1000 Kilo pro Baby

22. Januar 2019 11:34; Akt: 22.01.2019 12:23 Print

Dreckige Windeln können jetzt recycelt werden

Der Pampers-Konzern recycelt neu probeweise Windeln. Auch in der Schweiz ist der gigantische Windelabfall ein ökologisches Problem.

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Kinder verursachen ganz schön viel Abfall. Vor allem solange sie noch Windeln tragen. Nun startet Pampers-Hersteller Procter & Gamble ein Windelrecycling. Angesichts der gigantischen Abfallmengen, die volle Windeln verursachen, ist das ein sinnvoller Schritt. Doch es gibt auch Vorbehalte gegen die Idee, wie Sie im Lauftext unten lesen können.

Aber starten wir mit den harten Zahlen und Fakten:

10 Prozent

des Haushaltkehrichts besteht laut Bundesamt für Umwelt in der Schweiz etwa aus vollen Windeln. Das sind rund 71 Kilogramm pro Person und Jahr, denn jeder der 8,52 Millionen Einwohner der Schweiz verursacht jährlich rund 716 Kilogramm Abfall.

5 Windeln

braucht ein Kleinkind durchschnittlich pro Tag.

5000 Stück

Windeln fallen durchschnittlich an, bis ein Kind allein die Toilette benutzen kann.

1 Tonne

Abfall mit vollen Windeln produziert ein Kleinkind durchschnittlich, bis es trocken ist.

200 Kehrichtsäcke

werden benötigt, um die dreckigen Windeln zu entsorgen. Ein voller 35-Liter-Ghüdersack wiegt rund 5 Kilo. Ist er schwerer, reisst er gemäss «Kassensturz»-Test gern mal.

4 Jahre

benötigt ein Kind durchschnittlich, bis es keine Windeln mehr braucht. Das ist aber sehr individuell.

3456 Franken

pro Kind geben Eltern für Wegwerfwindeln laut der Fachstelle Sexuelle Gesundheit Aargau im Durchschnitt aus.

3 Prozent

der Eltern benutzen laut Zero Waste Switzerland Stoffwindeln. Eine Alternative sind kompostierbare Windeln für den Privatkompost.

Aus Windeln werden Schulbänke, Klämmerli, Katzenstreu

Aus gebrauchten Windeln sollen Schulbänke, Wäscheklammern und Katzenstreu entstehen: Das verspricht Pampers-Hersteller Procter & Gamble. Der Konsumgüter-Konzern und Windel-Marktführer hat im norditalienischen Treviso Ende 2018 eine Fabrik eröffnet, in der Windeln und Binden aus Spitälern und Altersheimen recycelt werden. Pro Jahr sollen dort 10'000 Tonnen Windeln verarbeitet werden.

Bisher galt es als zu schwierig, Windeln wiederzuverwerten, da sie aus unterschiedlichen Materialien wie Zellulose, Polymer und Plastik bestehen. Ist das Pilotprojekt erfolgreich, sollen bis 2030 neun weitere Anlagen folgen.

Zellulose, Polymer und Plastik

Roberto Marinucci, Vizechef für Babyprodukte und Nachhaltigkeit bei Procter & Gamble, hat die Vision, dass Eltern Windeln künftig in einer Box deponieren und danach zu einer Sammelstelle bringen können. Viele Familien seien bereit, etwas für die Umwelt zu tun, sagt Marinucci gegenüber der «Süddeutschen Zeitung». Daher fördere man nachhaltigen Konsum.

Kompostieren statt recyceln

In der Schweiz gibt es keine Möglichkeit, Windeln zu recyceln oder in der Grünabfuhr zu kompostieren, obwohl es laut Umweltexperten nötig wäre: «Wegwerfwindeln enthalten Plastik und gefährden so die Umwelt», sagt Umweltaktivistin Gabriele Kull von Stopp Plastic Pollution Schweiz.

Kull sieht die Zukunft der Windel nicht in Recyclinganlagen: «Fabriken brauchen Energie und Wasser und für die Produktion von Recyclingprodukten wird oft Frischplastik verwendet. Windelproduzenten sollten sich auf kompostierbare Windeln spezialisieren, das ist ressourcenschonender, als Fabriken zu betreiben.»

Wenig Alternativen

Viele Alternativen zu Wegwerfwindeln gibt es nicht. Rund drei Prozent der Eltern in der Schweiz benutzen laut Zero Waste Switzerland Stoffwindeln. Kompostierbare Windeln sind eine weitere Option. Diese dürfen jedoch nicht der Grünabfuhr mitgegeben werden, sondern müssen privat kompostiert werden.

Vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) heisst es zur Windel-Reycling-Fabrik: «Das Bafu ist gegenüber einer Windelsammlung eher skeptisch eingestellt, da sich verschiedene hygienische, gesundheits- und krankheitsbezogene Fragestellungen stellen.»


(vay)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • roku73 am 22.01.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Stoffwindeln

    Ich wurde in Stoffwindeln "stubenrein" ...

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  • mehrfachvater am 22.01.2019 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum jetzt erst?

    Seit 1999 gibt es im holländischen Arnheim eine Aufbereitungsanlage, die Windeln hygienisch in ihre Bestandteile zerlegt.

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  • Chrisi am 22.01.2019 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder fördern und zutrauen trocken zu werden

    Meine Großmutter geboren 1920 hat meinen Vater geboren 1944 ab Geburt jede Stunde über das Spülbecken gehalten. Meine Grossmutter hatte keine Waschmaschine. Sie erzählte mir, dass das sehr gut geklappt hat. Meine drei Kinder waren mit 2 Jahren und 2 Monaten bzw 4 Monaten Tag und Nacht trocken. Ich hatte meine Augen offen und man sieht dem Kind an wenn es muss. Ansprechen und auf Toilette gehen. Immer positiv. Lustige Unterhosen tragen. Klar, manchmal gibt es auch mehr Wäsche in dieser Zeit. Kind fördern aber nicht überfordern. Zutrauen und ein Spiel mit dem Thema machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • alice am 25.01.2019 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    besser althergebrachtes

    Früher gabs so dünne flies die legte man am Morgen in die Windelhosen dann entsorgte man Sie in der Toilette die Windelhose wurde gewaschen da gabs nicht so viel Abfall habe selber Hunderte genäht für Zewi

  • Sarkas Mus am 25.01.2019 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für die Entscheidungshilfe

    Ok, keine Kinder, also doch lieber einen Hund. Ist viel schneller stubenrein und pflegeleichter

  • Dani am 24.01.2019 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Das gibt es in den usa schon lange mit stoffwindeln, die werden abgeholt und immer frisch angliefert,die leute die die waschen und sortieren sind arme schweine Goggelt mal dirty jobs hat über das ne sendung gemacht

  • smaily am 23.01.2019 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Back To Roots

    das waren noch Zeiten als die Windeln aus Stoff waren!!

  • Freewather am 23.01.2019 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stoff

    Windeln. Ökologisch und hat bisher jeder Überlebt

    • Pippi Langstrumpf am 24.01.2019 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Freewather

      Windeln ökologisch? Diese verbrauchen Strom,Waschpulver.Ja,brauchen nicht entsorgt zu werden

    • Roli am 24.01.2019 15:06 Report Diesen Beitrag melden

      noch ökologischer ist nur windelfrei

      Eine Ladung Windeln in meiner kleinen 300.- Waschmaschine im Badezimmer braucht 40 l Wasser, 0.8 KWh Strom, ein kleiner Schluck biologisches Waschmittel und etwas Essig. Getrocknet wird am Wäscheständer. Die Windeln sind aus alten Bettlaken und Kissenbezügen und werden, wenn die Kleine trocken ist, als Putzlumpen enden. Nur schon die Transporte Produzent - Laden - Verbraucher - Entsorgung wiegt das bei weitem auf. Oder werfen Sie ihre Kleider nach einmal tragen auch weg?

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