Rekordbusse

24. November 2010 14:10; Akt: 24.11.2010 14:23 Print

Oracle triumphiert über SAP

Illegale Downloads kommen den deutschen Softwarehersteller SAP teuer zu stehen: Die Firma muss dem US-Rivalen Oracle wegen Urheberrechtsverletzung 1,3 Milliarden Dollar zahlen.

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Mitarbeiter der kleinen Software-Wartungsfirma TomorrowNow, einer amerikanischen SAP-Tochter, hatten über das Internet von einer passwortgeschützten Oracle-Website Updates heruntergeladen, um Oracle-Software im Auftrag von Firmenkunden zu warten.

SAP wollte über den Umweg einer günstigen Wartung Oracle die Kunden abspenstig machen und letztlich für die eigenen Programme gewinnen - und hat das teilweise auch geschafft: 86 von 358 TomorrowNow-Kunden sollen SAP-Software erworben haben.

Busse verhagelt SAP-Gewinn

Die vom Gericht nun festgesetzte Entschädigungssumme entspricht mehr als der Hälfte des Gesamtgewinns von SAP im vergangenen Jahr und übersteigt bei weitem die 10 Millionen Dollar, die SAP für die Übernahme von TomorrowNow vor fünf Jahren zahlte. Die Tochterfirma TomorrowNow, die SAP erst 2005 gekauft hatte, ist mittlerweile geschlossen.

Oracle hatte die illegalen Geschäftspraktiken des deutschen Konkurrenten zunächst als Industriespionage gewertet, später aber dann nur noch von Datenklau gesprochen. SAP war bereit, 40 Millionen Dollar als Wiedergutmachung zu zahlen, Oracle verlangte nach einigem Hin und Her aber 1,7 Milliarden Dollar.

SAP enttäuscht vom Urteil

Das Gericht im kalifornischen Oakland legte die Summe am Dienstag auf 1,3 Milliarden Dollar fest. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge handelt es sich bei der von der Jury festgelegten Summe um die höchste in einem Fall um Urheberrechtsverletzung.

SAP reagierte enttäuscht auf das Urteil. Der Konzern werde alle zur Verfügung stehenden Optionen erwägen, einschliesslich Anträge und Revision, falls nötig. Doch der Konzern hoffe, dass der Streit ohne zusätzliche jahrelange Gerichtsverfahren angemessen beigelegt werden könne. Man wolle nun nach vorn blicken.

Chef sagt Sorry - Justizministerium ermittelt weiter

SAP war zuletzt auf Oracle zugegangen. «Es tut mir leid», sagte Co-Konzernchef Bill McDermott vergangene Woche als Zeuge vor Gericht. Er räumte Fehler ein. SAP habe die Zügel bei der US- Tochterfirma TomorrowNow schleifen lassen.

SAP, die deutlich von ihrem guten Ruf eingebüsst hat, ist allerdings mit einem weiteren Problem konfrontiert: Wie vor kurzem bekannt wurde, ermittelt nun das US-Justizministerium in dem Fall.

SAP gedemütigt

Ein grösserer juristischer Sieg für Oracle sei kaum vorstellbar, bewertete Rechtsprofessor Eric Goldman von der Santa-Clara-Universität die Gerichtsentscheidung. Oracle sei es gelungen, einen seiner grössten Rivalen öffentlich zu demütigen. Nicht gelungen ist es dem US-Softwareuntrenehmen allerdings, den ehemaligen SAP-Chef Léo Apotheker zu einer Aussage vor Gericht zu zerren.

Apotheker ist seit Monatsbeginn Vorstandschef des anderen grossen Rivalen Hewlett-Packard, und Oracle-Chef Larry Ellison versucht, auch diesen Konkurrenten anzugreifen. Apotheker verstand es freilich, der Zustellung einer Vorladung des Gerichts in Oakland zu entgehen, indem er bis zum Prozessende innerhalb des Gerichtsbezirks unauffindbar blieb.

(sda/ap)