Subventionen

24. August 2010 11:21; Akt: 24.08.2010 11:49 Print

Nur die Banker erhalten mehr als die Bauern

von Othmar Bamert - 4 bis 6 Milliarden Franken erhalten UBS und CS an versteckten Subventionen wegen der faktischen Staatsgarantie – mehr als die Landwirte vom Bund bekommen.

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«Verzerrte Anreize»: Mehr Subventionen für Banker als für Bauern. (Bild: Keystone)

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Die Schweizer Grossbanken als hilfsbedürftige Subventionsbezüger? Schwer zu glauben. Doch die UBS und die CS beziehen von der Öffentlichkeit Milliardenhilfe. Zu diesem Schluss kommen namhafte Ökonomen: Urs Birchler, Professor am Swiss Banking Institute der Universität Zürich, beziffert in seinem für die SP Schweiz verfassten Gutachten die staatliche Hilfe für die Grossbanken auf 4 bis 5 Milliarden. Ökonom Boris Zürcher vom Thinktank Avenir Suisse schätzt die versteckte staatliche Subvention gar auf gegen 6 Milliarden Franken. Die Landwirtschaft wird dagegen vom Bund nur mit rund 3,5 Milliarden Franken pro Jahr unterstützt (davon Direktzahlungen 2,5 Milliarden Franken).

Interessant ist: Während Agrar-Subventionen offen deklariert und vom Schweizer Volk legitimiert sind, ist die implizite «staatliche Beistandspflicht» für die Grossbanken dagegen weitgehend unsichtbar – und unfreiwillig. Der Mechanismus der versteckten Subvention: Die Schweizer Grossbanken profitieren vom Wettbewerbsvorteil, weil sie «too big to fail» sind. Dies über bessere Zinsbedingungen: «Wegen ihrer faktischen Staatsgarantie können sie sich an den Kapitalmärkten günstiger refinanzieren», erklärt Zürcher, «weil ihre Kapitalgeber wissen, dass die Bank nicht pleite gehen kann, gewähren sie ihr günstigere Zinsen.» Er beziffert diesen Zinsvorteil auf bis zu 30 Basispunkte. Das heisst: Die Grossbanken haben 0,3 Prozent Vorteil gegenüber der Konkurrenz ohne Staatsgarantie.

Durch diesen Wettbewerbsvorteil wurden die Schweizer Grossbanken in der Vergangenheit immer grösser und mächtiger, was wiederum ihren Wettbewerbsvorteil verstärkte. Der freie Markt spiele in der Branche nicht mehr, meint Harvard-Professor Niall Ferguson. «Es ist den jungen Banken nahezu unmöglich, gegen die too-big-to-fail-Kolosse zu konkurrieren», zitiert das «Magazin» den Wirtschaftshistoriker.

Wer profitiert von den Staatssubventionen? «Die Bank und ihre Anspruchsgruppen», so Zürcher. Die Aktionäre erhielten höhere Dividenden, die Gläubiger eine quasi versicherte Geldanlage, und die Manager könnten sich für ihre abgesicherten Risikogeschäfte hohe Boni auszahlen, so Zürcher. Und in guten Zeiten profitiert auch die breite Allgemeinheit. Denn dann bringen die florierenden Grossbanken grosse Steuereinnahmen, und die hohen Saläre bringen in vielen Branchen, nicht nur in der Luxusindustrie, die Kassen zum Klingeln.

Die Zeche bezahlen die Anderen

Der Preis der Staatsgarantie für Grossbanken ist jedoch hoch. Denn wenn es schlecht läuft auf den Finanzmärkten, wie 2008, zieht eine Bankenpleite das ganze Land in den Abgrund. Die Bankenkolosse sind schlicht zu gross für die kleine Schweiz. Zur Erinnerung: Ende 2008 betrugen die Bilanzsummen der beiden Schweizer Grossbanken zusammen fast das Sechsfache des schweizerischen Bruttoinlandproduktes.

Der Konkurs einer Grossbank hätte katastrophale Folgen für die ganze Schweiz: «Die Schweiz entging im Oktober 2008, als die UBS am Abgrund stand, nur knapp einer Katastrophe», zitiert das «Magazin» Niall Ferguson. Auch Ökonom Zürcher meint, es sei keinesfalls sicher gewesen, dass der Bund die bereitgestellten Rettungsmilliarden wieder zurückerhalten würde, so wie dies heute nach geglückter Operation verschiedentlich behauptet wird.

Talente falsch eingesetzt

Weitere negative Folge des indirekten Geldregens für die Grossbanken: «Sie verzerren die Ressourcenverwendung», so Zürcher. Das heisst: Die Mittel werden nicht effizient eingesetzt. Der Ökonom erklärt dies am Beispiel Arbeitsmarkt: «Ein ETH-Student hat heute die Wahl: Entweder er montiert nach seinem Studium für die ABB Energieanlagen in der afrikanischen Wüste oder er geht als Aktienanalyst zur Grossbank an der Zürcher Bahnhofstrasse und verdient dabei das Doppelte. Diese Entscheidung fällt vielen nicht schwer.» Folge: Da die Finanzbranche das Lohngefüge in der Schweiz nach oben verzerrt, haben andere Branchen Mühe mitzuhalten. Dadurch gehen etwa der Industrie Arbeitskräfte verloren.

Eine weitere Folge der Verzerrung: Die subventionierte, für ausländische Anleger attraktive Finanzindustrie lässt den Wert des Schweizer Frankens steigen, was die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportindustrie beschneidet, so Zürcher.

Risiken senken

Anders als offene Geldflüsse können implizite Subventionen nicht einfach gestoppt werden. Das Problem lasse sich nur indirekt lösen, so der Ökonom. Gegenwärtig arbeitet die «too big to fail»-Expertengruppe des Bundes an möglichen Lösungsvorschlägen, allen voran an der Festlegung konkreter Eigenmittelvorschriften für die Banken. Deren Schlussbericht kommt allerdings nicht wie ursprünglich angekündigt Ende August, sondern mit Verspätung.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rhiitaler am 24.08.2010 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Volksdümmlich

    egal was wir hier schreiben ... diejenigen dies angehen würde lesen es sowieso nicht und wenn sie es lesen würden, interessiert es sie nicht, den das was da abgeht ist Volksintelligenz und hat sehr viel mit sozialen kompetenzen zu tun. wir sind nur das pöbel, diejenigen die gefälligst ihre kohle auf ein entsprechendes geldinstitut bringen. Leider ... leider...leider wird einem immer wieder ein maulkorb verpasst so dass es nicht möglich ist die wirkliche persönliche meinung zu veröffenbetlichen! ...oder das einkommen ist zu klein um gehört zu werden!

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  • MB am 24.08.2010 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Definiere: "die Bauern"

    Auch die Subventionen für "die Bauern" landen kaum in den Taschen der tapferen Leute die bei Wind und Wetter - sowie fast rund um die Uhr, 7 Tage/Woche ihren Beruf ausüben. Ob dies auch so offen deklariert wird?

  • jungle am 24.08.2010 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich!

    Die Banken erhalten Unterstützung in Milliardenhöhe und kleinen Unternehmen (z.B. im kulturellen Bereich) streicht man die Subventionen, die ein paar Tausend Franken im Jahr betragen und die für diese Untenehmen lebensnotwendig sind...ich versteh hier echt nix mehr! -.-

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erbarmender Leser am 03.09.2010 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Jessessgott

    Die Besitzerfamilie der Roche Holding hatte Ende 2009 nur noch ein Vermögen von Fr. 15.500.000.000.-. Das braucht dringend eine Radikal-Kur bei Roche, sofern kein Fehler vorliegt.

  • Marc Oberli am 26.08.2010 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Profit

    Wenn einer das Gefühl hat, die Landwirtschaft sei ein Gewinngeschäft für die Bauern, darf er ruhig auch mal ein Weilchen anpacken dort. Viele glauben vermutlich langsam wirklich, dass die Milch aus der Migros kommt. Verstädterung lässt grüssen.

    • dud am 26.08.2010 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      Darum gehts nicht

      Ich glaube die wenigstens Leser haben etwas gegen die Subventionen an die Bauern, welche absolut nötig sind. Stossend ist eher der absurde und erzwungene Vermischungen von effektiven und hypothetischen Subventionen.

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  • Alain am 25.08.2010 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenmietwert Abzug von Schuldzinsen

    @ MH 15.04 Genau dank dem Eigenmietwert bzw. wegen der Abzugsmöglichkeit von Schuldzinsen zahlen die Bürger anstatt Steuern dem Staat, Schuldzinsen der Bank. Man stelle sich vor, wenn dieses Substrat dem Staat zufliesst, wie viel weniger Steuern wir Alle zahlem müssten. Schon an diesem Beispiel sieht man, welcher Herren Marionetten unsere Politiker sind.

  • Hannes Meister am 25.08.2010 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Die Bauern

    motzen die ganze Zeit wie schlecht es Ihnen geht, dabei erhalten die grässlich viele Subventionen. Dass die Stärkste Gruppe im Nationalrat die Bauern sind überrascht dabei wenig.

    • Kathrin am 25.08.2010 16:22 Report Diesen Beitrag melden

      Aber Herr Meister

      Wieviel wissen sie über die Landwitschaft? Haben sie das Gefühl die Bauern nehmen die Direktzahlungen in den Sack und machen erst mal vier Wochen Ferien? Ein Bauer hat viele Kosten für das er aufkommt, wenn er nur vom Verkauf der Milch leben müsste, dann könnte der sich nicht einmal eine Kuh leisten. Ich möchte ja euch , all die die über die Bauern motzen, sehen wie ihr eine Kuh melkt.

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  • Markus Weller am 25.08.2010 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Genau So

    Wer wundert sich über die Staatssubentionen für Banken, wenn im Bundesrat und wichtigen Gremien ehemalige Kadermitarbeiter der Grossbanken sitzen, wie auch in der Finanzaufsichtsbehörde FINMA. Gewinne privatisieren und Verluste von der Allgemeinheit bezahlen lassen und das beste, es funktioniert

    • dud am 25.08.2010 10:24 Report Diesen Beitrag melden

      Interessante Ansicht

      Falschaussage jagt Falschaussage. Wie kommen sie darauf das die Allgemeinheit die Verluste zahlt? Bund: Darlehen 6 Mrd. CHF, Rückzahlung UBS 6 Mrd. CHF + 1.8 Mrd. Schulzinsen = GEWINN für Allgemeinheit SNB: Übernahme Papiere für 60 Mrd., UBS: Ist gewillt ALLE Papiere zurückzukaufen, da diese doch nicht so schlecht performen wie viele glauben und die SNB gutes Geld damit macht. Entweder ich habe etwas falsch verstanden oder ich bitte um präzisierung der Aussage. Danke

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