Kein Öl mehr

30. Dezember 2011 16:10; Akt: 30.12.2011 19:39 Print

Petroplus stoppt Betrieb auch in der Schweiz

Der finanziell angeschlagene Schweizer Raffineriebetreiber Petroplus fährt den Betrieb seiner Anlagen in Frankreich, Belgien und der Schweiz herunter. Die aufgekommende Hoffnung hat sich offenbar zerschlagen.

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In der Petroplus-Raffinerie im Schweizer Cressier sind laut Unia etwa 260 Personen von den Turbulenzen betroffen. Indirekt hängen nochmals ebenso viele Jobs von der Raffinerie ab. (Bild: Keystone)

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Der ums Überleben kämpfende Raffineriekonzern Petroplus schliesst im Januar drei seiner fünf über Europa verstreuten Raffinerien. Darunter ist auch die Anlage in Cressier NE, wo rund 260 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Auch die Raffinerien im belgischen Antwerpen und im nordfranzösischen Petit-Couronne werden heruntergefahren, wie Petroplus am Freitag mitteilte. Das Unternehmen kann seine Rohöllieferanten nicht bezahlen, nachdem die Banken am Dienstag für die Zahlungen benötigte Kreditlinien gesperrt haben.

Die Produktion könne erst wieder aufgenommen werden, wenn neues Geld zur Verfügung stehe, hiess es im Petroplus-Communiqué weiter. Der hochverschuldete und defizitäre Konzern befindet sich weiterhin in Gesprächen mit den Banken. Unter den 13 Geldgebern von Petroplus sind auch die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

Unia fordert Druck auf Banken

Im Gegensatz zur Raffinerie in Petit-Couronne wird jene in Cressier NE nicht sofort geschlossen. Die Produktion werde nicht vor Mitte Januar heruntergefahren, sagte Volkswirtschaftsdirektor Thierry Grosjean am Abend gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Er sei erleichtert, dass die Massnahme nicht sofort wirksam werde.

«Damit können wir nächste Woche die Diskussion mit verschiedenen Partnern weiterführen», erklärte Grosjean. Die Geschäftsleitung der Raffinerie in Cressier sei bisher sehr offen für Gespräche gewesen. Keine der Parteien sei an einer endgültigen Schliessung des Standorts interessiert, betonte er.

Bereits am Nachmittag hatte Grojean an einer Medienkonferenz erklärt, der Kanton Neuenburg werde sich für die Raffinerie in Cressier und ihre Mitarbeiter einsetzen. Der Standort sei sehr wichtig für den Kanton Neuenburg. Man stehe im Kontakt mit dem Petroplus-Management, so Grosjean.

In den Standort Cressier seien in den vergangenen Jahren wichtige Investitionen unter anderem in den Umweltschutz geflossen. «Obwohl relativ klein, schlägt sich Cressier innerhalb der Petroplus-Gruppe gut», sagte der Politiker. Neben Collombey VS steht in Cressier die einzige Raffinerie der Schweiz.

Unia will mitreden

Nachdem in den vergangenen Tagen französische Gewerkschaften die Regierung in Paris zum Handeln aufgefordert hatte, hat sich auch die Schweizer Arbeitnehmervertreterin Unia wegen Cressier zu Wort gemeldet. Die Gewerkschaft fordert vom Kanton mehr Druck auf die Banken.

In Cressier sind laut Unia neben den 260 Raffinerieangestellten auch die Arbeitsplätze ebensovieler Menschen indirekt von der Produktion abhängig, schreibt die Gewerkschaft. Unia fordert einen runden Tisch zur Diskussion der Probleme.

Aktie erholt sich etwas

Am Freitag legte die Aktie um teilweise über 10 Prozent zu und schloss 6,1 Prozent über Vortagesschlusskurs. Nach Weihnachten hatte die Aktie rund 50 Prozent an Wert verloren, konnte sich im Lauf des Donnerstags aber stabilisieren.

Sollte eine Übereinkunft mit dem Bankenkonsortium nicht bald zustande kommen, muss Petroplus auch den Betrieb der zwei übrigen Anlagen - Coryton in England und Ingolstadt in Deutschland - einstellen. Petroplus schreibt seit 2008 rote Zahlen und steht wegen den dünnen Margen im Raffineriegeschäft in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld.

Am Donnerstag hatten Analysten davon gesprochen, dass eine Insolvenz im Raum stehe, während die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's die Bonität herabstuften und mit dem Prädikat «mit hohen Risiken behaftet» versahen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.A. am 30.12.2011 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Analyst von was?

    Von 12 Analysten verschiedener Banken empfahlen die Aktie im Zeitraum 04.02.2011 - 23.12.2011 zu kaufen oder zu halten. Jetzt geben die Banken diesem Konzern kein Kredit. Kommt mir irgendwie komisch vor.

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  • Worker am 30.12.2011 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so überraschend,

    Kenner der Branche haben P+ keine rosige Zukunft vorhergesagt. Stellensuchenden wurde durch verschiedene Consultanten empfohlen, keinen Job bei P+ anzunehmen. Mit anderen Worten ist die aktuelle Entwicklung nicht neu. Das es jetzt so schnell geht überrascht mich auch, vor allem, dass die Entwicklung zwischen Weihnachten und Neujahr so dramatische Formen annimmt.

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  • Lukas Meili am 30.12.2011 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Was haben die den mit dem ganzem Geld gemacht. Ich meine, die bewegten sich in einem Lukrativen Geschäft. Benzin lässt sich ja immer Verkaufen!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Worker am 30.12.2011 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so überraschend,

    Kenner der Branche haben P+ keine rosige Zukunft vorhergesagt. Stellensuchenden wurde durch verschiedene Consultanten empfohlen, keinen Job bei P+ anzunehmen. Mit anderen Worten ist die aktuelle Entwicklung nicht neu. Das es jetzt so schnell geht überrascht mich auch, vor allem, dass die Entwicklung zwischen Weihnachten und Neujahr so dramatische Formen annimmt.

    • A. Seiler am 31.12.2011 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      So ist es,

      Profitabler Upstream, Kosten intensiver Downstream hieß es immer. Dazu kommt noch Ueberkapazitaeten bei Raffinerieanlagen in Europa. Die Vermutung liegt nahe, dass die grossen Oilgesellschaften (BP, Shell, Exxon, Tamoil usw.) die Gewinner sind - mit P+ verschwindet ein unabhaeniger Raffineriebetreiber, mit dem Wegfall der P+ Anlagen werden die Anlagen der Multis ploetzlich profitabler - Zufaelle gibts.

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  • M.A. am 30.12.2011 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Analyst von was?

    Von 12 Analysten verschiedener Banken empfahlen die Aktie im Zeitraum 04.02.2011 - 23.12.2011 zu kaufen oder zu halten. Jetzt geben die Banken diesem Konzern kein Kredit. Kommt mir irgendwie komisch vor.

    • denker am 30.12.2011 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      unqualifizierte bemerkung

      analysten von banken haben keinen zugang zu informationen, was corporate transaktionen der firmen angeht. das wäre insiderwissen man sollte sich eben etwas mehr über zusammenhänge imformieren bevor kritik geäussert wird

    • nachdenker am 30.12.2011 17:35 Report Diesen Beitrag melden

      Unqualifizierte Bemerkung?!?

      Unqualifizierte Bemerkung?!? Ihre Begründung mag im Grunde korrekt sein, aber Sie kann gleichzeitig nicht ernst gemeint sein...hoffe ich jedenfalls...

    • Claudio Ferrari am 02.01.2012 19:26 Report Diesen Beitrag melden

      Immer die UBS im Hintergrund

      Es ist immer wieder die UBS als federführende Bank wenn ein schweizer Produktionsbetrieb eingegangen wird!! Es gibt leider so viele Beispiele. Bei der UBS haben Analysten Zugang zu Bankinternas. UBS sagt: Kleinkunden kauft diese Aktien, wir drehen dann wenn wir alle Aktien los sind den Geldhahn zu.

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  • Lukas Meili am 30.12.2011 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Was haben die den mit dem ganzem Geld gemacht. Ich meine, die bewegten sich in einem Lukrativen Geschäft. Benzin lässt sich ja immer Verkaufen!!!

    • Werner U. am 30.12.2011 22:34 Report Diesen Beitrag melden

      Unklar

      Ich verstehe das auch nicht - Diesel, Heizöl, Benzin, Kerosin verkaufen sich doch bestens? Und so billig sind die doch auch nicht, als dass eine Raffinerie Konkurs gehen müsste.

    • Roger Schweizer am 31.12.2011 00:48 Report Diesen Beitrag melden

      Das Managment ist schuld

      Denke die haben zu hohe Kosten. Früher verkaufte man Produktionsanlagen, Fabriken und leaste die wieder zurück. Bei den heutigen Zinsen bezahlt man etwa 3 bis 4 Mal mehr, als wenn es eine Hypothek hätte. Das ist die Folge dern Möchte Gern Manager der Neuen Generation.

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  • Marc Brunner am 30.12.2011 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Totalabschreiber 

    Super, nochmals ein paar aktien, die man total abschreiben kann...

    • Martin am 30.12.2011 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      genau

      sofern man welche hat.

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