Total-Liquidation

18. Juli 2018 20:51; Akt: 18.07.2018 20:51 Print

Den letzten OVS-Filialen gehen die Tragesäcke aus

Die noch geöffneten Läden der Modekette OVS haben keine Säcke mehr. Die Kunden reagieren gereizt oder kreativ.

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Die Totalliquidation ist in vollem Gang: Auch die Schaufensterpuppen stehen zum Verkauf. Einige Kunden haben bereits zugegriffen. Die Kartonschachteln sind immerhin gratis. Damit will die Firma wohl die Entsorgungsgebühr sparen. Der Verwaltungsrat der Schweizer OVS-Kleidergeschäfte hat beim Bezirksgericht Höfe ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht. Ein Leser berichtet, dass bei OVS die Retouren von Kleidern nicht mehr möglich sind. Die Marke OVS habe sich nicht wie gewünscht im Schweizer Markt positioniert. Die anhaltend ungenügenden Umsätze hätten daher zu massiven finanziellen Engpässen geführt, so das Unternehmen. Die rund 140 OVS-Geschäfte in der Schweiz entstanden aus den ehemaligen Filialen von Charles Vögele, die im Dezember 2016 an OVS verkauft worden waren. OVS ist an der Mailänder Börse kotiert. Damals schrieb Vögele rote Zahlen im zweistelligen Millionenbereich. Stefano Beraldo, der CEO von OVS, sagte bei der Übernahme aber, er werde das Unternehmen wieder auf Kurs bringen und wolle in der Schweiz zum Marktführer werden. Stattdessen steht der Händler hierzulande jetzt vor dem Aus. OVS dürfte den Schweizer Markt unterschätzt haben. Nur weil die Markenvielfalt kleiner sei als in den umliegenden Ländern, dürfe man nicht auf ein weniger umkämpftes Umfeld schliessen, sagt CS-Analyst Sascha Jucker zu 20 Minuten. Für ein schwächelndes Unternehmen ist es zudem schwer, in einem gesättigten Markt wieder zu wachsen. Und der Schweizer Markt war schon vor der OVS-Übernahme weitgehend gesättigt. Das Unternehmen soll laut Medienberichten im April Vermieter seiner Filialen kontaktiert und teils massive Reduktionen gefordert haben. Es scheint, als hätte OVS den teuren Standort Schweiz unterschätzt. Auch der Wechsel vom Namen Vögele zu OVS war riskant: «Ein Rebranding birgt immer das Risiko in sich, dass mehr Stammkunden der alten Marke zur Konkurrenz abwandern, als dass Neukunden gewonnen werden können», erklärt CS-Experte Jucker. Um OVS war es in der Schweiz in Sachen Werbepräsenz relativ ruhig. Charles Vögele warb früher mit prominenten Markenbotschaftern wie Penélope Cruz ... ... und Til Schweiger. Zwar half das nicht direkt gegen die roten Zahlen, immerhin dürfte heute aber vielen der Name Charles Vögele noch geläufiger sein als OVS. OVS hatte es bereits 2000 in der Schweiz versucht. Das Unternehmen, das damals noch Oviesse hiess, zog sich wenige Jahre später aber wieder aus dem Land zurück. Weniger als zwei Jahre sind seit der Übernahme durch OVS vergangen – die vollständige Umstellung von Vögele auf OVS dauerte bis Ende 2017. Das sei normalerweise nicht genug Zeit, um einen Händler wie Vögele aus den roten Zahlen zu hieven, sagt Jucker dazu.

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«Wir kaufen nichts mehr ein», sagt OVS-Sprecher Edwin van der Geest zu 20 Minuten. «Beim Liquidationsverkauf hat es, solange es hat – auch Säcke.»

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Einige Kunden reagieren hässig auf die fehlenden Säcke, wie ein OVS-Mitarbeiter berichtet. «Die meisten sind aber einfach nur überrascht.» Einige Filialen warnen die Kunden: «Liebe Kundschaft. Ab sofort müssen wir Sie bitten, eigene Tragetaschen mitzubringen», heisst es laut einem Leser-Reporter auf einem Zettel am Schaufenster des OVS-Ladens in Basel.

Nachbarläden helfen aus

«Zuerst haben wir von benachbarten Läden Säckchen bezogen», sagt ein OVS-Mitarbeiter, der anonym bleiben will. Eine Parfümerie und ein Schuhgeschäft hätten mit ihren eigenen Säcken ausgeholfen. Gratis. Dann aber habe es keine mehr gegeben. Kunden, die einen Grosseinkauf gemacht hätten, hätten sich dann auch schon mal einen Einkaufswagen beim Supermarkt um die Ecke geholt.

OVS Schweiz ist konkurs und löst seine Filialen in der Schweiz auf. Rund 75 der rund 140 Läden sind noch geöffnet. «Das Ziel ist, bis zum 27. Juli abzuschliessen», sagt Van der Geest. Der Sachverwalter habe aber das letzte Wort.

(ish)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Danilo am 18.07.2018 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlussverkauf

    Ich war Jahrelang Lieferant der Firma Vögele. Es begann damit dass die Firma an die Börse ging. Schon damals hatten verschiedene Verwaltungsräte ganz gross abgezockt, auch Einkäufer. Dann kam ein A.M. Dieser wollte mit Stars alles ändern. So hochgelobt wie dieser wurde so tief ist leider Vögele gefallen. Dieser Mann hatte von der Kundschaft keine Ahnung. Wieder so ein möchtegern Alleswisser. Hauptsache ein hohes Gehalt bezogen. Das war nicht sein 1. Reinfall, aber Er schafft es sogar ins Fernsehen und ist Heute beim grössten Warenhaus CEO. Warum bekommen diese Leute immer wieder einen hochbezshlten Job obwohl sie immer ein Chaos hinterlassen. Trotzdem bekommen sie noch eine Abfindung stillschweigend. Jeder kleine Angestellte bekommt wegen einer Bagatelle die Kündigung. Es ist leider so, die Grossen lässt man laufen und die Kleinen hängt man auf.

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  • Kundin am 18.07.2018 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    Ich war selbst kürzlich noch in einem Store. Mir tun v. a. die Mitarbeitenden leid. Sie sind freundlich und kompetent wie seit eh und je und verlieren trotzdem ihren Job.

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  • Beobachter am 18.07.2018 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Der Letzte löscht das Licht

    Das war's. Erbärmlich die gierige Haltung einiger "Kunden", hat etwas von Leichenfledderei. Die wahre Tragik ist das ungewisse Schicksal der Mitarbeitenden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Maria am 19.07.2018 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ex

    gar nicht dort einkaufen, dann brauche ich auch keine taschen!!

  • Rene G. am 19.07.2018 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geplante insolvenz?

    In Deutschland machen sie parallel auch alle Charles Vögele Geschäfte zu. Dort eröffnen die Italiener ab September dann neue umgebaute Läden nach holländischen Branding werden zu Miller und Monroe. Ich habe bei ovs eher das Gefühl das hier ein Unternehmen geplant kaputt gemanaged wurde, so wie air Berlin von den Scheichs.

    • Pablo am 19.07.2018 17:23 Report Diesen Beitrag melden

      @Rene

      Oder in Berlin die privatisierung der Wasserversorgung. Die Orange wird zuerst unmerkbar und dann immer schneller ausgepresst und am Schluss wieder der Stadt zurückverkauft in einem erbärmlichen Zustand. Nur das hier das Geschäft nachher einfach aufgegeben wird.

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  • Mani Motz am 19.07.2018 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    im Ausverkauf heisst es

    es hat solange es hat

  • Sternli30 am 19.07.2018 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Warum....muss man immer alles verändern. Ich kam noch nicht mal dazu den OVS filiale zu besuchen und zack zu fertig. Es ist unglaublichund als ob es nicht tragisch genug ist nein. Nächste schlagzeile : keine säcke mehr. Dann ist er doch gelaufen, warum denn schliessen ???? Ich verstehs nicht.

    • B.S. am 19.07.2018 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sternli30

      Sieht wirklich als würdest du es nicht verstehen!!! OVS ist Konkurs, sprich kein Geld mehr da... und Läden sind zum Schluss nur überrennt worden, weil Alles Liquidiert wurde!! Und das ist Logisch, dass alle noch ein Schnäppchen machen wollen... Liquidiert=Preise runter gesetzt

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  • Mann mit Verstand am 19.07.2018 02:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Charakterlos

    Wieviele Online China Kunden, welche mitverantwortlich für solche Schliessungen sind, gehen nun auch zu OVS, um dort noch Schnäppchen Ware zu holen. Diese verdigitalisierten Geizhals Typen sind mehr sls nur peinliche Mitglieder der Gesellschaft.

    • chinashopper am 19.07.2018 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      selber schuld

      mitverantwortlich ? vielleicht...doch schuld selber sind solche geschäfte selber wenn sie schliessen müssen...wenn man keine ahnung hat was angesagt ist oder sich gut verkaufen lässt sollte man es sein lassen, dazu artikel zu verkaufen die sie in riesen mengen bei alibaba gekauft haben für b.s ein shirt für ca 70-90 rappen (mengenrabatt) und hier für 29-49 franken verkaufen? nein danke

    • Miro am 19.07.2018 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @chinashopper

      Wie werden die produziert ,mit welchen Gift ? China ? Oje..... informieren?

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