Preiserhöhung

02. Juli 2019 19:56; Akt: 02.07.2019 19:56 Print

Online-Shops wehren sich gegen Post-Preise

von Dorothea Vollenweider - Die Post will für Geschäftskunden die Paketpreise erhöhen. Schweizer Online-Händler sind verärgert.

Post verärgert Online-Händler mit geplanter Preiserhöhung. (Video: DV / Keystone)
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Die Post plant eine Erhöhung der Paketpreise. Die Preisanpassung soll nicht die Päckli der Privatkunden betreffen, sondern die der Geschäftskunden wie Zalando, Galaxus und Co.

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Bei den Schweizer Online-Händlern kommt diese Ankündigung nicht gut an. «Falls die Preiserhöhung wie angekündigt eintrifft, werden Schweizer Online-Shops sicher Alternativen wie DPD oder andere aufstrebende Paketzusteller wie Quickpac prüfen», sagt Roberta Zingg, Evecommerce Competence Board Member und Mitgründerin des Online-Shops Stadtlandkind.ch.

Online-Shops prüfen Alternativen

Klartext spricht auch Daniel Rei von Competec, dem Betreiber von Brack.ch: «Wir sind nicht begeistert.» Und er fügt an, das Unternehmen sei immer offen für alternative Liefermodelle. Die Online-Shops Digitec Galaxus und die Online-Apotheke zur Rose wollen sich zum Thema derzeit nicht äussern – es sei noch zu früh. Auch Dosenbach will aus Wettbewerbsgründen kein Statement dazu abgeben.

Der Online-Versandriese Zalando gibt sich kämpferisch: «Wir fühlen uns für etwaige Verhandlungen mit Paketdiensten gut aufgestellt», sagt Sprecherin Julia Zweigle. Schliesslich arbeite man seit vielen Jahren als einer der grössten Geschäftspartner mit der Schweizer Post zusammen.

Schweizer Firmen bemängeln unfairen Wettbewerb

Die Schweizer Versandhändler sind vor allem aus einem Grund verärgert: Asiatische Anbieter wie Wish, Ali und Co. bezahlen zurzeit deutlich tiefere Paketpreise als Schweizer Online-Händler. «Einen wesentlichen Teil des Wachstums bei den durch die Post versandten Paketmengen verursachen China-Pakete, deren Transport heute vom Schweizer Handel quersubventioniert werden», sagt Rei von Competec.

Da die Tarife für China über den Weltpostverein geregelt werden, würden die Preiserhöhungen der Post für chinesische Versandhändler, die in die Schweiz liefern, jedoch keine Wirkung zeigen. «Es muss dringend für einen fairen Wettbewerb gesorgt werden, sodass chinesische Versender ebenfalls ihren Anteil an den steigenden Kosten beitragen», sagt Rei.

Spitzenzeiten verursachen hohe Kosten

Auch die Ansage von Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels VSV, ist klar: «Es gibt keinen Anlass für Preiserhöhungen für den laufenden Tagesbetrieb», sagt er zu 20 Minuten. Dafür sprechen laut Kessler nicht zuletzt die Bilanzergebnisse der Post.

Post Logistics hatte 2018 ein Betriebsergebnis von 145 Millionen Franken erzielt – das sind 8,6 Prozent des Umsatzes. «Damit sollte die Post Investitionen in die Infrastruktur selber finanzieren können», sagt Kessler. Auch die neu eingeführten Services wie die Zustellung am Abend und am Wochenende lasse sich die Post bezahlen.

Anders sieht das die Post: «Spitzenzeiten wie beispielsweise Weihnachten verursachen hohe Kosten, da sie zusätzliche Mitarbeitende und Infrastruktur verlangen», sagt Sprecherin Jacqueline Bühlmann. «Derzeit stehen wir diesbezüglich im Dialog mit unseren Geschäftskunden.»

Will die Post dynamische Preise einführen?

Während der Verband des Schweizerischen Versandhandels VSV für pauschale Preiserhöhungen kein Verständnis hätte, wäre die Branche laut Verbandspräsident Patrick Kessler offen für eine Diskussion bezüglich gezieltem Peak-Pricing, also einem dynamischen Preismodell nach Auslastung. Denn die Volumen-Volatilität hat bei den Paketen in den letzten Jahren sehr stark zugenommen. An den Feiertagen im November und Dezember laufen die Bänder bei der Post und den Onlinehändlern heiss. «Generell stösst die Post nach verregneten Wochenenden regelmässig am Montagabend in der Sortierung und am Dienstag in der Verteilung an Grenzen», erklärt Kessler.

«Wir gehen davon aus, dass die Post sich die gleichen Gedanken macht wie ihre Kollegen in Deutschland.» Die DHL erhöhte in Deutschland die Preise für Geschäftskunden Anfang Jahr. Für das Weihnachtsgeschäft will sie Sendungsmengen-Schwankungen in stärkerem Masse als zuvor im Preis berücksichtigen. Die Schweizerische Post sagt auf Anfrage, dass derzeit noch keine konkreten Massnahmen feststehen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal am 02.07.2019 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rücksendungen

    Ich würde eher empfehlen eine hohe Gebühr (+10 Fr.) auf rücksendungen einzuführen, dann würd es sich vilecht einige überlegen, jede Woche ein zalando päckli zu bestellen und der Rest zurückzuschicken, denkt doch mal an die Umwelt!

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  • Daniel am 02.07.2019 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Post? Nein Danke

    Mir ist die sauteure schweizer post so ziemlich egal! Hoch lebe Qualinight. Pakete werden abgeholt und über Nacht verteilt. Meine Kunden kamen mit den Preisen der Post nicht mehr klar! Schlechte Dienstleistung und teurer! Ich wollte das letzte Mal ein Paket mit der CH Post nach DE versenden. 64.- Lieferzeit 1 Woche. Als ich in Basel war fuhr ich kurz nach die zgrenze und bezahlte 4 Euro!! 2 Tage Lieferzeit! Ich hab die Schnauzevon der Post so voll!

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  • JUKE am 02.07.2019 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unbedingt kostendekend

    Alle Online Händler sollen für die Transportkosten vollumfänglich aufkommen. Vielleicht wird dann der ganze Irrsinn etwas eingebremst.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Samu am 03.07.2019 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So sollte das gemacht werden

    Bei allein Online Versandkosten sollte noch 50.00 CHF belastet und in die Arbeitslosenkasse einbezahlt werden. Plus 30.00 CHF für den Klimawandel.

  • Toni Maccaroni am 03.07.2019 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leckere Essen

    Gut ist mir heute wieder nicht der Rasierpinsel ins Klo gefallen. Ja und die Pasta zum Avendessen waren echt lecker! Schon geil wie ich mittlerweile kochen kann. Hurz aber auch!!!

  • T. Fax am 03.07.2019 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Post und PostFinance

    Jaja die Post...eine einzig leidige Geschichte, werden teurer, zugleich bauen sie die Leistungen ab. Das gleiche läufts mit PostFinance. Als Onlinehändler weiss von was ich schreibe.

  • Anna Ego am 03.07.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich finde

    die POST müsste mir das Packet gratis liefern, dieses in meiner Stube öffnen, warten und wenn mir die Ware nicht passt dieses Packet wieder zuschliessen und gratis zwecks Reoure wieder mitnehmen.

  • Werner am 03.07.2019 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Problem

    Kaufe oft bei Aliexpress, Preise und Porto sind einfach unschlagbar billig.

    • jasmin am 03.07.2019 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Werner

      Die Löhne auch

    • Pösti am 03.07.2019 16:06 Report Diesen Beitrag melden

      Erklärung

      Klar, weil China in Sachen Post als Entwicklungsland gilt und damit kaum Gebühren bezahlen müssen. Hier wäre ein Anpassung längst überfällig! Aber der Weltpostverein hockt ja in Bern und wird sicher nix beschliessen, dass China schaden und der Schweiz nützen könnte....

    • Vor Schlag am 03.07.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pösti

      Wenn Du das Gefühl hast in China ist es besser, lass die die Post nach China schicken. Kannst ja günstig in dieses Entwicklungsland reisem um die Post zu holen.

    • Roberto am 03.07.2019 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Werner

      Hast du die kleine blaue Pille nötig?

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