Vögele-Nachfolger

05. Juni 2018 15:49; Akt: 06.06.2018 08:44 Print

OVS kündigt Mitarbeitern Massenentlassungen an

von R. Knecht/V. Sadecky - Sempione Fashion eröffnet das Konsultationsverfahren für die OVS-Angestellten in der Schweiz. Das heisst: Es drohen Massenentlassungen.

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Mitarbeiter erhielten am Dienstag einen eingeschriebenen Brief von OVS. Ein Leser berichtet, dass bei OVS die Retouren von Kleidern nicht mehr möglich sind. In den Läden sind Schilder zu sehen, die besagen, dass Umtausch oder Rückerstattung wegen der Nachlassstundung nicht möglich seien. Der Verwaltungsrat der Schweizer OVS-Kleidergeschäfte hat beim Bezirksgericht Höfe ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht, wie das Unternehmen mitteilte. Die Marke OVS habe sich nicht wie gewünscht am Schweizer Markt positioniert. Die anhaltend ungenügenden Umsätze hätten daher zu massiven finanziellen Engpässen geführt, so das Unternehmen. Die rund 140 OVS-Geschäfte in der Schweiz entstanden aus den ehemaligen Filialen von Charles Vögele, die im Dezember 2016 an OVS verkauft worden waren. OVS ist an der Mailänder Börse kotiert. Damals schrieb Vögele rote Zahlen im zweistelligen Millionenbereich. Stefano Beraldo, der CEO von OVS, sagte bei der Übernahme aber, er werde das Unternehmen wieder auf Kurs bringen und wolle in der Schweiz zum Marktführer werden. Stattdessen steht der Händler hierzulande jetzt vor dem Aus. OVS dürfte den Schweizer Markt unterschätzt haben. Nur weil die Markenvielfalt kleiner sei als in den umliegenden Ländern, dürfe man nicht auf ein weniger umkämpftes Umfeld schliessen, sagt CS-Analyst Sascha Jucker zu 20 Minuten. Für ein schwächelndes Unternehmen ist es zudem schwer, in einem gesättigten Markt wieder zu wachsen. Und der Schweizer Markt war schon vor der OVS-Übernahme weitgehend gesättigt. Das Unternehmen soll laut Medienberichten im April Vermieter seiner Filialen kontaktiert und teils massive Reduktionen gefordert haben. Es scheint, als hätte OVS den teuren Standort Schweiz unterschätzt. Auch der Wechsel vom Namen Vögele zu OVS war riskant: «Ein Rebranding birgt immer das Risiko in sich, dass mehr Stammkunden der alten Marke zur Konkurrenz abwandern, als dass Neukunden gewonnen werden können», erklärt CS-Experte Jucker. Um OVS war es in der Schweiz in Sachen Werbepräsenz relativ ruhig. Charles Vögele warb früher mit prominenten Markenbotschaftern wie Penélope Cruz ... ... und Til Schweiger. Zwar half das nicht direkt gegen die roten Zahlen, immerhin dürfte heute aber vielen der Name Charles Vögele noch geläufiger sein als OVS. OVS hatte es bereits 2000 in der Schweiz versucht. Das Unternehmen, das damals noch Oviesse hiess, zog sich wenige Jahre später aber wieder aus dem Land zurück. Weniger als zwei Jahre sind seit der Übernahme durch OVS vergangen – die vollständige Umstellung von Vögele auf OVS dauerte bis Ende 2017. Das sei normalerweise nicht genug Zeit, um einen Händler wie Vögele aus den roten Zahlen zu hieven, sagt Jucker dazu.

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Der Vögele-Nachfolger OVS hat seine Mitarbeiter informiert, dass das Unternehmen Massenentlassungen in Betracht zieht. Sempione Fashion, das Unternehmen hinter der Schweizer Marke OVS, hat ein entsprechendes Schreiben an die Angestellten versandt. In diesem Schreiben, das 20 Minuten vorliegt, heisst es, wegen der Nachlassstundung und des drohenden Konkurses habe das Unternehmen das Konsultationsverfahren eingeleitet.

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Falls es zu den Massenentlassungen kommt, könnten sämtliche Mitarbeiter und Lernende betroffen sein. Dies wären 1'180 Personen. Ein OVS-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, sagte gegenüber 20 Minuten: «Es ist verrückt, wie schnell es mit OVS abwärtsgegangen ist. Wir Mitarbeiter fühlen uns für dumm verkauft.»

Retouren nicht mehr möglich

Ein Leser berichtet, dass bei OVS die Retouren von Kleidern nicht mehr möglich sind. In den Läden sind Schilder zu sehen, die besagen, dass Umtausch oder Rückerstattung wegen der Nachlassstundung nicht möglich seien. «Auf dem Bon stand 30 Tage Rückgaberecht», beschwert sich der Leser.

Bei einem weiteren Leser kam es noch schlimmer: Er hatte am 29. Mai, also am Tag bevor Sempione Fashion in Nachlassstundung ging, für rund 70 Franken Kleider eingekauft und am gleichen Tag gegen einen Gutschein umgetauscht. Als er ihn am Dienstag in einer Filiale einlösen wollte, hiess es, wegen der Nachlassstundung sei dieser nicht mehr gültig. «Also holte ich die Kleider, die ich ursprünglich eingetauscht hatte, und wollte damit gehen – da kam dann die Securitas und hielt mich auf», so der Leser.

Aus dem Brief geht zudem hervor, dass das Unternehmen plant, «einen Teil der Verkaufsfilialen an einen oder mehrere Dritte zu übertragen». Angestellte sollen innert einer Frist von drei Wochen Vorschläge machen, wie sich Kündigungen vermeiden lassen und auch sonstige Folgen gemildert werden könnten. Sempione Fashion bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass Massenentlassungen bevorstehen könnten.

Unia kritisierte OVS bereits wegen Massenentlassungen

Bereits in der Vergangenheit hat die Unia OVS unter anderem vorgeworfen, die Verpflichtungen bei Massenentlassungen zu umgehen. Die Filialen würden eine nach der anderen geschlossen, sodass immer zu wenige Entlassungen erfolgten, um das bei Massenentlassungen vorgeschriebene Verfahren durchführen zu müssen.

Die rund 140 OVS-Geschäfte in der Schweiz entstanden aus den ehemaligen Filialen von Charles Vögele, die im Dezember 2016 an OVS verkauft worden waren. OVS ist an der Mailänder Börse kotiert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chl am 05.06.2018 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu erwarten

    Unia.... im kritisieren ganz groß und im Handel ganz schwach, was den Detailhandel anbelangt

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  • dany79 am 05.06.2018 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ciao, arrivederci OVS

    Bin ich froh gekündigt zu haben,waren echt keine zustände mehr... neuer job neues glück!!

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  • Schweizer am 05.06.2018 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Management...

    ....wird sicher als erstes gehen. Schade für die Mitarbeiter, wo immer den kürzeren ziehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Name am 06.06.2018 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die Umfrage

    "Nein, ich brauche keine Kleider." Auch gut. :'D

    • Lilly Wolf am 06.06.2018 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Name

      Entlassungen , was ist das( Vögeli , Postfinanz ) und was noch! Es Kommen billigere Arbeitskräfte aus A und D ! Kleider in andere Länder machen lassen( Etikette , made in CH) . Billige Stoff Qualität , Preise??? Da können wir in jede Basar Laden einkaufen gehen, dann , brauchen wir nicht nach so viel Jahre die Namen , immer noch zum zahlen! Die Zeiten sind vorbei!

    • Name am 07.06.2018 08:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Lilly Wolf

      Ich verstehe den Bezug zu meinem Kommentar nicht ganz. Jeder Mensch braucht Kleider, zumindest habe ich noch niemanden nackt gesehen in der Stadt. Manchmal sehr schade, manchmal besser so. ;)

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  • Grosses Mäitli am 06.06.2018 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlechte Grössen

    Ich trage normalerweise 36-38, im OVS war mir die 44 zu eng, hab daher nichts passendes gefunden.

    • Name am 06.06.2018 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Grosses Mäitli

      Dann trägst du aber definitiv keine 36/38. Ich habe dieselbe Grösse und konnte gut S oder M kaufen.

    • mamamiaaa am 06.06.2018 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grosses Mäitli

      Bin deiner Meinung! Hatte eine Boyfriend Jeans an. Trage normalerweise gr. 34-36 und bei OVS war mir gr. 40 zu eng!

    • Maria am 07.06.2018 19:47 Report Diesen Beitrag melden

      Grössen

      Italienische Grösse 40 ist Schweizer Grösse 36! Es stehen übrigens beide im Etikett!

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  • SEPP am 06.06.2018 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Willkommen im digitalen Zeitalter.

    • Vögele am 06.06.2018 12:38 Report Diesen Beitrag melden

      China Ware ist zu klein geschnitten

      Es ist nicht nur das digitale Zeitalter schuld. Wenn Hosen mit Grösse L gerade mal so gross sind, dass sie nur einem schlanken Teenager gehen, ist das verfehlte Einkäuferpolitik.

    • Nationless am 06.06.2018 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vögele

      Mode ist ein Richtwert wie man physisch Ästhetisch ordentlich auszusehen hat. Wir sollten daher weniger Schwienigs, Kartoffelsalat und Süsses essen und uns mehr bewegen und abnehmen. Zumba wäre ein Anfang. Dann klappts auch mit der Mode von OVS und co. Ironie off.

    • Radisli am 06.06.2018 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nationless

      Wer,was sagt wie Mann/Frau auszusehen hat?Selbstbewusste Menschen kleiden sich nach dem guten Geschmack und sind nicht auf OVS der zum zweiten mal PLEITE geht angewiesen!Im übrigen finde ich als schlanke Person Ihren Beitrag über die Eßgewohnheiten deplatziert!

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  • digital am 06.06.2018 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schad

    Ich habe erst jetzt von OVS erfahren. Ich finde es einfach schade um die Angestellten und dem Velust eines Geschäftes. Das wird dank Internet auch nur zuhnemen. Ich frage mich allerdings was aus den Städten wird??? Nur Bars und Cafes? oder gähnende Leere?

    • Verkäufer am 06.06.2018 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @digital

      Genau, dank unserer Online-Shopping-Gesellschaft geht Alles den Bach runter

    • Zalando Freak am 06.06.2018 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Verkäufer

      Wieso CHF 80.- für etwas im Laden bezahlen , wenn ich dasselbe bei Zalando für CHF 65.- bekomme? Gratis Lieferung, bequemer, günstiger

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  • Sola am 06.06.2018 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arrogant

    Ich war vor paar Wochen in einer Filiale. Die Arroganz der Verkäuferin war nicht zu überbieten und das Sortiment auf Topmodels ausgerichtet! Einmal und nie wieder! Der Wegfall dieser Kette kein Verlust!

    • Travel am 06.06.2018 18:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Sola

      Der Kunde ist König wenn er sich könglich Verhält. Dein Wegfall dich als Kunde ist für alle eine Aufwertung

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