Swissness-Gesetz

12. Februar 2020 12:10; Akt: 12.02.2020 13:53 Print

Schweizer Fahne auf On-Schuh – Otto's droht Ärger

von F. Pöschl - Die On-Schuhe beim Discounter Otto's sind günstig, entsprechen aber nicht dem Swissness-Gesetz. Jetzt ermitteln die Behörden wegen eines Schweizer Kreuzes.

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An der Seite der parallel importierten On-Schuhe bei Otto's Seite prangt ein kleines Schweizerkreuz. (Bild: Otto's) Laut Swissness-Gesetz dürfen hierzulande aber nur Produkte mit Schweizerkreuz verkauft werden, wenn mindestens 60 Prozent der Produktionskosten in der Schweiz anfallen. On produziert die Schuhe bekanntlich in Vietnam. (Bild: Otto's) Bei Verstoss gegen das Markenschutzgesetz drohen gewerbsmässigen Tätern Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Haft. (Bild: Otto's) Das Eidgenössische Institut für geistiges Eigentum (IGE) leitete nun die nötigen Schritte ein. (Bild: Otto's) Otto's bezieht die On-Schuhe offenbar aus dem Ausland im Parallelimport und kann sie so deutlich günstiger als die Konkurrenz anbieten. Die Schuhe auf der Schweizer Website von On haben kein Schweizer Kreuz an der Seite. (Bild: On) Um die Zürcher Sportschuh-Firma On ist nicht erst seit dem Einstieg von Tennisstar Roger Federer im vergangenen Herbst als Investor ein riesiger Hype entstanden. (Bild: On) Der Parallelimport markengeschützter Güter ist in der Schweiz grundsätzlich erlaubt. Weko-Direktor Patrik Ducrey sagt zu 20 Minuten: «Händler und Kunden müssen die freie Wahl haben.» Otto's ist nicht das erste Mal in den Schlagzeilen wegen Parallelimporten. Vor vier Jahren zog Otto's den Ärger von Mammut auf sich: Mammut wollte seine Produkte nur an autorisierte Fachhändler verkaufen. Otto's-CEO Mark Ineichen sagte damals zum Streit mit Mammut: «Gegen was und wen will Mammut denn klagen?»

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Am Dienstag berichtete 20 Minuten über günstige On-Schuhe im Onlineshop von Otto's. Kurz darauf sahen Kunden die Meldung, dass bei ausverkauften Wunschgrössen am Folgetag Nachschub erhältlich sei. Doch mit den parallel importierten Schuhen gibt es einen Haken.

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An der Seite der On-Schuhe, die Otto's offensichtlich aus dem Ausland bezieht, prangt eine kleine Schweizer Flagge. Der hiesige Verkauf von Produkten mit Schweizer Kreuz oder Ähnlichem ist aber laut Swissness-Gesetz nicht erlaubt, wenn weniger als 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen. Der Zürcher Hersteller On lässt die Schuhe bekanntlich in Vietnam produzieren.

Bis zu fünf Jahre Haft

Damit macht sich Otto's möglicherweise gegen das Markenschutzgesetz strafbar. Gewerbsmässigen Tätern drohen Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Haft. Das Eidgenössische Institut für geistiges Eigentum (IGE) ist bereits mit Otto’s in Kontakt, wie David Stärkle vom IGE-Rechtsdienst zu 20 Minuten sagt. Ein allfälliger Rechtsstreit könnte aber Jahre dauern, vermutet ein Gewerbepolizist am Telefon.

Nach dem Bericht von 20 Minuten hat Otto's reagiert. Der Discounter will Ärger mit den Behörden vermeiden und räumt Fehler ein. Otto's habe die Ware teilweise mit und teilweise ohne Fähnchen angeliefert bekommen, deshalb habe das Unternehmen das Problem zunächst nicht bemerkt.

Otto's-Sprecherin Angela Schnyder schreibt: «Die betroffenen Schuhe werden im Lager und in den Filialen aussortiert und das darauf angebrachte Schweizerkreuz unkenntlich gemacht.» Anschliessend sollen die Schuhe «absolut unversehrt» wieder in den Verkauf gelangen. Hersteller On will sich zum Fall gegenüber 20 Minuten nicht äussern.

Prominente Investoren und Fans

Tennis-Star Roger Federer investierte im vergangenen Herbst einen «substanziellen Betrag» in die Zürcher Sportschuh-Firma. Auch der bekannte Milliardär Jorge Paulo Lehmann soll laut der «Bilanz» bei On investiert haben.

Getragen werden die Schuhe auch von Hollywood-Stars wie Dwayne Johnson, Emma Stone, John Malkovich und Jake Gyllenhaal sowie Regisseur Wim Wenders. Auch Skifahrerin Wendy Holdener oder Tennis-Crack Venus Williams wurden schon in Sneakers von On gesichtet.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eduard Röösli am 12.02.2020 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die gewohnte Freund-Eidgenössische -Abzocke

    Warum soll ein Vietnamesisches Produkt in der Schweiz mehr kosten? Nur weil Roger Federer die Hände drin hat? Nur Neider oder schlecht verhandelnde Detaillisten meckern hier. Wenn die Schweiz wegen jedem kleinen Kreuzchen auf rotem Feld gerichtlich vorgehen würde, dann hätte die Bundesanwaltschaft endlich und Abendfüllend etwas handfestes zu tun. Ob dabei ein erfolgreicher Ausgang erzielt würde, wer weis.

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  • Philipp74 am 12.02.2020 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Sapperlot!

    doch kein Schweizer Schuh. Wer hätte das gedacht!

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  • Rumpelstilzchen am 12.02.2020 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Sauer

    Lustig. aber im Ausland darf mit dem Kreuz gemacht werden was man will oder was?? Und vor allem was soll da nicht rechtens sein....in der EU wird es ja auch so verkauft oder nicht?! Für was haben wir also den ganzen Bilateralen Müll?

Die neusten Leser-Kommentare

  • alice am 14.02.2020 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Turnschuhe

    war gestern im OTTO schrecklich man kommt mit Rolattor kaum oder gar nicht an die Gestelle ranSchuhe probieren unmöglich nein nichts für mich mit oder ohne Schweizerkreuz

  • O. B. am 13.02.2020 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte was?

    Das hat nichts mit den bilateralen Verträgen zu tun. Dass in der Schweiz auf einem Produkt nur ein Schweizerkreuz sein darf wenn es auch hier produziert wurde, ist auf unserem Mist gewachsen...

  • Urs von Rotz am 13.02.2020 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Allels nur Schwachsinn!

    Ich finde, im Zuge von dem Ausverkauf der Heimat Schweiz, wo bald alle Firmen in ausländischer Hände sind, kommt so ein schweizer Fähnchen auch nicht mehr darauf an, was hat das noch für einen Wert?

  • E.H. am 13.02.2020 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Weltbewegendes Problem!

    Hier handeln unsere tüchtigen Beamten. Das ist wirklich ein weltbewegendes Problem. Bis 5 Jahre Haft!!!! Müssen sich jetzt dann noch Bundesrat und Parlament damit beschäftigen? Dafür geschieht im Fall "Crypto" gar nichts! Das lässt man ruhig im Sand verlaufen!

  • popi am 13.02.2020 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    60% !

    So viel der Wertschöpfung muss in dem Land geschehen, das als Herstellerland deklariert wird. Das sehe ich hier erfüllt. Herstellkosten: Schweizerfahne auf Schuh = 2 Franken, Schuh 1 Franken. Alles legal. Zumal eine Schweizerfahne nicht ausschliesslich das Herstelland deklariert. Es müsste dann schon "Made in " dort stehen...