Auch Beweisfotos sind vorhanden: Am Basler Schiff ist lediglich ein kleiner Schaden zu erkennen. Das Ausflugsboot Hableany (Nixe) sank jedoch total zerstört auf den Grund des Flusses. Passagiere auf der «Viking Sygin» wurden nicht verletzt. Einen Tag nach dem Unglück durften sie das Boot verlassen. Verygoodtour.com hat die Reise der Südkoreaner organisiert. Der Kundenservice-Leiter Lee Sang-moo entschuldigte sich im Namen des Unternehmens für das Unglück. Südkoreas Präsident Moon Jae In ordnete an, einen Krisenstab einzusetzen und zusammen mit den ungarischen Behörden «alle verfügbaren Mittel» zur Rettung der Vermissten zu ergreifen. Noch immer werden zahlreiche Menschen vermisst. Passanten in Seoul verfolgen die Nachrichten aus Budapest im südkoreanischen Fernsehen.

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Die Bilder des tödlichen Schiffunfalls unter Schweizer Flagge auf der Donau in Budapest beschäftigten. Schnell kam die Firma des Unglücksschiffs, die Basler Reederei Viking Cruises, unter Beschuss: Ehemalige Mitarbeiter sprachen von deutlich zu langen Arbeitszeiten.

Jetzt kommen neue Missstände ans Licht: Während sich Passagiere auf Deck sonnen, in luxuriösen Suiten erholen und im Bordrestaurant die Bäuche vollschlagen, arbeitet die Schiffscrew der Schweizer Reederei Viking River Cruises zum Hungerlohn. Obwohl es sich eigentlich um einen Schweizer Arbeitgeber handelt, orientiert sich das international tätige Unternehmen am deutschen Minimallohn von 9,19 Euro pro Stunde brutto – tiefere Löhne sind ebenfalls möglich.

Trinkgeld wird eingestrichen

In der «Sonntagszeitung» macht ein ehemaliger Viking-Mitarbeiter seinen Monatslohn publik: Lediglich 2200 Franken habe er für die intensive Arbeit als Matrose erhalten. Abgezogen davon hätte ihm die Schweizer Firma monatlich zudem 450 Franken für Kost und Logis. Die anfallenden Reisekosten zum Hafen musste er aus eigener Tasche berappen.

Passagiere, die den Lohn der dienstfertigen Besatzung mit Trinkgeldern aufbessern möchten, können wenig bewirken: Viking sackt seit 2019 den Batzen gleich selber ein. Die Firma bestreitet dies gegenüber der «Sonntagszeitung», bestätigt aber, dass sie die Trinkgelder nun als «Lohnbestandteil» auszahlt.

Niedriglöhne sind die Norm

Auch auf Kreuzfahrten anderer Firmen arbeitet die Crew zu Niedriglöhnen. Angestellte verdienen monatlich zwischen 800 und 1200 Euro. «Die Löhne sind ausbeuterisch», heisst es so bei der Seefahrer-Gewerkschaft Nautilus International.

(miw)

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ticino1 am 16.06.2019 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausbeutung. Strafbar.

    Alle CH Firmen sollte man bestrafen, die Leute ausbeuten. CH Löhne müssen für CH Firmen Pflicht sein! !

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  • Reisender am 16.06.2019 15:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die tiefen Löhne

    haben dieTouristen mit Ihrer "Geiz ist Geil" Mentalität mit zu verantworten. Heute will Jeder Alles, aber nichts dafür bezahlen... da nützt auch das Trinkgeld nix mehr...

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  • BigBen am 16.06.2019 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlogene Gesellschaft!

    An alle die hier jetzt wegen den Löhnen ausrufen, wieviel seid ihr den berei mevr zu bezahlen das diese Amgestellten gute Löhne haben? Ich weis wie es bei den Lebensmitteln ist, schlechte Löhne vom Bauer bis in den Verkauf, aber EUCH Konsumenten immer noch zu teuer, darum geht ihr ja im Ausland einkaufen! Verlogene Gesellschaft, die für alle Spitzenlöhne fordert, aber es darf dann ja nicht mehr kosten als im Ausland!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • evelinezimmermann@gmail.com am 15.07.2019 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Tieflöhne

    Tieflöhne haben aber die Crew von Schweizer Air Lines auch. Ende Monat geht der Zahltag genau auf, wenn die AHV , ALK und Pensionskasse abgezogen sind. Wir zahlen unserem Sohn sogar den Mietzins, ist das der Sinn?

  • Schnee am 17.06.2019 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    höhere Löhne = blinder Aktionismus ...

    ... überlege mal was passieren wird?! Es ist wie bei den Lebensmitteln, alle wollen das Beste, die Firmen reiben sich jetzt schon die Hände! Wer Kontrolliert denn für was die Einnahmen verwendet werden, die Ihr alle dann "mehr" Bezahlt für die Reise oder für "BIO" Qualität, - Wer zeigt auf das es sich um Etikettenschwindel handeln wird. Ich traue denen alles zu, letztlich ist es die Marktform die dies alles möglich macht - es heißt Kapitalismus und keiner ist gezwungen für 10Fr/h zu Arbeiten! Kapitalismus heißt Gewinne erwirtschaften, von daher nur blinder Aktionismus "Löhne" zu fordern!

  • Kurz am 17.06.2019 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Klar... alles bloos Rederei

    Wenn ich das schon nur höre... Schweizer Reederei... Keine Schweizer Mitarbeiter, keine Schweizer Chefs, nur der Briefkasten ist in der Schweiz... Diese Reederei ist etwa so schweizerisch wie Irland der grösste Kaffe-Exporteur der Welt ist, von wo Starbucks ALL seinen Kaffee bezieht.

  • Andy Honegger am 17.06.2019 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil

    Die Schiffsreise soll ja luxuriös sein, die Verpflegung gut und grosszügig und vom überfüllten Buffet kommen. Sie soll selbstverständlich auch soooo günstig sein. Na ja, irgendwie und irgendwo muss gespart werden. Jeder der immer nur Billigstangebote berücksichtigt und Schnäppchen jagt soll sich mal überlegen, welchen Lohn er selber hat und haben möchte. Dazu kommt, dass zum sparen auch Jobs gestrichen werden.

  • Raimundo am 17.06.2019 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Touristen sind die Ausbeuter

    Nicht die Arbeitgeber sollte man bestrafen. Nein, die Kunden. Denn auch sie beuten die Angestellten mit ihren Billigferien aus, egal ob sie auf einer Kreuzfahrt, auf einem Flug, in einem Hotel oder Restaurant sind. Oft sind auch die Arbeitgeber die Opfer der Touristen.