«Fleissiges Bumserlein»

18. August 2018 18:09; Akt: 18.08.2018 18:09 Print

Otto's verkauft vulgäre Hoodies und Shirts

Die Modemarke Naketano provoziert mit derben Produktenamen. Jetzt tauchen die Kleider im Sortiment des Schweizer Discounters Otto's auf.

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Die einen finden sie vulgär, andere nehmen sie mit Humor: Die Produktnamen der Kleider der deutschen Modemarke Naketano. So heisst ein beiger Damen-Sweater etwa «I Will Fuck Your Brain III», das gestreifte Pendant trägt den Namen «Fleissiges Bumserlein».

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Die provokanten Bezeichnungen stehen zwar nicht als grosse Aufschrift auf den Hoodies und Shirts der Marke. Sie sind nur auf dem Etikett oder bei der Produktbezeichnung im Online-Shop sichtbar – oder seit kurzem im Katalog des Schweizer Detailhändlers Otto's.

«Versehentlich reingesteckt»

Das ist vielen 20-Minuten-Lesern aufgefallen. Sie haben zahlreiche Fotos des Otto's-Katalogs eingeschickt (siehe Bildstrecke), auf denen die umstrittenen Kleider beworben werden. Auch ein Inserat der Outdoor-Kette Sherpa, eines Tochterunternehmens von Otto's, ist dabei. Die Werbung ist für den Damen-Fleecepullover «Versehentlich reingesteckt». Die Leserin, die das Inserat entdeckt hat, schreibt verärgert: «Wer kommt auf so versaute Namen?»

20 Minuten hat bei Ott0's nachgehakt. Eine Sprecherin räumt ein: «Wir haben vereinzelt negative Feedbacks erhalten.» Sie weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Naketano-Artikel «sehr gut verkauft» worden seien.

«Wir wollten niemanden verärgern»

Der Detailhändler Otto's, der früher unter dem Namen Otto's Warenposten auftrat und einst als Otto's Schadenposten gegründet worden war, ist vor allem für seine Aktionen bekannt. Beliebt ist das Handelsunternehmen besonders bei der preissensiblen Zielgruppe. Mit dem Verkauf von Naketano-Kleidern wolle man nun die jüngere und modebewusstere Kundschaft ansprechen, erklärt die Sprecherin.

Bei der Marke Naketano handle es sich um einen Streetwear-Brand, der dafür bekannt sei, mit provokanten Artikelbezeichnungen zu werben. Dies werde von den Naketano-Käufern auch so akzeptiert. «Aber unsere treue Stammkundschaft wollten wir damit keinesfalls verärgern.» Bei Naketano selbst versteht man die Produktnamen als «Ausdruck der künstlerischen Freiheit». Das liess das sonst verschwiegene Unternehmen jeweils auf Medienanfragen ausrichten.

Marke vor dem Aus

Die deutsche Modemarke wird es aller Vorraussicht nach nicht mehr lange geben. «Wir haben fertig», steht auf der Website des Unternehmens – und daneben ein Countdown, der die Zeit abzählt, wie lange Naketano noch bestehen wird. Ende Jahr soll Schluss sein.

Das weiss man auch bei Otto's: «Unseres Wissens stellt die Firma Naketano den Betrieb per Ende Jahr ordentlich ein.» Hat sich der Händler, getreu seiner Geschichte als Schadenposten-Verwerter, darum die Kleider von Naketano zum Verscherbeln geschnappt? «Wir verkaufen aktuelle Waren sowie Restposten der Marke», lässt Otto's ausrichten.

Auch bei Galaxus erhältlich

Otto's ist nicht der einzige Schweizer Händler, der Naketano-Ware verkauft. Erhältlich sind die Kleider beispielsweise schon seit längerem beim Onlineshop Galaxus. Dort hat man mit den «Glitzermuschi»-Sweatern und der Funktionsjacke «Der Sportive Schwanz» kein Problem. «Wir sind ein junges Unternehmen mit vielen jungen Kunden. Humor gehört zu unserer Firmenkultur», sagte ein Sprecher vergangenes Jahr zu 20 Minuten.

(vb)

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