Nach Datenverkauf

21. Mai 2012 19:39; Akt: 21.05.2012 19:39 Print

Orange und Swisscom feuern Mitarbeiter

Gegen Mitarbeiter der drei grossen Telekomfirmen sind Ermittlungen wegen illegalem Datenverkauf im Gang. Zwei von ihnen wurden entlassen, einer von seinen Tätigkeiten enthoben.

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Ein Angestellter von Orange hat zugegeben, dass er Daten verkauft hat. (Bild: Keystone)

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Die Schweizer Telekomunternehmen haben Sanktionen gegen Mitarbeiter ergriffen, die vertrauliche Daten verkauft und so das Post- und Telefongeheimnis verletzt haben sollen. Swisscom und Orange entliessen je einen Mitarbeiter, Sunrise enthob einen Angestellten von seinen Tätigkeiten.

Der betroffene Angestellte von Orange Schweiz wurde am letzten Freitag mit sofortiger Wirkung entlassen. «Der Mann hat die Verfehlungen zugegeben», sagte am Montag Orange-Sprecherin Therese Wenger auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Mehrere Jahre Daten verkauft

Die Genfer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann sowie gegen je einen Mitarbeiter von Orange und Swisscom. Die drei Angestellten sollen seit mehreren Jahren vertrauliche Daten an Dritte verkauft haben. Dabei soll es sich etwa um Listen mit Telefonnummern handeln, die sie an ein Detektivbüro im Kanton Waadt weitergaben.

Orange wartet nun laut der Sprecherin die nächsten Schritte der Justiz ab. Man habe eine interne Untersuchung eingeleitet bezüglich der Kontrollen zur Gewährleistung des Datenschutzes. Einzelheiten wollte Wenger mit Verweis auf die laufende Strafuntersuchung nicht nennen.

Über Einreichung einer Klage wird später entschieden

Bei Sunrise, wo der betroffene Mitarbeiter suspendiert wurde, wartet man ebenfalls auf die Resultate der Untersuchung, wie Sprecher Roger Schaller sagte. Wie Orange wird auch Sunrise erst dann über die Einreichung einer Klage entscheiden. «Zum jetzigen Zeitpunkt wäre dies verfrüht», sagte Schaller.

Swisscom wiederum entliess den beschuldigten Angstellten am Montag. Das grösste Schweizer Telekomunternehmen leitete zudem eine interne Untersuchung ein.

Erinnert an Datenklau bei Banken

Für den eidgenössischen Datenschützer Hanspeter Thür erinnert der Fall an den Bankensektor. Die Motivation, die Mitarbeitende dazu bringe, Daten zu Gewinnzwecken zu missbrauchen, sei die gleiche, sagte Thür am Montag zur SDA.

Seines Wissens sei es der erste Fall im Sektor Telekommunikation, in dem die Strafjustiz ein Verfahren eröffnet habe. Auf den ersten Blick würden die internen Kontrollen als ungenügend erscheinen, aber man müsse das Ergebnis der Strafuntersuchung abwarten, um sicher zu sein.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David am 21.05.2012 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kundendaten

    Da gibt es sicher noch mehr Mitarbeiter die solche dinge drehen. Wie sicher sind die Call Center die im Ausland betrieben werden? Viele Firmen haben Zugriff auf Kundendaten.

  • Aslan am 21.05.2012 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz? Lachkrampf.

    Finde ich lustig, denn in einem bestimmten mittelgrossen Deutschen Betrügerforum gibt es immer noch ein Angebot, die Handynummer einer Person in der Schweiz zu erfahren, ohne Providereinschränkung.

  • Juan G. am 21.05.2012 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Eintrag im Tel-Buch, trotzdem Werbu

    Ich habe mich schon immer gefragt, wie es sein kann, dass ich Werbeanrufe bekomme obwohl ich mich gar nicht im Telephonbuch habe eintragen lassen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Luz B. am 21.05.2012 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz so einfach ist es nicht

    Es ist für einen einfachen CallCenter Mitarbeiter nicht ohne weiteres möglich, eine Datenbank mit tausenden Daten zu entwenden, er kann diese zwar einzeln abfragen, hat jedoch keine direkte Möglichkeit automatisiert die Kundendatenbank zu entwenden. Entweder hat ein Agent selektiv Datensätze weitergeleitet oder diese Person ist im IT-Bereich angesiedelt, da gibt es andere Möglichkeiten..

  • David am 21.05.2012 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kundendaten

    Da gibt es sicher noch mehr Mitarbeiter die solche dinge drehen. Wie sicher sind die Call Center die im Ausland betrieben werden? Viele Firmen haben Zugriff auf Kundendaten.

  • Helfer am 21.05.2012 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerecht, aber...

    Wär es jemand aus der Chefetage, gäbe es wahrscheinlich noch ne halbe Mille als Entschädigung oben drauf...

    • Rolf Zellweger am 21.05.2012 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      Genau...

      Der Schaden, der von den letzten zwei CTO's bei der Sunrise angerichtet worden ist, kann man nicht beziffern... Aber die werden noch in den Himmel gelobt, wenn sie dann endlich gehen....

    • Willi Tell am 21.05.2012 17:04 Report Diesen Beitrag melden

      Nur 500.--?

      Sie meinen wohl eher eine halbe Million, oder?

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  • Aslan am 21.05.2012 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz? Lachkrampf.

    Finde ich lustig, denn in einem bestimmten mittelgrossen Deutschen Betrügerforum gibt es immer noch ein Angebot, die Handynummer einer Person in der Schweiz zu erfahren, ohne Providereinschränkung.

  • Juan G. am 21.05.2012 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Eintrag im Tel-Buch, trotzdem Werbu

    Ich habe mich schon immer gefragt, wie es sein kann, dass ich Werbeanrufe bekomme obwohl ich mich gar nicht im Telephonbuch habe eintragen lassen...

    • Alain Roth am 21.05.2012 15:30 Report Diesen Beitrag melden

      Es gibt viele Lecks

      Die Datenlecks sind aber oft auch an anderen Orten zu finden, oft ist es Achtlosigkeit. Wer hat nicht schon irgendwo bei einem Gewinnspiel mitgemacht und E-Mail Adresse oder Tel. Nr. angegeben? Oder bei Facebook einer Applikation Zuriff auf die Daten gewährt?

    • Allen Lane am 21.05.2012 15:30 Report Diesen Beitrag melden

      AGB's lesen

      Die Werbeanrufe resultieren nicht aus illegal weiterverkauften Daten. Auch nicht zwingend aus Telefonbucheinträgen. Sollten Sie sich irgendwo registrieren, sei es für eine Cumuluskarte, ein Zeitschriftenabo, Wettbewerbe, oder was auch immer. können Sie davon ausgehen, dass Sie mit dem akzeptieren der AGB's, einer weitervermarktung der Adressen an Dritte zustimmen.

    • Juan G. am 21.05.2012 15:57 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Sicherheitslecks auf meiner Seite.

      @Alain Roth: Ich bin eigentlich sehr sicherheitsbewusst. Ich nehme eben nie an Gewinnspielen teil. Das Problem mit den Webeanrufen habe ich länger als mein iPhone und auf Facebook habe ich keine, aber auch GAR keine persönlichen Daten ausser dem Geburtsdatum gespeichert. Ich denke, der Fehler liegt nicht bei mir, sondern daran, dass solche Daten schon seit Jahren missbräuchlich verwendet werden! Sei es von den Telephongesellschaften selber oder von deren Mitarbeitern.

    • Juan G. am 21.05.2012 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      Trotz Robinson-Liste

      Ach: Abgesehen davon bin ich schon seit Jahren auf der Robinson-Liste. Nüttz aber gar nichts. Diese penetranten Telephonverkäufer lassen sich nicht abhalten.

    • Willi Tell am 21.05.2012 17:08 Report Diesen Beitrag melden

      Telefon-Computer

      Telefon-Computer rufen jeweils einfach jede Nummer eines Rufnummern-Blocks an, die probieren einfach alle Nummern durch. Da hilft auch kein Robinson-Eintrag oder eine Geheimnummer. Lediglich mit einer intelligenten Telefon-Anlage kann man dem Einhalt gebieten, so z.B. mit der kostengünstigen FritzBox.

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