Wirtschaftsfaktor

06. Januar 2015 14:28; Akt: 06.01.2015 17:06 Print

Nordkorea buhlt um Schweizer Touristen

von Laura Frommberg - Erstmals nimmt Nordkorea an der Berner Ferienmesse teil – und öffnet sich generell weiter für Touristen. Sie sind enorm wichtig für die Wirtschaft der Diktatur.

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Fotos? Nur mit Genehmigung. Spaziergang? Nur mit offizieller Begleitung. Urlaubsfotos bei Facebook posten? Ist verboten. Wer nach Nordkorea reist, muss sich von der traditionellen Ferien-Vorstellung verabschieden. Dennoch buhlt das Land verstärkt um Touristen – auch in der Schweiz. Zum ersten Mal nimmt Nordkorea Mitte Januar an der Ferienmesse Bern teil. Plakate und Prospekte sollen Reisende auf das Land aufmerksam machen.

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Aber warum will eine Diktatur, die sich so von der Welt abschottet, Ausländer ins Land holen? Sie hat keine andere Wahl. Denn nur über Reisende kommt Nordkorea an Fremdwährungen. Wegen des Embargos der westlichen Länder sind sie die Einzigen, die Devisen ins Land bringen. «Fremdwährungen, allen voran Dollars und Euros, sind vor allem in den Touristengebieten die gängigen Zahlungsmittel», so Stephan Roemer, Inhaber der Reiseagentur Tourasia. Sie und andere Anbieter weisen Touristen denn auch darauf hin, dass sie dringend Euro und Dollar in klein gestückelten Beträgen mitbringen sollen. Tourasia ist der grösste Anbieter von Nordkorea-Reisen in der Schweiz. Das bedeutet: Jährlich bringe man laut Roemer 30 bis 40 Touristen in das Land, die meisten auf Einzeltrips.

Neu auch mit Südkorea buchbar

Seit 2000 bietet Roemers Agentur die Reisen an. Neu hinzu kommen nun in diesem Jahr kombinierte Reisen mit Südkorea. Möglich wurde das, weil Nordkorea neu entsprechende Fährentickets auch an Ausländer verkauft. Das war vorher nicht der Fall. Auch das, so Roemer, sei ein deutliches Zeichen dafür, dass das Land mehr Touristen anlocken will. Auch neue Sehenswürdigkeiten hat Nordkorea deshalb für Touristen geöffnet. «Dadurch bemerken wir nun schon ein gesteigertes Interesse an den Reisen», sagt der Reiseveranstalter.

Ein klassisches Ferienland wird Nordkorea wohl dennoch zumindest mittelfristig nicht sein. «Wer dorthin fährt, will Erlebnisferien. Es gibt zwar auch wunderschöne alte Tempelanlagen, aber das Hauptinteresse der Reisenden ist das System Nordkoreas», so Roemer. Wer auch noch ins Land kommt, sind Luftfahrt-Nostalgiker, denn: Air Koryo, die staatliche Airline Nordkoreas, hat eine Flotte, die museumsreif ist. Die älteste Maschine hat fast 50 Jahre auf dem Buckel, das Durchschnittsalter aller Flieger beträgt 28 Jahre. Was vielen Angst einjagen würde, ist für Flugzeugfans ein Erlebnis.

Auch mit dem Zug einreisen

Wer auf das Luftfahrt-Erlebnis verzichten will, muss sich nicht sorgen. Zum einen fliegt Air Koryo mit ihrem neusten Flieger, einer Tupolew 204, von Peking nach Pjöngjang. Dieser ist der einzige Flugzeugtyp in der Flotte, der rein theoretisch auch in Europa erlaubt wäre – wäre die Airline selbst nicht gesperrt. Auf dieser Route kommen ausländische Gäste in das Land. «Wer will, kann aber auch mit Air China fliegen oder den Zug nehmen.» Das Erlebnis, mit der Transsibirischen Eisenbahn zu fahren, sei auch etwas sehr Besonderes.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susan am 06.01.2015 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr....

    Ihr werdet nur die positiven sachen von Nordkorea sehen.Denn du/ihr bekommst/bekommen 2 Reiseführer und ohne die kannst/könnt du/ihr nicht mal das Hotel verlassen und sie werden nur alles Positive oder gestellte zeigen.Wie es den meisten Menschen dort wirklich geht wirst du/Ihr nie zu Gesicht bekommen.

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  • Kim Kong 2 am 06.01.2015 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Geld durch Tourismus

    solange man keine Kim Yong Un Frisur tragen muss geht es ja. Wenn man das Elend in diesem isolierten Land kennt, dann unterstützt man das Regime dort nicht noch zusätzlich mit Geld durch Tourismus.

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  • thegrandwizard am 06.01.2015 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Und dann gleich mit der nordkoreanischen Airline Air Koryo fliegen. Diese ist die am schlechtesten bewertete Airline der Welt. Das werden tolle Ferien!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Manja am 07.01.2015 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Geldeinnahmen durch Tourismus

    Eine solche Diktatur darf nicht noch mit Geldeinnahmen durch den Tourismus unterstützt werden. Alleine das werben auf einer CH-Tourismus-Messe sollte verboten sein. Das Land hält 70'000 Christen als gefangen und wirbt noch für Tourismusbesuchen in einem christlichen Land - Frechheit

  • R.Keith am 07.01.2015 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Nord-Korea

    In Nord-Korea sind 70`000 Christen, nur auf Grund ihres Glaubens, in Arbeitslagern eingesperrt, und dieser Staat buhlt um Schweizer-Touristen, eine absolute Frechheit !

  • Marcel am 07.01.2015 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schade gibt es die Ungs...

    Wäre ansonsten wirklich ein schöner Trip in eine sehr alte Kultur mit wunderbarer Landschaft... Ohne die Kim Dynastie wäre es wirklich eine Reise wert...

  • Tinu D am 07.01.2015 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ich unterstütze keine Monster

    Weder Nordkorea noch ein islamischer Staat, wird je einen Rappen von mir sehen. Bzw. Ich werde nie einen Fuss auf Nordkoreanischen Boder, oder den Boden eines extremistischen Landes setzen. Es gibt genug andere Länder.

  • Sabine C. am 07.01.2015 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Christenverfolgung

    Warum ein Land einladen, dass 70 000 Christen gefangen hält? Syrien steht auf Platz 4 der weltweiten Christen-Verfolgung. Warum nehmen wir in Europa nicht Christen sondern mehrheitlich Muslime auf? Ich verstehe das nicht.

    • Urbab am 07.01.2015 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Turban

      Bin ich völlig ihrer Meinung!

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