Integrierte Chips

06. Mai 2019 10:57; Akt: 06.05.2019 10:57 Print

E-Zigaretten werden zur Datenkrake

In den E-Zigaretten von Philip Morris sind Chips integriert. Sie können Daten zu Gerätenutzung, Batterieverbrauch und Anzahl Züge sammeln.

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Das Technologie-Unternehmen Techinsights hat die Iqos A1402 E-Zigarette von PMI auseinandergenommen und einen übermittlungsfähigen Speicherchip entdeckt. Die Art des Chips lässt darauf schliessen, dass die Daten zur Nutzung des Geräts, der Batterieverbrauch und die Anzahl Puffer aufgezeichnet werden könnten. PMI betont, dass die Übermittlung von personenbezogenen Daten freiwillig ist. Nur bei Reparaturen würden anonymisierte Daten ausgewertet. In E-Zigaretten und Dampfern sieht PMI seine Zukunft. Der US-Tabakmulti Philip Morris will in der Schweiz bis Ende 2019 100'000 Raucher dazu bewegen, normale Zigaretten gegen das Tabakdampfsystem Iqos einzutauschen. Dominique Leroux ist CEO von Philip Morris Schweiz und raucht. Seit kurzem Iqos. Er sagt zu 20 Minuten: «Iqos zu nutzen, ist besser als zu rauchen, aber nicht risikofrei.» Das System soll die Gesundheitsrisiken für Raucher verringern, da es Tabak nicht verbrennt, sondern erhitzt. Die Zukunft gehöre nicht den herkömmlichen Zigaretten, sagte Philip-Morris-Schweiz-Chef Dominique Leroux schon im Mai. Stattdessen will das Unternehmen neu auf Werbung für E-Zigaretten oder sein Erhitzersystem Iqos setzen. Die E-Zigarette Juul ist ein Konkurrenzprodukt von Iqos und bei Teenagern in den USA extrem populär – obwohl sie eigentlich gar nicht für diese gedacht ist, sondern erwachsenen Rauchern beim Aufgeben ihres Lasters helfen soll. Eine Studie zeigt, dass die Mehrheit der Jugendlichen, die Juul einmal ausprobiert haben, das Produkt anschliessend weiterhin nutzt, wie die Forscher in «Jama Network Open» berichten. Der Psychologe Thomas Eissenberg, Co-Autor eines Kommentars zur Studie, erklärt, dass die Resultate bedeuten könnten, «dass kapselbasierte E-Zigaretten bei dieser anfälligen Gruppe ein noch grösseres Risiko für eine Nikotinabhängigkeit darstellen als andere Nikotin- oder Tabakprodukte».

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Wer mit dem Handy unterwegs ist, der weiss: Ständig werden Daten übermittelt. Zum eigenen Standort, zum Surf-Verhalten, vielleicht wird sogar die tägliche Anzahl Schritte gezählt. Besitzer der E-Zigarette Iqos von Philip Morris International (PMI) dürften damit eher weniger rechnen. Doch auch sie könnten überwacht werden.

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Das hat das kanadische Technologie-Unternehmen Techinsights vor kurzem herausgefunden. Die Firma hat die E-Zigarette Iqos A1402 von PMI auseinandergenommen und einen übermittlungsfähigen Speicherchip entdeckt, wie die «Handelszeitung» schreibt. Die Firma hat im Auftrag der Nachrichtenagetur «Reuters» die Hardware des Produkts seziert, nicht aber die Funktionalität der Software getestet.

Daten werden anonymisiert genutzt

PMI bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass die E-Zigaretten die Häufigkeit der Nutzung, Batterieverbrauch und Anzahl Züge aufzeichnen können. In der Schweiz würden die Daten nur abgerufen, wenn der Konsument das Gerät zur Reparatur bringt oder in der PMI-App explizit Zugriff gewährt hat. Ortungsdaten könne der Chip nicht aufzeichnen oder speichern, betont PMI.

Die Daten würden nicht mit Konsumentendaten verknüpft, heisst es zudem beim Zigaretten-Konzern. Das könne sich aber in Zukunft ändern, räumt PMI ein.

Bereits heute kann per Bluetooth-Verbindung via Google Maps und GPS der Standort übermittelt werden. Zusätzlich sammelt der Konzern Daten durch die Online-Registrierungen der Kunden, die Handy-App und den internen Kundendienst. PMI bietet den Kunden so einiges dafür, dass sie sich beim Tabakmulti registrieren: So erhalten sie einen Rabatt von 40 Prozent beim Kauf einer E-Zigarette inklusive fünf Packungen der Tabak-Sticks namens Heets, die es für die Iqos-Geräte braucht.

Datenschutzwidrig oder nicht?

PMI versichert, sich an Schweizer und EU-Datenschutzbestimmungen zu halten. Die Firma ist jedoch nicht mit dem Eidgenössischen Datenschützer (Edöb) in Kontakt getreten, wie es dort auf Anfrage von 20 Minuten heisst.

«Wir gehen davon aus, dass es sich bei den gesammelten Daten um Gesundheitsdaten handelt. Die sind einem besonderen Schutz unterstellt», sagt Edöb-Sprecher Hugo Wyler. Solange die Daten nicht mit dem Nutzer gekoppelt werden, sei das jedoch nicht datenschutzwidrig.

«Konsumenten sollten freiwillig entscheiden können»

Rechtsanwalt Martin Steiger sagt zu 20 Minuten, dass die Anonymisierung im Zeitalter von Big Data sehr anspruchsvoll sei. Firmen könnten einen Personenbezug etwa über IP-Adressen herstellen, egal ob sich Konsumenten per App registrieren. Solche personenbezogenen Daten dürfen aber nur mit Einwilligung bearbeitet werden. «Konsumenten sollten freiwillig entscheiden können, ob sie die E-Zigaretten mit oder ohne Überwachung nutzen möchten», lautet Steigers Fazit. Er gibt aber zu bedenken: «Bei Nikotinsüchtigen ist diese Freiwilligkeit von Anfang an fraglich.»

Wem bei der Datensammlerei unwohl ist, soll keinesfalls die App installieren, sagt IT-Experte Peter Heinzmann von der Hochschule für Technik Rapperswil. Zudem rät er, die E-Zigarette nur per Netzadapter oder Powerbank zu laden und sie nicht an den PC anzuschliessen. So könne man sicher sein, dass das Gerät nicht doch heimlich Daten via USB übermittelt.

Bald wird es noch weitere übertragungsfähige E-Zigis geben. Laut «Handelszeitung» plant etwa der US-Hersteller Juul ebenfalls, ein solches Produkt auf den Markt zu bringen. Derzeit zeichne aber kein Produkt von Juul Daten auf, sagt ein Sprecher der Firma zu 20 Minuten.

(dv/rkn)

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ishu am 06.05.2019 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Titel

    Nicht E-Zigaretten werden zur Datenkrake sondern Iqos Geräte....

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  • Flokile am 06.05.2019 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    E-Zigaretten

    Eines Tages werden wir noch beim Gang aufs stille Örtchen kontrolliert. Geschlecht, Gewicht, Masse und Konsistenz des "Geschäfts". langsam aber sicher reicht es.

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  • MEWO am 06.05.2019 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mit mir

    Ich hab nach 25 Jahren mit dem rauchen aufgehört. Ist ja wahnsinnig wieviel Geld und Gesundheit ich damit verblöded hab.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D. Enker am 09.05.2019 00:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenfeindliche Haltung

    Totale Überwachung unter egal welchem Vorwand ist eines der Kennzeichen totalitärer Gesinnungen und auch Staaten. Solches dürfen wir uns allein schon der bürgerlichen Freiheiten wegen einfach nicht gefallen lassen.

  • M. Ensch am 09.05.2019 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kontraproduktive Werbung

    Es ist doch etwas Gutes, mit personalisierten Werbeinhalten zugetextet zu werden: mir jedenfalls erleichtert es die Entscheidung, jedes der beworbenen Produkte zu meiden.

  • NeXiZ am 08.05.2019 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann auch gut sein

    Bei einigen Anbietern macht es eigentlich sogar Sinn, Daten sammeln zu lassen. Beispiele sind jetzt Instagram oder Facebook (ja ich weiss, was zum ...?!). Mich persönlich geht Werbung extrem auf die nerven, aber personalisierte Inhalte angezeigt zu erhalten, nervt mich jetzt weniger, da das Interesse für die Inhalte da ist. Vor kurzem wurde ja auch bekannt gegeben, dass Google durch die App "Google Maps" 24 Stunden lang den Standort abfragt. Auch dieses "Feature" hat mir einige Male das Leben sozusagen gerettet, als ich bestimmte Dinge nicht gefunden habe und zurück in die Zeit musste.

  • Echt Jetzt am 07.05.2019 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    10'000 Menschen sterben pro Jahr in der

    Schweiz am Rauchen, und mit E-Zigis werden Kinder und Jugendliche gnadenlos angefixt, was wir alle via Krankenkasse zahlen, aber der Datenschutz ist das Problem?!

    • a.s. am 08.05.2019 08:27 Report Diesen Beitrag melden

      ja, datenschutz ist das Problem...

      Ja datenschutz ist das Problem, dass du dies nicht einsiehst zeigt mir einfach wie naiv du bist. Ein Raucher entscheidet selbst ob er sich diesem Risiko aussetzt oder nicht, ob die Daten gesammelt werden hat keiner der raucher entschieden...

    • Nichtraucher am 08.05.2019 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      und der Passivraucher @ a.s

      hat die gleichen Gesundheitlichen Probleme. Generells rauchverbot in allen Räumen.

    • O.Wotter am 08.05.2019 17:18 Report Diesen Beitrag melden

      Bereits erfüllt

      @N.R.;Generelles Rauchverbot besteht schon in allen Räumen, oder meinten Sie zusätzlich den Weltraum?

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  • Leser am 07.05.2019 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bin enttäuscht von Iqos

    Ich bin je länger je mehr enttäuscht von Iqos. Zuerst die happige Preiserhöhung der Heets Tabacksticks, dann sind die Holder oft kaputtgegangen, und jetzt noch dieser Datenklau. Es reicht langsam!

    • a.s. am 08.05.2019 08:28 Report Diesen Beitrag melden

      siehste...

      ... besser der gute alte glimstengel ;)

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