«Brettli-Affäre»

21. Dezember 2011 19:13; Akt: 21.12.2011 21:53 Print

Nun spricht die Swiss

von Lukas Hässig - Wegen der «Brettli-statt-Bonus»-Aktion spart die Swiss 15 Millionen Franken. Die Kehrseite: Die Geschichte entwickelt sich zum Image-Debakel. Die Swiss-Führung argumentiert aus der Defensive.

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Bis Ende September flog die Swiss für den Lufthansa-Konzern 300 Millionen Franken ein. Die «Brett-statt-Bonus»-Aktion spart geschätzte 5 Millionen Franken. (Bild: Keystone)

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Wie konnte das passieren? Diese Frage drängt sich auf beim Image-Debakel der Flugesellschaft Swiss und ihrem «Schokolade-Brettli-Geschenk» für die 7500 Mitarbeiter. Wenn schon keine 2000 Franken pro Kopf, dann wäre gar nichts wohl gescheiter gewesen.

Doch trotz einer Lawine emotionaler Reaktionen hält die Swiss-Unternehmensleitung an ihrem Entscheid fest. Sie verteidigt diesen gar durch alle Böden. «Es handelt sich um einen grundsätzlichen Entscheid, der die ganze Belegschaft gleichermassen betrifft», sagt Chef-Sprecherin Susanne Mühlemann. «Die Zahlung wurde in der Vergangenheit dann ausgerichtet, wenn die Unternehmensziele übertroffen wurden, das ist 2011 nicht der Fall.»

Selbstverständlich ist die Swiss-Zentrale nicht taub und blind und sieht, was sie angerichtet hat. Gegen aussen gibt sie sich aber unbeirrt. Die Zukunft sehe «nicht gerade rosig aus, als Exportunternehmen werden wir die Auswirkungen der Schuldenkrise in der Eurozone, die Frankenaufwertung und die Verlangsamung der Weltwirtschaft deutlich spüren», meint Swiss-Frau Mühlemann. Der Entscheid sei entsprechend definitiv.

Nur 15 Millionen gespart

Aus einer Kosten-Nutzen-Sicht könnte der Beschluss kaum negativer ausfallen. Bis Ende September flog die Swiss für ihre Mutter, den deutschen Aviatik-Grosskonzern Lufthansa, fast 300 Millionen Gewinn ein. Mit der «Brett-statt-Bonus»-Aktion spart die Schweizer Tochter gerade mal rund 15 Millionen Franken.

Das sei eine verkürzte Gegenüberstellung, kontert die Swiss-Medienchefin. «Um genügend Mittel für die nötigen Investitionen zu erwirtschaften, braucht die Swiss im Minimum 5 bis 8 Prozent Umsatzrendite», rechnet Mühlemann vor. «Ohne diese Investments in unsere Zukunft verlieren wir über die Zeit an Wettbewerbsfähigkeit und riskieren, hinter die Konkurrenz zurück zu fallen. «Brettli» oder Untergang – so ist offenbar die Lage am Zürich-Airport.

Immerhin: Auf den Einwand, dass gute Unternehmenschefs ein Feeling für die Stimmung im Personal hätten und die Emotionen rund um die «Brettli-Affäre» zeigen würden, dass es im Personal brodle, meint Mühlemann: «Es ist verständlich, dass reagiert wird. Der Entscheid mag kurzfristig emotional bewegen, langfristig wird Berechenbarkeit geschaffen.»

Hoffen auf Bonus

Unbekannt ist, ob auch die Swiss-Geschäftsleitung 2011 Abstriche akzeptieren muss. Auf die Frage, ob sich das oberste Management einen geringeren Bonus zuschanzen würde, gibt Swiss-Sprecherin Mühlemann eine ausweichende Antwort. Alle Swiss-Angestellte mit Ausnahme von Lehrlingen und Praktikanten würden «vertraglich festgelegt ein fixes Salär und einen variablen Lohnbestandteil» erhalten, je nach Erfolg der Firma. «Das gilt auch für das Management.»

Mittlerweile hat das ungeliebte «Swiss-Brettli» auch den Weg ins Internet gefunden. Auf der Auktionsplattform ricardo.ch versucht ein Swiss-Mitarbeiter das Geschenk zu Bargeld zum machen. Den Sofortpreis hat der Verkäufer auf 2000 Franken festgesetzt. Gebote lagen am Mittwochabend noch keine vor.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David Kamber am 19.12.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Käse

    Die Manager geben sich natürlich auch mit dem Käsebrett zufrieden?

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  • Annabelle am 22.12.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Neues aus Absurdistan

    Das berühmte Brettli bei der Post abzuholen kostet darüber hinaus 7 sFr.

  • Jamie Kitten am 22.12.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit!

    Finde es einfach nur schrecklich und hönisch wie diese Leute meinen, mit einem Käsebrättli ist alles beim alten und man sollte sich wahrscheinlich auchnoch bedanken! Für diese Geld geben hier z.B Flight Attandend Ihr 'Leben' auf, starke, berufliche Belastung ein und das für diesen Hungerlohn! Selber arbeite als Informatikerin, verdiene fast das doppelte und habe nichteinmal einen Lehrabschluss. Man sieht also, bei der Swiss wird einfach am falschen Ort gesparrt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Meier am 23.12.2011 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ach der arme Mann

    ist 4 bis 6 Tage ohne unterbruc in der Luft. Na die Maschine will ich sehen welche das schafft. Also der durchschnittliche Schweizer arbeitet von Montag - Freitag also 5 Tage am Stück...oder eben nicht weil man Pausen dazwischen hat wie jeder FA auch. Im Service arbeiten sehr viele Angestellte Teilzeit und somit auch 6 Tage am Stück. Korrekt müsste es heissen - 6 Tage hinereinander, denn am Stück wäre ohne Unterbruch.

    • Annabelle am 23.12.2011 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Herr Meier

      nun denn, diese Tage enden allerdings nicht nach 8 std, sondern im Schnitt nach 11-12 std -und beginnen entwder um 4 Uhr früh oder enden um 12 Uhr nachts - das nur auf Europa-Flügen. Zu den Pausen: dadurch dass man keine Rückzugsmöglichkeiten hat, kommt, kaum hat man sich im Galley hingesetzt, ein Passagier -man kennt dieses Phänomen auch von Büros... Und während der Bodenzeit ist dank Schnellst-Abfertigung nicht von Pause zu sprechen (Kontrolle des Cleaning, etc). 4-6 Tage ohne Unterbruch meint 4-6 Tage à 3-4 Flügen, lieber Herr Meier, da haben sie recht, noch gibt es kein Zauber-Kerosin.

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  • Vielflieger am 23.12.2011 05:47 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte bedenken!

    Ein Cabine Pensum 100% bedeutet 80 Flugstunden, korrekt? Ein Arbeiter hat 170-200Std, ohne Schlafpause, ohne Auslandspesen, ohne Verpflegung während der Arbeit, ohne Gratis-Tickets, ohne Gratis Bekannte Mitfliegen lassen. Bedenkt das mal bitte! In der Kabine seid ihr von Swiss trotzdem die Besten!!!

    • Swiss Mitarbeiterin am 24.12.2011 00:56 Report Diesen Beitrag melden

      12-Stunden Tage, 6 Tage am Stück!

      Lieber Vielflieger, bitte informieren Sie sich richtig. Flugstunden sind nicht gleich Arbeitszeit. Es sind im Uebrigen bis zu 100 Blockhours im Monat. Auf Europarotationen haben wir normalerweise 4, es sind auch 5(!!!) Flüge pro Tag möglich, dazwischen rasen wir durch die Kabine, machen den Security Search, und bereiten die Kabine für den Weiterflug vor und kommen auf Arbeitstage à 12 Stunden bei einer 6 Tage Woche!!! Dafür gibts gerade mal 3 Tage frei. Auf der Langstrecke sind wir bis 13 Stunden am Stück in der Luft. Trotzdem danke für das Kompliment.

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  • Tiger am 23.12.2011 05:30 Report Diesen Beitrag melden

    Just the best

    Swiss Kabinen-Personal ist das beste was es gibt in der Luft. Ein angemesser Lohn ist wohl das mindeste!

  • Max Heinke am 22.12.2011 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbereitung..

    Ich hätte es als Lehrling auch schön gefunden einen Bonus zu kriegen, nur wird jetzt leider nix daraus, dass ist schade aber kein Weltuntergang. Schlimmer finde ich das ich es aus zweiter Hand erfahren musste und mir kein Mail oder sonst was (ausser das Brettli)zugeschickt wurde in dem die Umstände beschrieben waren. Dies hätte meines ersicht für Verständnis gesorgt und alles würde nicht so ausarten.

    • J. S. am 23.12.2011 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Lehrlinge bei Swiss

      @ Max Heinke Ich war vor jahren Lehrling bei der Swiss. Uns wurden die 2000 Fr. auch nicht ausbezahlt. Daraufhin habe ich dem Swisschef eine E-Mail geschrieben. Wenige Tage später war bei allen Lehrlingen (BSL), die 2000 Fr. Bonus auf dem Bankkonto :-) Dies ist wirklich so passiert und kein Witz.

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  • steve am 22.12.2011 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    ein brett bewegt die schweiz

    hui, über 1000 kommentare!!! habe ich selten gesehen. das brett bewegt die schweiz. ich weiss zwar nicht viel übers fliegen aber was ich weiss ist, dass die arbeit als flugbegleiter sehr ungesund ist, die luft im flieger ist sehr trocken und wenn das triebwerk nur etwas öl verliert sogar giftig. dazu kommt noch die zeitverschiebungen, die erhöhte strahlung und die latente gefahr eines absturzes. ich habe allerhöchsten respekt vor den menschen, die diesen beruf ausüben!