Falsche Sterne

14. Oktober 2019 09:33; Akt: 14.10.2019 09:33 Print

Onlineshops kämpfen gegen Fake-Bewertungen

von Valeska Blank - Amazon investiert Millionen, um gegen gefälschte Nutzerbewertungen anzukämpfen. Schweizer Shops gehen streng gegen Fakes vor.

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Die Bewertungen anderer Kunden sind wichtig für den Kaufentscheid beim Online-Shopping. Nur: Nicht immer ist sicher, dass die Rezensionen der anderen Nutzer auch echt sind. Fake-Bewertungen kämen «teilweise vor», heisst es bei Digitec Galaxus. Als Beispiel nennt der Schweizer Online-Shop Lieferanten oder Hersteller, «die ihren Produkten mit ein paar wohlgemeinten, aber falschen Sternchen und Worten zusätzlichen Verkaufsschub geben wollen». Grösser ist das Problem bei Amazon. Im vergangenen Jahr hat der weltgrösste Online-Händler rund 13 Millionen Versuche unterbunden, eine unechte Bewertung abzugeben. Kürzlich wurde auch bekannt: Der US-Onlinehändler Amazon bestraft Kunden, die zu viele Bestellungen retournieren. Wer zu viel zurückschickt, dem wird das Konto gesperrt. Bevor es so weit ist, erhalten die Kunden aber eine Warnung. Bei der zweiten Warnung sollte der Kundendienst von Amazon kontaktiert werden. Wer gesperrt wird von Amazon, kann nichts mehr bestellen. Dabei hat Amazon unlängst für negative Schlagzeilen gesorgt aufgrund der Anstellungsbedingungen. Amazons Lager gehören laut dem amerikanischen National Council for Occupational Safety and Health zu den gefährlichsten Arbeitsplätzen in den USA. Nicht nur über die Arbeitsbedingungen gibt es problematische Berichte: Laut dem ZDF-Magazin «Frontal 21» vernichtet der Onlinehändler Amazon in Deutschland jeden Tag massenhaft neuwertige Produkte. Amazon bestreitet die Vorwürfe nicht, betont aber, dass die Verbesserung von Prozessen hohen Stellenwert für das Unternehmen habe. Amazon zerstört nicht nur Ware aus eigenen Lagern, sondern bietet auch externen Anbietern, die den Logistikservice «Versand durch Amazon» nutzen, die Möglichkeit, unverkaufte oder umgetauschte Ware zu vernichten.

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Sie sind eines der wichtigsten Kriterien, ob ein Kunde im Onlineshop etwas kauft oder nicht: Die gelben, blauen oder schwarzen Sternchen, die direkt unter dem Produkt erscheinen.

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Der Gedankengang dahinter: Wenn andere Kunden die Kopfhörer, den Fitness-Tracker oder das Bügeleisen positiv bewerten, kann die Ware ja nicht schlecht sein.

Grossteil bei Amazon ist gefälscht

Der Haken: Oft sind die Kundenbewertungen gar nicht echt. Für die Schweiz gibt es keine offiziellen Zahlen, wie viele Nutzer-Rezensionen in hiesigen Onlineshops gefälscht sind.

Untersucht wurde aber der Onlineriese Amazon: Eine Analyse der britischen Verbraucherschutzorganisation Which vom April 2019 zeigt, dass 87 Prozent von 12'000 untersuchten Bewertungen unglaubwürdig sind.

Millionen-Investition gegen Betrug

Das Problem ist gross – und Amazon unternimmt entsprechend viel, um es anzugehen: Im vergangenen Jahr hat der weltgrösste Onlinehändler rund 13 Millionen Versuche unterbunden, eine unechte Bewertung abzugeben, wie ein Sprecher der «Wirtschaftswoche» sagte.

Insgesamt seien 400 Millionen Dollar investiert worden, «um Kunden vor Rezensionsmissbrauch, Betrug und anderem Fehlverhalten zu schützen».

Beim Schweizer Onlineshop Digitec Galaxus kennt man das Problem. Dort werden jeden Tag mehrere Hundert Produkt-Rezensionen abgegeben – darunter auch gefälschte. «Ja, Fake-Bewertungen kommen teilweise vor», sagt ein Sprecher zu 20 Minuten. So gebe es etwa Lieferanten oder Hersteller, die ihren Produkten mit ein paar wohlgemeinten, aber falschen Sternchen und Worten zusätzlichen Verkaufsschub geben wollen.

Strenge Prüfung

Dementsprechend streng prüfen Digitec Galaxus und auch die Mitbewerber Microspot und Brack die Rezensionen, die bei ihnen eintreffen. Bei Microspot können nur registrierte Kunden eine Bewertung abgeben. Jede Bewertung wird zudem vor der Veröffentlichung durch einen Mitarbeiter geprüft. Verstösst sie gegen die Richtlinien, wird sie nicht veröffentlicht.

Auch bei Brack werden eintreffende Nutzer-Rezensionen genau unter die Lupe genommen: «Die jeweiligen Content-Manager prüfen sie persönlich», sagt ein Sprecher. Sei die Bewertung inhaltlich falsch oder widerspreche sie den allgemeinen Regeln für Rezensionen, werde sie abgelehnt.

Schlechte Bewertung? Ladenhüter!

Das Feedback der Kunden ist immens wichtig für die Onlineshops. «Wir sehen einen starken Zusammenhang zwischen der Bewertung und dem Verkauf», heisst es bei Digitec Galaxus.

In der Regel sind die Produkte, die am besten bewertet sind, auch unter den Bestsellern. Und umgekehrt werden Produkte mit schlechten Bewertungen schnell zu Ladenhütern: «Die werden wir – wenn überhaupt – nur noch im Ausverkauf los», so der Sprecher.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert am 14.10.2019 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen

    Das ganze System mit den Bewertungen gehört abgeschafft. Shops habe die Möglichkeit sich zu wappnen zB. nur registrierte Kunden, nur mit Rechnungsnummer... Aber Dienstleister oder Restaurants - da gibt es oft schlechte Bewertungen wegen Kleinigkeiten oder weil einem das Gesicht nicht passte. Jetzt können auch Ärzte usw. bewertete werden - wo soll das enden?

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  • Stefan am 14.10.2019 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Hausgemachte Probleme

    Ich lasse mich (mein Onlineshop) erst gar nicht bewerten, dann habe ich all diese Probleme nicht. Bewertungen sind sowieso ein Witz. Einer findet das gute Produkt nicht gut und lässt seinen Frust aus indem er 1 von 6 Punkten vergibt. Das sind hausgemachte Probleme !

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  • eran am 14.10.2019 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht alle finden was schön

    Gute sachen brauchen keine werbung. Mund zu mund propaganda. Jeder weiss was gut ist. Nicht jeder tickt gleich. Aber wen man immer den andern hinterher springt ist selber schuld.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beratung bezahlen und trotzdem sparen am 15.10.2019 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Auch echte Bewertungen sind oft nutzlos

    Man muss eh aufpassen, viele Leute kaufen sich auch schlicht das falsche Produkt für ihre Bedürfnisse und geben dann eine schlechte Bewertung ab, obwohl das Produkt selbst einwandfrei wäre. Man kann eben keinen Rollsroyce erwarten wenn man einen Twingo bezahlt und umgekehrt muss man nicht über den Preis jammern wenn man lediglich den Twingo bräuchte aber den Rolls bestellt. Für irgendetwas gäbe es ja noch Fachgeschäfte..

    • Der Coole mit gefärbtem Bart am 15.10.2019 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beratung bezahlen und trotzdem sparen

      Falsche Produkte kaufe ich nie. Ich orientiere mich nämlich immer und ausschliesslich an den Empfehlungen von InfluenzerInnen.

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  • Falsch beurteilt am 15.10.2019 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Typ aus einer anderen Filiale

    Das sollte man bei Arbeitsstellen auch so handhaben.Als ich meine Arbeit an meinem neuen Arbeitsplatz annahm,eilte mir ein Ruf voraus den mein Vorgänger verzapft hat.Wir kannten uns gar nicht und wir hatten nur einmal miteinander telefoniert.Ich war ihm sehr oft entgegen gekommen,habe ihm sehr oft aus der Patsche geholfen.Ein Danke kam nie.Ich habe auch nie über ihn geredet.Dann übernehme ich seinen Posten und die die ganze Crew war gegen mich.Nach zwei Wochen sagte eine Angestellte zu mir,ich sei gar nicht so wie der ExChef mich beschrieben habe.Das war der Hammer. Danach hatte ich die Besten

  • Valiant Thor am 15.10.2019 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Service soll und darf

    negativ Bewertet werden können. Wenn ein Händler den Kunden quasi halbdefekte Waren verkauft und diese dann nicht zurück nimmt, sollten andere Kunden gewarnt werden dürfen.

  • Franz am 15.10.2019 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechte Bewerungen!!!!

    Wir vermieten eine Ferienwohnung. Eine Gastfamielie hat unsere perönliche Betreuung und den von meiner Frau gebackenen Zopf gerühmt und herzlich bedankt. In der Bewertung erteilten sie uns von 10 nur 7 Punkte, weil wir in der Küche keine Microwelle haben. Im Wohnungsangebot steht nirgens, dass wir sowas anbieten. Soviel zu gerechten Bewerungen!!!!

    • Warum bezahlen und nicht nutzen? am 15.10.2019 16:34 Report Diesen Beitrag melden

      Kunden sind oft nicht schlau

      Ein Bestandskunde hat uns mal wegen schlechtem Service und schlechten Geräten gekündigt, da sich die Mitarbeiter über Defekte beschwerten. Nur hatte der Kunde während JAHREN keinen Servicetechniker bestellt (den er ja Dank dem Servicevertrag kostenlos zu gut gehabt hätte) und teils sogar selbst an den Geräten herumgeschraubt. Manchen Leuten ist wirklich nicht mehr zu helfen. Ein Anruf und die Geräte wären innert 24h wieder IO gewesen, genau wie es vertraglich vereinbart gewesen wäre.

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  • Vorsichtiger am 15.10.2019 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber moment

    Amazon wehrt sich gegen falsche Bewertungen, hat aber solche Produktetester die bewerten. Und weil dieses tester alles Gratis bekommen, sind die Bewertungen auch eher befangen. Deshalb ich bei Amazon seeeeeeeehr vorsichtig bin.