Highspeed-Bahn

16. Februar 2011 17:16; Akt: 16.02.2011 23:11 Print

Paris, wir kommen!

von Markus Kick - SBB und TGV sei Dank: Künftig soll die Stadt der Liebe nochmals schneller erreicht werden. Die SBB lassen sich das 100 Millionen Franken kosten.

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SBB und TGV drücken im Zugverkehr zwischen der Schweiz und Paris mächtig auf die Tube. Künftig soll Frankreichs Hauptstadt nicht nur öfters angefahren, sondern nochmals schneller erreicht werden. Dafür investiert die SBB 100 Millionen Franken.

Der Zugtourismus auf kurzen Distanzen boomt. Beispiel Paris: Immer mehr Leute wollen lieber direkt ins Zentrum von Paris fahren, statt mühsam via die Flughäfen zu reisen. Ab Genf machten sich rund 50 Prozent der Personen mit TGV Lyria nach Paris auf. Gesamtschweizerisch ist es jede dritte Person. 2010 betrug das Passagieraufkommen 4 Millionen Personen, davon 2,3 Millionen im internationalen Verkehr an die Seine und zurück. Entsprechend stieg auch der Umsatz der Tochtergesellschaft von SBB und SNCF um 17 Prozent auf rund 340 Millionen Franken

Bahnkunden kommen künftig noch öfter und schneller von Genf und Basel nach Paris. Ab Dezember gibt es täglich 19 Verbindungen zwischen der Schweiz und der französischen Hauptstadt. Die Chefs von SBB und SNCF, Andreas Meyer und Guillaume Pepy unterzeichneten dazu heute einen neuen Kooperationsvertrag mit einer Laufzeit von 12 Jahren. Man wolle den Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen der Schweiz und Paris «gezielt weiterentwickeln».

100 Millionen Franken für raschere Züge

Für die Reisenden aus Genf beträgt die Reisezeit auf der neuen Strecke Haut-Bugey bereits drei Stunden und fünf Minuten. Ab Fahrplanwechsel im Dezember wird auch die Strecke ab Basel auf der neu gebauten Strecke Rhin-Rhône 24 Minuten schneller befahren. Damit reduziert sich die Reisezeit auf drei Stunden und drei Minuten.

Auch Zürich, Bern und Lausanne sollen ab 2012 zwischen 15 und 30 Minuten schnellere Verbindungen erhalten. Mittelfristig planen SBB und SNCF die Reisezeit nach eigenen Angaben unter drei Stunden zu drücken und das TGV-Lyria-Netz auf neue Destinationen auszuweiten.

Ohne schnellere Züge und gratis geht das nicht. TGV Lyria erhält eine eigene TGV-Flotte mit 19 Triebfahrzeugen. Andiesen beteiligt sich die SBB mit rund 100 Millionen Franken. Es handelt sich um den Typ TGV POS, der Spitzengeschwindigkeiten von 320 km/h erreicht.

Bahn und Flug etwa gleich teuer

Mit dem neuen Ausbauschritt wird der bahntechnisch besonders interessante Vier-Stundenradius rund um die Schweiz verbessert. In diesem Perimeter liegen Städte und Zentren wie Paris, Lyon, Mailand, München und Stuttgart. Laut SBB sollen bis 2015 die heutigen Reiseangebote innerhalb dieses Gürtels «massgeblich verbessert werden». Insbesondere sollen auch die Personenpotentiale aus dem weiteren Umkreis von acht Stunden – das umfasst Städte wie Hamburg, Wien, Rom oder Barcelona - besser angebunden werden.

Innerhalb des Vier-Stundenradius bietet die Bahn dem Flugzeug klar die Stirne. Das bestätigt auch Ralf Fioretti, Inhaber und Geschäftsführer des Reisportals citytrip.ch. Obwohl im Flugbusiness die Preise nach unten tendierten, habe etwa Easyjet schon vor einiger Zeit die Flüge zwischen Basel und Paris eingestellt. Und auch auf der für Geschäftsreisende bis anhin vom Flugzeug dominierten Strecke zwischen Paris und London habe sich die Situation grundlegend verändert. «Heute ist der Eurostar klar Transportmittel Nummer eins für Business Travellers», sagt Fioretti.

Auch preislich kann die Bahn auf der Strecke Zürich-Paris gegenüber den in den letzten Jahren immer günstigeren Flugpreisen durchaus mithalten. Eine Stichprobe von 20 Minuten Online zeigt: Die Bahnfahrt ins verlängerte Wochenende vom 15. bis 17. April nach Paris kostet derzeit direkt bei TGV Europe gebucht zu optimalen Tageszeiten 350 Franken. Bei Swiss ist derzeit der zeitlich ähnlich gelagerte Flug für 290 Franken, bei Air France für 340 Franken zu haben.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eduard J. Belser am 17.02.2011 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Masochisten fliegen nach Paris

    Wer sich innerhalb Europas freiwillig dem entwürigen Prozedere auf den Flughafen unterzieht, satt in Würde mit der Bahn direkt ins Zentrum der Zielstadt zu reisen ist selber schuld. Z.B. gerade nach Paris zu fliegen, statt den TGV zu benutzen ist auch eine Form von Masochismus.

  • A. Christen am 18.02.2011 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Staatstempo

    Regierungsrat Mathias Felges wollte vor über 30 Jahren eine sofortige Verbindung von Basel-Paris. Bis heute ist diesbezüglich nichts geschehen.

  • Deril am 17.02.2011 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Buffet und seine Machenschaften

    Der Rückversicherer schüttet für das Jahr 2010 fast dreimal soviel Dividende aus wie im Jahr zuvor. Die Bahn hat ähnliches vor - Buffet will 30 Mia. USD reinstecken und der Luftbranche den Finger zeigen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Townwalker am 19.02.2011 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz und Paris kommenn sich näher

    Züge verbinden Menschen auf ökologische Weise. Für mich ist dies eine sinnvolle Investition nicht nur für Schweizer, die nach Paris reisen, sondern auch für die Touristen aus aller Welt, die in Paris landen und meistens für ein paar Tage in die Schweiz fahren möchten. Und die neuen Züge sind sehr willkommen, wenn man sieht, wie heruntergekommen die Fahrzeuge von TGV Lyria aussehen, die zwischen Paris und Bern verkehren. Die Investition ist eine erfreuliche Meldung.

  • Sokrates am 18.02.2011 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    100 Mio am falschen Ort eingesetzt

    Klar, wieder mal dem Ausland dienen mit Invests von 100 Millionen. He und was ist mit unseren Bahngästen, Pendlern, Touristen im Inland ? Hier ist das Bahnfahren bald eine Zumutung. Verdreckte und veraltete Waggons, stehen müssen von Bern nach Zürich usw. Es wäre wohl gescheiter für Menschen die täglich im Inland die Bahn benutzen das Geld zu investieren !

  • A. Christen am 18.02.2011 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Staatstempo

    Regierungsrat Mathias Felges wollte vor über 30 Jahren eine sofortige Verbindung von Basel-Paris. Bis heute ist diesbezüglich nichts geschehen.

  • Heini Roggenmoser am 17.02.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnisblödsinn?

    Bei über 300 Millionen beförderten Passagieren/anno bei der SBB fragt es sich doch, ob 100 Millionen für 4 Millionen Passagiere eine sinnvolle Investition ist. Vermutlich hätten die 300 Millionen mehr von der Investition, wenn diese in vermehrtes Reinigen der teilweise absurd verdreckten und veralteten Wagen investiert werden würden.

  • Tina am 17.02.2011 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Idee, aber

    Als Parisfan höre ich das natürlich sehr gerne - wenn ich mir allerdings überlege, wie oft ich in den letzten beiden Jahren mit der TGV Verbindung "hängengeblieben" bin und wie wenig flexibel das Buchungssystem ist, frage ich mich, ob, trotz Ausbau, die zusätzliche Kapazität, der zusätzliche Betrieb funktionieren kann.