Work-Life-Balance

08. August 2019 17:00; Akt: 08.08.2019 17:00 Print

Novartis-CEO checkt keine Mails am Wochenende

von Dorothea Vollenweider - Novartis-CEO Vas Narasimhan beantwortet Mails am Wochenende nicht. Und ist damit laut Experten Vorbild einer neuen Generation.

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Die Leistung eines CEO ist mit der eines Leistungssportlers vergleichbar, findet Vas Narasimhan. Er erklärt seinen Followern in den sozialen Medien, man müsse sich ähnlich wie ein Athlet darauf vorbereiten, Bestleistungen zu erbringen. Wie genau er das macht, führt er in einem Artikel auf Linkedin aus.

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Narasimhan treibt sechs Tage pro Woche 45 bis 60 Minuten Sport, meist frühmorgens. Er ernährt sich vegetarisch, meditiert fast täglich, fastet 15 bis 16 Stunden pro Tag und schläft mindestens sieben Stunden pro Nacht. Seine fünf Wochen Ferien sind ihm heilig. Genauso wie die Wochenenden. Deshalb beantwortet er von Freitag um 22 Uhr bis am Montagmorgen keine Mails. «Mir ist klar, dass jedes Mail, das ich verschicke, zu 100 bis 500 Folgemails in der Organisation führt», erklärt er den Entscheid und wird damit in der Handelszeitung zitiert.

Der «Unboss» will Vorbild sein

Für einen CEO eines Weltkonzerns ist das ein ungewöhnlicher Schritt. Und dürfte grossen Einfluss haben. Zumindest auf die rund 130'000 Mitarbeiter von Novartis. Diese führt Narasimhan seit rund eineinhalb Jahren. Wobei führen bei ihm das falsche Wort wäre – denn Narasimhan ist der «Unboss». So heisst die neue Firmenkultur, die er seit seinem Antritt eingeführt hat. Sein erklärtes Ziel: Hierarchien abschaffen und den Mitarbeitern die Führung überlassen.

«Endlich ein CEO eines Grosskonzerns, der die oft zitierten neuen Ansprüche an Leadership vorlebt», freut sich Personalexperte Michel Ganouchi. Auch Alexandra Cloots, Professorin an der FHS St. Gallen, findet für Narasimhans Anleitung für eine bessere Work-Life-Balance nur positive Worte: «Unsere New-Work-Studien zeigen, dass Führungskräfte aufgrund ihrer Vorbildfunktion einen hohen Einfluss auf das Verhalten der Mitarbeitenden haben», sagt sie. Möchte ein Unternehmen also dafür sorgen, dass die Mitarbeitenden ihr Wochenende auch als Wochenende wahrnehmen, so muss dies entsprechend durch die Geschäftsleitung und Führungskräfte vorgelebt werden.

Jederzeit erreichbar zu sein, ist ungesund

Weshalb ist es überhaupt so wichtig, am Wochenende abzuschalten? «In der heutigen Arbeitswelt vermischen sich Privat- und Berufsleben immer mehr», sagt Cloots. «Studien zeigen, dass dies längerfristig Auswirkungen auf die Gesundheit der Mitarbeitenden hat.» Die über die letzten zehn Jahre sprunghaft gestiegene Erwartungshaltung, jederzeit erreichbar zu sein, habe viele negative Effekte generiert, meint auch Ganouchi. «Hier brauchen wir eine Änderung der Geisteshaltung.»

Viele Firmen haben laut Ganouchi erkannt, dass Work-Life-Balance nicht nur gefordert wird, sondern auch sinnvoll ist. «Entsprechend versuchen sie, dafür Rahmenbedingungen zu schaffen», so der Inhaber der auf HR-Marketing spezialisierten Firma Recruma. «Nur tun sich viele Unternehmen noch schwer damit, dies auch tatsächlich zu leben.» Weil eben genau die Führung als Vorbildfunktion diesbezüglich versage.


Narasimhan teilt sein Leben auf Instagram mit Tausenden Followern.

Dass Narasimhan in den sozialen Medien so offen über sein Leben schreibt, sieht Ganouchi nicht als Problem. «Jüngere Führungskräfte haben einen natürlicheren Umgang damit, sich über digitale Kanäle darzustellen», sagt er. Das könne für seine Person wie auch sein Unternehmen enorme positive Strahlkraft haben, wenn es denn authentisch sei.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walti am 08.08.2019 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Das klingt gut

    Finde ich gut. Haben seine Mitarbeiter auch das Recht, am Wochenende keine Business-Mails zu checken?

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  • Rey am 08.08.2019 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Und täglich motzt der Schweizer

    Herrlich, wieder mal nur Neider und Heulsusen in den Kommentaren unterwegs. :D

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  • Nikolaus Basler am 08.08.2019 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Der Vorzimmer Drache

    Also Unser Vas muss bestimmt keine Mails lesen..das Hirn vom Boss ist sein Vorzimmer Drache.. Sie liesst am Wochenende seine Mails die er weiterleitet. Und Sie darf dann Ihm eine Zusammenfassung in Form von Kuchendiagramm und Powerpoint Presentation am Montag vorlegen.. :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Houdini am 09.08.2019 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Kann mir jeder sagen was er will, aber dieses lachen bei dem Selfie sieht doch nicht glücklich und echt aus..

  • Lena am 09.08.2019 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Unboss

    Ja ein Schweizer Unternehmen das alle Annehmlichkeiten der Schweiz ausnützt, aber der CO kommt aus fern..... die gut ausgebildeten Schweizer haben das Nachsehen. Ich weigere mich längst Medis von Novartis zu kaufen, oder Geld bei der CS zu parkieren wo das selbe Übel ist! Würden alle Schweizer so handeln sähe manches anders aus, der Konsument hat es in der Hand Firmen die Ausländer in die obere Etage setzten nicht zu berücksichtigen!

  • Ex-Chefsekretärin am 09.08.2019 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kranke Typen

    Ja sicher das. 15 - 16 Stunden pro Tag fasten. Wie oft ? Wie lange ? Und das er am Wochenende keine mail list, jöh ! Ich hab mal als Chefsekrtärin eines ziemlich exponierten CEOs gearbeitet - der hat die ganze Woche keine mails gelesen - nur die, die ich ihm weitergeleitet habe. Er wollte sich nicht mit diesen 'Kleinigkeiten' beschäftigen war sein Tenor.

  • Greta Garbord am 09.08.2019 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Das wichtigste fehlt noch

    So viel geschrieben, so viel über ihn gelesen. Aber am Schluss weiss ich immer noch nicht, ob er ein Trump-Anhänger ist oder nicht.

  • Lukine am 09.08.2019 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn halbieren

    Gute Einstellung, jetzt muss nur noch der Lohn gekürzt werden.

    • Mirror am 09.08.2019 23:51 Report Diesen Beitrag melden

      Truedat

      Genau und du bist der erste der Novartis verklagt, weil irgendein Medi nicht funzt wie es funzen soll... Verantwortung kostet nun mal, und solange es eine AG ist haben Sie sowieso nichts zu melden und werden auch garantiert nie in ihrem Leben was zu melden haben, da nur Böses in Ihnen drin ist und somit keine Fähigkeiten haben das Leben anständig zu meistern...

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