SNB-Präsident

03. November 2019 03:33; Akt: 03.11.2019 07:08 Print

Notenbank schliesst neue Zinssenkung nicht aus

Laut Thomas Jordan könnte die Phase der tiefen Zinsen anhalten. Notfalls wäre man auch zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik bereit, sagt der SNB-Präsident.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Schweizer Notenbank zeigt sich entschlossen, den Leitzins gegebenenfalls noch weiter in den Negativbereich zu senken. Dies sagte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». «Die Phase der tiefen Zinsen könnte noch länger anhalten, und auch eine weitere Lockerung der Geldpolitik ist unter Umständen notwendig», erklärte der 56-jährige Notenbanker. «Unser Spielraum beim Zins ist nicht unbeschränkt, aber wir haben durchaus die Möglichkeit für weitere Senkungen.»

Zuletzt beliess die SNB den Leitzins unverändert bei minus 0,75 Prozent. Mit den Negativzinsen will die Zentralbank den Franken für internationale Investoren unattraktiv machen. Denn er gilt als «sicherer Hafen» und ist daher in turbulenten Zeiten gefragt.

Dass die Leute bei noch tieferen Zinsen in grossem Stil ihr Geld von den Banken abziehen und zu Hause horten, glaubt Jordan nicht. «Die Kosten und Risiken der Bargeldaufbewahrung sind grösser als die Kosten des Negativzinses, den wir im Moment haben», sagte er. Deshalb gehe die SNB davon aus, dass noch Spielraum vorhanden sei.

Umstrittene Massnahme

Wie lange die vor über vier Jahren als Notmassnahme eingeführten Negativzinsen anhalten, dazu wagte Jordan keine Prognose. «Wir gehen davon aus, dass die heutige Situation früher oder später korrigiert wird. Wann genau, ist schwer zu prognostizieren.» Jordan betonte, dass die Zinsen unabhängig von der Geldpolitik stark gesunken seien. Gründe dafür seien die demografische Entwicklung und eine tiefere Produktivität.

Die Nationalbank sieht sich angesichts der Negativzinsen auch Kritik ausgesetzt, unter anderem von der Bankiervereinigung. Kritiker bemängeln, die Negativzinsen erfüllten ihren Zweck nicht. Zudem würden Leute mit geringen Ersparnissen und wenig Geld in der Pensionskasse verlieren während Besitzer von Immobilien und Aktien profitierten, heisst es.

«Unsere Geldpolitik ist für die gegenwärtige wirtschaftliche Situation richtig», sagte Jordan. «Wir haben nie infrage gestellt, dass es Nebenwirkungen gibt. Wir müssen jedoch das Gesamtinteresse des Landes im Blick haben und dürfen keine Einzelinteressen verfolgen.» Wenn die Nationalbank den Leitzins jetzt anheben würde, würde daraus laut Jordan ein stärkerer Franken resultieren. «Die Arbeitslosigkeit würde steigen.»

Gegen Vorschlag für «Helikoptergeld»

Um den Franken zu schwächen und die exportorientierte Wirtschaft zu stützen, greift die SNB zudem bei Bedarf am Devisenmarkt ein. Auf die Frage, ob diese Eingriffe in den USA auf politischen Widerstand stossen könnten, entgegnete Jordan: «Wir stehen in einem engen Kontakt mit dem US-Finanzministerium, um unsere spezifische Situation zu erklären. Unsere Interventionen zielen nie auf eine Schwächung des Frankens zulasten anderer Volkswirtschaften.»

Der SNB-Präsident äusserte sich ferner ablehnend zum Vorschlag eines sogenannten Helikoptergeldes. Die Idee zielt darauf ab, die Wirtschaft anzukurbeln, indem durch die Notenbank direkte Geldgeschenke an die Bürger verteilt werden. «Ich kann solche Konzepte nicht befürworten», sagte Jordan. «Denn es handelt sich um eine Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik, was ein Spiel mit dem Feuer ist.»

(scl/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Molton am 03.11.2019 04:27 Report Diesen Beitrag melden

    Stoppt den Wahnsinn

    Der Franken wird zerstört. Sein Wert wird für die Wirtschaft dem kranken Euro angepasst. Als Argument muss wie immer die Arbeitslosigkeit herhalten. Obwohl unkontrolliert billiges Personal aus dem Ausland geholt wird. Negativzinsen schaden der Schweiz.

    einklappen einklappen
  • Peter am 03.11.2019 04:17 Report Diesen Beitrag melden

    Da kommt noch etwas auf uns zu

    Schmelzende Pensionskassengelder sind Einzelinteressen? Vielen Dank liebe Nationalbank. Da braut sich definitiv was zusammen, ich für meinen Teil haben nur noch Geld im Umfang des Einlegerschutz bei der Bank, der Rest steckt in Sachwerten. Ich weiss, das ist auch weg wenns heftig knallt, immerhin bin ich mit dem Rest fein raus. Den letzten beissen die Hunde, die Banken können gar nicht alle Guthaben bedienen, fühlen sich aber immer noch wie Könige.

    einklappen einklappen
  • Heinz am 03.11.2019 04:20 Report Diesen Beitrag melden

    Entmachtet die Notenbanker

    Es geht einfach nicht dass uns die Einzelmeinung dieser Notenbanker aufgedrückt wird!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Reformer am 07.11.2019 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Jordan soll abtreten

    Er vernichtet unsere Altersvorsorge und das unbegründet. Seine Rechtfertigung für den Negativzins war es, den CHF für ausländische Anleger unattraktiv zu machen und damit den CHF gegenüber anderen Währungen zu schwächen. Was das mit den inländischen Anlegern zu tun hat, ist mir schleierhaft. Hier findet eine Umverteilung von Vermögen statt. Das ist nicht in Ordnung. Er sagt selbst, dass negative Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden können. Seit mittlerweile 4 Jahren sollte man klüger sein und diese negativen Auswirkungen eliminiert haben. Alles andere ist pure Abzockerei am eigenen Volk.

    • Xeno72 am 14.11.2019 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      lach@Der

      Was denkst Du, welchen Stellenwert hat so eine Rücktrittsforderung in so einem Müllthread?

    einklappen einklappen
  • oldfart am 04.11.2019 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wie weiter...?!

    ...dass weiss wohl niemand so genau. Hauptsache eine Meinung - aber keine Ahnung.

  • Mani Matter am 04.11.2019 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der wissende

    Franken ist toilettenpapier mehr nicht. Kauft bitcoin bevor es zu spät ist.

    • Ruth am 04.11.2019 18:03 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts dahinter

      Bitcoin ist auch nur heiße Luft:-)

    einklappen einklappen
  • Mickey House am 04.11.2019 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wie sagt's der grösste Opponent...

    ...der SNB, Dr. Marc Meyer, wieder mal treffend: "Wir, die Schweizer, sitzen in der Falle: in der Devisenfalle. Unsere Nationalbank hat mit über 700 Milliarden Schulden Devisen gekauft und kann diese nicht mehr verkaufen.Weil die SNB den Wert ihrer Devisen durch Zukäufe immer weiter stemmt, verbucht sie fantastische Gewinne. Analog einem Schneeballsystem steigen die SNB-Gewinne aber nur, so lange sie Zukäufe tätigt." Nichts hinzuzufügen...

  • Investor am 04.11.2019 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Mittelstand bezahlt Crash ?

    Wenn man so die Kommentare liest, stellt sich die Frage ob man nicht (sofern man kann) sein Erspartes, Geerbtes oder was auch immer in mobile oder immobile Werte anlegen sollte. Oder allenfalls diversifiziert auch in Edelmetalle wie Gold, Silber etc. Eine monetäre Konsolidierung zeichnet sich ab, wir stehen tendenziell am Ende einer Hausse (Börse / Realwirtschaft). Das Problem dabei, Krisen bezahlen immer die gleichen. Die ohnehin schon Reichen verlieren vielleicht auch Geld oder mind. Buchwerte aber sie erholen sich meist wieder schnell davon. Und die Armen bleiben arm oder sind noch ärmer.