Investiere.ch

14. Februar 2011 17:14; Akt: 14.02.2011 18:13 Print

Per Mausklick in Jungunternehmen investieren

von Gérard Moinat - Nach einem Jahr im Geschäft zieht der Gründer der Investitionsplattform Investiere.ch eine positive Bilanz. Exklusiv für 20 Minuten Online gibt er Einblick in sein Projekt.

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Steffen Wagner, Gründer des Portals, ist ein Mann mit Visionen. Eine davon ist, den Schweizern den Mut zu geben, ihr Geld nicht nur in stinknormale Obligationen und Aktien zu investieren. Er will sie dazu bringen, ihre Mittel auch aufstrebenden Jungunternehmern anzuvertrauen.

Sein Antrieb ist ein Missstand in der Schweizer Finanzierungswelt, der sich Equity-Gap nennt. Hinter diesem Begriff stecken zahlreiche Start-up-Unternehmen, die mangels Sicherheiten keine Geldgeber finden. Viele Jungunternehmer kommen mit ihren Firmen deshalb oft nicht über die Einstiegsschwelle hinaus und scheitern trotz guter Ideen oder Produkte.

Um diese Hürden aus dem Weg zu räumen, haben Wagner und seine zwei Partner vor einem Jahr das Portal Investiere.ch ins Leben gerufen. Die Seite soll Jungunternehmer und Kapitalgeber digital zusammenführen.

Investieren ab 6000 Franken

Das Einzigartige an Wagners Projekt: Die Seite ist eine Plattform, die einerseits die Möglichkeiten der Social Media zur Investorensuche nutzt und andererseits auch Privatanlegern die Beteiligung an Start-ups ermöglicht.

Gemäss der Swiss Private Equity & Corporate Finance Association (Seca) investierten Privatpersonen in der Schweiz 550 Millionen in Private Equity. Davon entfielen rund 50 Millionen auf vermögende Privatpersonen. Den Rest machen vor allem Private-Equity-Fondsanleger aus, bei denen Investoren in der Regel erst ab sechstelligen Beträgen einsteigen können. Bei Investiere.ch hingegen sind sie bereits ab 6000 Franken mit von der Partie.

So weit so gut. Was aber kann Social Media zu Investitionsprojekten beitragen? Laut Wagner ergänzen sich die beiden Teile ideal. Denn bei jedem privaten Investitionsprozess gebe es eine technische Komponente; also die Abwicklung einer Investition mit all ihren Finessen. Daneben zählt aber auch die menschliche Komponente. Neben dem Geschäftssinn ist auch das Bauchgefühl der Investoren für ein risikoreiches Investment in eine Jungfirma besonders wichtig.

Hoher Ressourcenaufwand zur Investorensuche

«Damit sich Investor und Unternehmen erfolgreich finden und die Investition zustandekommt, sind beide Komponenten unerlässlich», so Wagner. Nur allzu oft komme es vor, dass Start-ups unverhältnismässig hohe Ressourcen aufwenden; nur um auf Investoren zu treffen, die nicht wirklich auf sie passen. Anhand der Möglichkeiten, die sich heute mit Social Media bieten, sei es möglich, die zwei Faktoren optimal unter einen Hut zu bringen und Anleger und Jungunternehmer zusammenzuführen.

So präsentieren sich auf Wagners Website Unternehmen aus diversen Branchen, die mithilfe des Internets nach Kapital suchen. Dazu gehören etwa Businesspläne mit Video oder ein Bulletin, in dem Jungunternehmer ständig über Neuheiten ihres Projekts informieren sowie öffentlichen Foren, auf denen ein reger Austausch zu allen Aspekten der präsentierten Geschäftsmodelle stattfindet.

Bereits 500 registrierte Privatinvestoren

Die Investoren auf der anderen Seite lassen sich gemäss Wagner grob in zwei Gruppen einteilen. Die sogenannten Business Angels sind vermögende Privatpersonen, die beim Geldanlegen in Jungunternehmen eine gewisse Erfahrung haben.

Andererseits mischen Personen mit, die sich zwar im klassischen Investieren auskennen, aber 5 Prozent ihrer Anlagen in ein Projekt investieren wollen, das ihnen nah ist. Wagner erklärt: «Diese Leute wollen selbst mitfiebern und ein Unternehmen aktiv begleiten.»

Von den inzwischen 500 registrierten Personen haben bisher mehr als 20 Investoren über Investiere.ch Start-ups finanziert. Seit dem Start am 5. Februar 2010 kann das Team deshalb bereits etwa 500 000 Franken an über ihre Seite getätigten Investitionen vorweisen. Weitere 500 000 Franken seien für die laufenden Finanzierungsrunden angekündigt.

Gutes Händchen unerlässlich bei Auswahl

Auch die Erfolgsbilanz bei den abgeschlossenen Projekten lässt sich sehen: Drei Unternehmen half die Seite bereits auf die Beine; ein weiteres steht in zwei Wochen an. Drei weitere Finanzierungen sind derzeit in der Pipeline. Eines darunter ist Investiere.ch selbst, das über die eigene Plattform selbst nach Geldgebern sucht.

Rein aus Mitgefühl bieten Wagner und sein Team diesen Service allerdings nicht an. Sie profitieren, wenn denn der Deal denn auch klappt, von einer Kommission von 5 Prozent des investierten Kapitals plus einem Aktienpaket im gleichen Wert — also von insgesamt 10 Prozent der aufgetriebenen Summe. Für investiere.ch ist es wegen der direkten Beteiligung an den Unternehmen ausserordentlich wichtig, bei der Auswahl ein gutes Händchen zu haben. «Floppt die junge Firma, bedeutet das für uns einen finanziellen wie auch einen potenziellen Image-Schaden», sagt Wagner.

Deshalb müssen seine Leute bei der Auswahl neuer Kandidaten behutsam vorgehen. Zusammen mit Experten prüft das Team die Chancen der jungen Unternehmen und führt eine sorgfältige Prüfung durch. Dabei beurteilen er und seine Leute die Unternehmen unter anderem unter dem Gesichtspunkt der Neuartigkeit und ob das Team das Zeug zum Erfolg hat. Wichtig ist, dass sich das Projekt tatsächlich noch in der Frühphase befindet.

«Bisher konnten alle unterstützen Unternehmen auch finanziert werden, was für uns ein gewisses Qualitätsmerkmal ist.» Dank einem guten Händchen hat sich die Seite am Markt etabliert und Wagner kann nicht ganz ohne Stolz behaupten, dass «Jungunternehmen, die Kapital suchen, nicht mehr an uns vorbei kommen».