X-Mas mal anders

15. Dezember 2011 15:13; Akt: 15.12.2011 15:13 Print

O du durchgeknallte ...

von Elisabeth Rizzi - Deutsche sind an den Festtagen vorwiegend mit dem Schlitten unterwegs. Österreicher nerven sich über Weihnachtslieder, Italiener über Staus - während die Schweizer arbeiten. So feiert - angeblich - Europa.

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Der moderne Santa Claus ist motorisiert unterwegs. 7 Prozent der Deutschen setzen sich dagegen über Weihnachten auf einen traditionellen Schlitten. (Bild: Keystone)

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Deutschland ist kein Rodelland: Der höchste und praktisch einzige Berg, der den Namen verdient, erhebt sich gerade mal 2962 Meter über den Meerespiegel (die Zugspitze). Auch ist Deutschland nicht gerade für klirrende Kälte und eisige Steppen bekannt, über die wie in Russland Pferdegespanne mit Schlitten jagen könnten.

Trotzdem ist im nördlichen Nachbarland der Schlitten als Fortbewegungsmittel über Weihnachten beliebter als in der Schweiz, Österreich oder Russland. 7 Prozent haben dort vor, sich an den Festtagen auf Rodel zu setzen. In Österreich und Russland sind es bloss 3 Prozent und im Alpenland Schweiz mit seinen vielen Schlittelstrecken gar nur 2 Prozent. Das zeigt eine Erhebung der gfk und der Zurich Versicherung in sieben Ländern Europas bei 4315 Befragten.

Weihnachtslieder nerven

Die Studie fördert noch weitere Skurilitäten zutage. So ist ein eigentlicher Kulturen-Graben bei Weihnachtsliedern zu beobachten. Südländer wie Portugiesen, Italiener und Spanier lieben es, wenn Weihnachtslieder über den Äther dudeln. Österreicher nerven sich dagegen ganz besonders über «jingle bells» und «stille Nacht» aus dem Autoradio (8 Prozent). Auch 5 Prozent der befragten Deutschen machen die musikalischen Festtagsergüsse zu schaffen. Bei den Schweizern sind es noch 4 Prozent.

Vielleicht lockern «Last Christmas» und «Santa Claus is coming to town» auch ganz besonders den Fuss auf dem Gaspedal: Gut ein Viertel bis ein Drittel aller Südländer bringen nämlich über die Festtage Staus auf den Strassen auf die Palme. Am meisten genervt (32 Prozent) sind – wenig erstaunlich – die Bewohner aus dem Land von Ferrari und Maserati.

Viel relaxter gehen dagegen die Alpenbewohner und Russen die Feiertage an. Hier ist bloss für rund 10 Prozent der Befragten Stau ein Thema. Während der besinnlichen Tage regen sich hingegen mehr Befragte in der Schweiz als überall sonst über drängelnde Autofahrer auf (17 Prozent).

Angst vor Streit

Aber besser ein unziemlicher Ausruf über den Strassennachbar als ein handfester Streit in den eigenen vier Wänden. Im südlichen Nachbarland der Schweiz, wo la Mamma noch den Kochlöffel schwingt und i Bambini nicht selten bis über 30 zu Hause verhätschelt werden, liegt besonders das auf dem Magen: 10 Prozent der Italiener fürchten sich vor einem unharmonischen Weihnachtsfest. In den anderen Ländern bewegt sich dieser Anteil bloss zwischen 3 und 4 Prozent. In Spanien sind es gerade mal 1 Prozent. Und in Russland ist entweder Krach oder totale Harmonie an der Tagesordnung. Jedenfalls fürchtet sich da niemand vor Schimpftiraden an den orthodoxen Weihnachten am 6. und 7. Januar.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Russen wie keine andere Nation über die Festtage das Weite suchen und verreisen. 15 Prozent fahren in Urlaub (Schweiz 7 Prozent, Deutschland 6 Prozent, Österreich und Spanien 3 Prozent, Italien 2 Prozent, Portugal 1 Prozent).

Bei den Schweizern ist es wohl so, dass sie gar keine Zeit haben, sich zuhause in die Haare zu geraten. 12 Prozent der Eidgenossen müssen nämlich über die Festtage arbeiten. In Deutschland und Österreich halten noch je 9 Prozent die Spitäler, den öffentlichen Verkehr, die Gastronomie etc. am Laufen. In Portugal Spanien und Italien ist dagegen Siesta angesagt. Hier arbeiten gerade mal 1 bis 3 Prozent der Befragten.