Ungewollt kinderlos

06. Februar 2020 04:50; Akt: 06.02.2020 09:47 Print

Unfruchtbarkeit lässt sich jetzt versichern

von B. Scherer - Eine Schweizer Versicherung lanciert erstmals eine Zusatzversicherung für Kinderwunsch. Laut Konsumentenschutz weckt das Angebot falsche Hoffnungen.

Christian De Geyter vom Unispital Basel erklärt, warum es eine Zusatzversicherung für den Kinderwunsch braucht. (Video: bsc)
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31 Jahre – so alt sind Schweizerinnen im Durchschnitt bei der Geburt ihres ersten Kindes. Doch das Schwangerwerden wird mit zunehmendem Alter nicht einfacher. Klappt das Kinderkriegen auf natürliche Weise nicht, greifen deshalb immer mehr Paare auf die künstliche Befruchtung zurück.

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Die Zusatzversicherung für den Kinderwunsch ...

Bisher mussten diese Behandlungen grösstenteils aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Das hat seinen Preis. Eine künstliche Befruchtung kann schnell 6000 Franken kosten. Jetzt ändert sich das: Die Sanitas hat als erste Versicherung in der Schweiz eine Zusatzversicherung lanciert, die bis zu drei Viertel der Kosten von Kinderwunschbehandlungen abdeckt. Maximal werden 12'000 Franken bezahlt.

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Franziska König, Leiterin der Abteilung Angebotsentwicklung bei der Sanitas, erklärt: «Menschen kriegen heute später Kinder. Doch nicht alle können sich eine künstliche Befruchtung leisten.» Mit der Zusatzversicherung wolle die Sanitas dieser gesellschaftlichen Realität Rechnung tragen. Versichern lassen können sich aber nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren. Dabei gilt die Zusatzversicherung nur bis 44.

Wer von Unfruchtbarkeit weiss, erhält kein Geld

Der Konsumentenschutz steht der neuen Zusatzversicherung kritisch gegenüber: «Das Ganze klingt stark nach der Erschliessung einer neuen Geldquelle», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz. Die Behandlungen werden nach einer zweijährigen Wartefrist nur bezahlt, wenn die Unfruchtbarkeit bei einer versicherten Frau festgestellt wird. «Wer also bereits eine ärztliche Abklärung gemacht hat und weiss, dass eine künstliche Befruchtung nötig ist, erhält gemäss dem Kleingedruckten die versprochenen Leistungen nicht», sagt Stalder.

Auf der Homepage wird die Versicherung zudem mit dem folgenden Satz angepriesen: «Vielleicht wünschen Sie sich schon lange ein Baby, es klappt aber nicht auf natürlichem Weg.» Damit fühlen sich Frauen angesprochen, die bereits wissen, dass sie unfruchtbar sind, erklärt Stalder. Diese würden aber kein Geld für Behandlungen erhalten. «Damit schürt die Versicherung falsche Hoffnungen und Erwartungen.»

Preis steigt alle fünf Jahre

Auch die Prämien sind laut Stalder so gestaltet, dass sie für ganz junge Frauen attraktiv sind, dann aber happig werden. So steigen die Kosten alle fünf Jahre an: Während 18- bis 25-Jährige 14.40 Franken pro Monat zahlen, sind es für 26- bis 30-Jährige 21.90 Franken pro Monat. Wer über 36 Jahre alt ist, zahlt monatlich 76.60 Franken, bei über 40-Jährigen sind 200 Franken für die neue Zusatzversicherung fällig. Diese Preissteigerung hänge mit der zunehmenden Unfruchtbarkeit im Alter zusammen, teilt die Sanitas mit.

Andere Versicherungen könnten bald nachziehen

Bereits haben die ersten Paare die Versicherung abgeschlossen. Die Anzahl liegt laut Sanitas im tiefen zweistelligen Bereich. Allerdings wurde die Zusatzversicherung erst gerade lanciert. Man sei daher überzeugt, dass das Interesse rasch steigen werde.

Das sieht auch Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly so: «Die Nachfrage wird sicherlich steigen. Zudem versichern Schweizer tendenziell alles.» Um attraktiv zu bleiben, müssten Krankenkassen auch vermehrt neue Zusatzversicherungen anbieten. Daher könnten bald andere Krankenkassen nachziehen und Versicherungen rund um Fruchtbarkeitsbehandlungen lancieren, so Schneuwly.

Wer die neue Zusatzversicherung bei der Sanitas abschliesst, erhält einen Ava-Fruchtbarkeitstracker. Wie es zu der Kooperation zwischen dem Start-up und der Versicherung gekommen ist, erklärt Ava-CEO Lea von Bidder im Video:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kinderlos statt hirnlos am 06.02.2020 05:18 Report Diesen Beitrag melden

    Mutter ohne Kinder

    Ähhh toll. Als nächstes gibts das Kind dann noch zum Mieten...oder zum Teilen...wäre doch praktisch so nebenbei zur Kariere, nicht Leute?

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  • Maddin Joop am 06.02.2020 05:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wolte mal ne xBox - bekam sie nicht

    Unsere Ego-Menschen wieder - alles haben wollen und zwar sofort. Hey, es gibt halt mal Sachen die bekommt man nicht. Auch wenn es weh tut. Ist so! Schlimm finde ich, wenn man sich dann in die Hände von Menschenhändlern begibt und meint "man wolle ja nur das Beste..". Soviel zum Thema "Leihmutterschaft oder Embryo-Dealern"

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  • Lea M. am 06.02.2020 05:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke

    Gibts nicht schon zuviel weltweit davon .....?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mami durch Ärzte am 07.02.2020 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Tipp

    Frauen, geht nach Alicante (Spanien), Szeged (Ungarn) oder in die Ukraine. Viel günstiger, Ihr werdet menschlich behandelt und diese Zentren setzen auf Erfolg. Das sind alles traditionell kinderliebende Völker, sie haben Empathie auf Euer Leiden. Ich brauchte Eizellenspende, hat geklappt, mein Sohn ähnelt zum Glück seinem Vater (mein Mann), so fällt es gar nicht auf. Viele deppen, die hier gegen uns wettern, wissen gar nicht, worum es geht.

  • Manuelita am 07.02.2020 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Bin froh, hat es nicht geklappt

    Ich habe 5 IVF durchgemacht. Ca. 7T Fr./mal, nur Behandlungskosten. Longprotokoll (für diejenigen, die wissen, was das heisst). Hinzu kommen die Nebenkosten, wie Stellenreduktion, damit die Chefs die vielen Absenzen nicht merken, dann noch TCM, Vitamine, Yoga - alles-alles habe ich versucht. Irgendwann ging mir das Ersparte aus. Mein Mann wollte mich verlassen. "Dort ist die Türe". Ich war so wütend auf die Welt, v.a. auf das Kind, welches nicht meins werden wollte. Jetzt 50+, bin froh, hat es nicht geklappt. Mann ist doch geblieben, wir erleben einen goldenen Herbst und andere Inhalte.

  • Rolf LEHNER am 06.02.2020 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Bräuchte es dringender!

    Viel besser wäre eine Alimentenschutz-Versicherung bei geplatzten Kondomen oder sonstigen Unfällen.

  • Franziska am 06.02.2020 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Überall rein pfuschen

    Nicht allen ist es gegönnt. Wenn die Natur es so vorsieht ist es so und basta.

    • Bebe am 06.02.2020 20:49 Report Diesen Beitrag melden

      Il dottore

      Für solche Kommentar bräuchte es Menschen wie dich auch nicht...

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  • Sandra am 06.02.2020 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter denken, liebe Krankenkassen

    Wie hoch sind wohl die Kosten all jener, die wegen ungewollter Kinderlosigkeit die nächsten 20-50 Jahre wegen Depression, Sucht, Einsamkeit in Therapie oder auf Entzug sind, die Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigungsmittel bekommen? Vielleicht wären Kinderwunschbehandlungen im allgemeinen Katalog doch günstiger

    • Christa am 06.02.2020 16:44 Report Diesen Beitrag melden

      ganz genau

      und wenn sie als alltägliche Behandlungen angesehen und berechnet würden, dann wären auch vernünftige Preise möglich. Mit 10 000 CHF pro Behandlung nützt man aktuell nur die Verzweiflung der Paare aus. Das ginge problemlos auch für 2000 Franken pro Versuch.

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