Saläre von Notenbankchefs

18. Februar 2011 14:44; Akt: 18.02.2011 15:28 Print

Philipp Hildebrand schlägt sie alle

von Gérard Moinat - Ob er seine Arbeit gut macht oder nicht, darüber lässt sich streiten. Klar ist jedenfalls: Mehr als Philipp Hildebrand verdient kein anderer Notenbankchef.

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In seiner neuesten Ausgabe rechnet das Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz» mit dem Schweizer Notenbankchef Philipp Hildebrand ab. Die Anklage lautet auf politischen Aktivismus und Interventionismus, Rekordverlust und Panikmache, «die in der Welt der Zentralbanken einzigartig» sei.

Einzigartig ist sicherlich Hildebrands Entlöhnung: Obwohl er 2010 mit 21 Milliarden Franken Verlust das grösste Minus in der Geschichte der Schweizerischen Nationalbank schrieb, ist er der höchstbezahlte Notenbankchef der westlichen Welt.

Wobei der Fairness halber anzumerken ist, dass die SNB fast die Hälfte des Buchverlusts von 2010 in den ersten Wochen des Jahres 2011 dank des etwas festeren Dollars und Euros wieder wettgemacht hat, wie der «Tages-Anzeiger» ausgerechnet hat.

Mehr als Trichet und Bernanke zusammen

Dennoch: Ein Vergleich des Magazins mit seinen Amtskollegen zeigt: Mit seinem Salär von 860 455 Dollar im Jahr 2010 eilt der 47-Jährige allen anderen davon (siehe Bildstrecke). Dies, obwohl der nationale Anteil der Schweiz an der weltweiten Wirtschaftsleistung mit 0,45 Prozent verschwindend klein ist.

Jean-Claude Trichet, oberster Euro-Schatzmeister, der einen Fünftel der Weltwirtschaft unter seinen Fittichen hat, erhält nur wenig mehr als die Hälfte dessen, was Hildebrand verdient. Auch der Wächter über den Dollar, Ben Bernanke, der ebenfalls mit einem Fünftel der Weltwirtschaftsleistung beeindruckt, schafft es kaum auf einen Viertel des Lohns des Schweizers.

Auch die Schatzmeister der anderen zwei wichtigen Weltwährungen, des Pfunds und des Yens, haben zumindest auf der Lohnabrechnung keine Chance gegen ihn. Grossbritanniens Notenbankchef Mervyn King verdiente im Jahr 2009 «nur» 473 871 Dollar, sein japanischer Amtskollege Masaaki Shirakawa 472 195 Dollar.

Trotz Kritik munter weiter

Hildebrand eckte im vergangenen Jahr in der Schweizer Politik und Finanzwelt immer wieder an. Vor allem weil er darauf drängt, dass die Nationalbank ihre Rolle als Hüterin der Finanzmarktstabilität verstärkt wahrnimmt. Auch will er im Rahmen der «Too-big-to-fail»-Regulierung eine stärkere Kontrolle über den Bankensektor ausüben.

Doch trotz der Kritik an seiner Person macht Hildebrand munter weiter. Erst am Donnerstag mischte er sich via die Wochenzeitung «Die Zeit» erneut in die Politik ein. In einem Interview warnt er davor, die «Too big to fail»-Expertenvorschläge zu verwässern und kritisiert das Investmentbanking. Die Schweiz laufe Gefahr, wie Irland beim erneuten Einbrechen ihrer beiden Grossbanken im Schuldenberg zu ertrinken.

Eine andere berühmt-berüchtigte Aussage Hildebrands ist, dass der Euro «auf einen Wert von vielleicht noch 50 Rappen sinken» könne. Gemäss der «Weltwoche» soll er diese Aussage im vergangenen Dezember vor dem Bundesrat gemacht haben.