Zürich Hauptbahnhof

09. September 2018 18:15; Akt: 09.09.2018 19:01 Print

Pendler ärgern sich über Scientology-Plakat

Am Zürcher Hauptbahnhof ist derzeit eine Werbung für Scientology zu sehen. Pendler fragen sich, ob das vertretbar ist.

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«Neugierig?», steht in grossen Buchstaben auf dem violetten Plakat in einer Unterführung am Hauptbahnhof Zürich. Damit wirbt die umstrittene Kirche Scientology neue Mitglieder an. Angegeben wird die Website der Organisation sowie ein QR-Code für einen App-Download. Darunter die Aufforderung: «Besuchen Sie uns.»

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Soll man in der Öffentlichkeit religiöse Werbung machen dürfen?

20-Minuten-Leserin P.L.* ist das Plakat Anfang Woche aufgefallen. Sie pendelt täglich zum Arbeiten nach Zürich – und ärgert sich: «Gehört Werbung für eine Sekte wirklich in den öffentlichen Raum?»

«Meinungsäusserungsfreiheit nicht beschneiden»

Der Zürcher Hauptbahnhof – und damit die Plakatstellen vor Ort – gehören der SBB. Bewirtschaftet werden die Werbeflächen vom Aussenwerbeunternehmen APG SGA.

Auf Anfrage von 20 Minuten schreibt die SBB, dass die Bahnhöfe seit einem Bundesgerichtsurteil im Jahr 2012 als öffentlicher Raum gelten. «Die SBB darf ihre Bahnhöfe in diesem Zusammenhang nicht anders behandeln als Kommunen ihre öffentlichen Räume», erklärt SBB-Sprecher Reto Schärli.

Somit sei die SBB «klar nicht befugt», die in der Bundesverfassung verankerte Meinungsäusserungsfreiheit zu beschneiden. Man könne nur da einschreiten, wo die öffentliche Ordnung gefährdet werde oder Sitte und Anstand verletzt würden.

«Religion ist nicht unser Zuständigkeitsgebiet»

Bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission heisst es, dass religiöse Werbung nicht ins Zuständigkeitsgebiet der Kommission falle. «Wir dürfen nur kommerzielle Kommunikation beurteilen», erklärt Sprecher Thomas Meier. Er räumt aber ein: «Wenn eine religöse oder eine andere nicht kommerzielle Organisation allerdings mit ihrer Werbung etwas verkaufen will, fällt das auch in unseren Kompetenzbereich.»

Die Lauterkeitskommission kann aber nur dann tätig werden, wenn aktiv eine Beschwerde an sie herangetragen wird. Dann müsse geprüft werden, ob eine Werbung gegen die Regeln der Lauterkeit verstosse, so Meier.

Plakat auch in Basel

Im Zusammenhang mit Scientology hat die Lauterkeitskommission kürzlich eine Sanktion ausgesprochen. Es ging um zwei unadres­sierte Werbeflyer, die Scientology trotz eines «Keine Werbung»-Klebers in einen Briefkasten in Basel geworfen hatte. Die Sanktion bestand darin, dass der Fall auf der Website der Lauterkeitskommission mit voller Namensnennung von Scientology publik gemacht wurde.

Ebenfalls in Basel hat kürzlich eine Scientology-Werbung für Unmut gesorgt. Sie war prominent auf dem grossen Bildschirm am Bahnhof Basel SBB zu sehen. «Ich war zutiefst schockiert, weil ich dies an einem so öffentlichen Platz nicht erwartete», sagte eine Pendlerin im Juli dem inzwischen eingestellten Online-Portal barfi.ch.

*Name der Redaktion bekannt

(vb)

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Religionslehrer am 09.09.2018 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Finger weg vor Scientology

    Scientology ist eine gefährliche Sekte. Mitglieder bekommen eine Gehirnwäsche. Sie sind vor allem auf Mitglieder aus, die viel Geld haben. Es gibt nur einen Rat. Finger weg. Ich verstehe nicht, dass diese Gruppierung Werbung machen darf.

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  • Jaga am 09.09.2018 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht gar nicht!

    Wäre das noch eine Religion. Das ist aber eine Sekte!!!!

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  • gb am 09.09.2018 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sekte

    Endlich als Sekte deklarieren und fertig. Das ist Ausnutzung höchsten Grades.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kutuzov am 10.09.2018 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ja gut...

    Wenn die Kirchen ihre Herrgotts-Plakate aufhängen können, wieso denn nicht auch Scientology. Soll doch jeder selbst entscheiden, wem er seine Seele bzw. Geldbeutel öffnet. Jeder halbwegs vernünftige Mensch wird schon wissen, dass Scientology nur Geldmache ist.

  • wurks am 10.09.2018 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Katholischer "Unti"

    Ich bin ganz bestimmt kein Fan der Scientology. Aber bei diesem Plakat kann man wegschauen. Wir katholischen Kinder mussten in den unsäglichen "Unti", den katholischen Religionsunterricht. Nach der Schule eine Stunde warten und nachher noch eine Stunde lang Geschichten vom lieben Gott anhören. Und das war nicht freiwillig. Das gab Telefonate mit meinen Eltern, als ich den Unti mehrmals schwänzte. Hausaufgaben mussten trotzdem erledigt werden, nach dem 2 Stunden verspäteten Feierabend. Erst viel später erfuhr ich den Sinn des "Unti's". Der soll die Kinder früh an die Landeskirche binden.

  • Teutates am 10.09.2018 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Na wenn Gott es zulässt,

    was soll da noch sagen ?

  • Mardith am 10.09.2018 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Kommentar

    Scientology ist eine andere Religionen. Ich denke das ist eine Religion du verlierst viel Geld. Wenn man da gehen kann deine Gedanken verdreht. Ich habe jemand da gekannt. Er hat 20,000 Franken Schulden gehabt weil Er viel Geld in Scientology gegeben hat. Ich kenne Scientology nicht sehr gut und ich will auch nicht schlecht sagen über Scientology weil ich will in meinem Leben kein Karma. Ich weiss nur Scientology hat auch mit Geld zu tun. Und was Scientology bringt im Leben weiss ich nicht. Viele sagen Scientology ist eine Sekte.

  • ich ego am 10.09.2018 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    einfach weiterer werbungs-mist

    was regt ihr euch so auf? an anderem werbungs-mist stören sich anscheinend auch nur wenige, obwohl es eine (nicht religiöse) glaubensfrage ist, ob ich beispielsweise sp oder fdp oder sonst etwas wähle. gleiches recht für alle!