«Arschloch-Affäre»

21. April 2013 14:38; Akt: 21.04.2013 14:38 Print

Philipp Müller beschimpfte UBS-Chef Ermotti

FDP-Präsident Philipp Müller soll mit seinem Rundumschlag definitiv UBS-Chef Sergio Ermotti gemeint haben. Muss die FDP nun mit einer Retourkutsche rechnen? Die UBS unterstützt die Partei mit grossen Beträgen.

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Abgekühltes Verhältnis? UBS-Chef Sergio Ermotti und FDP-Präsident Philipp Müller. (Bild: Keystone)

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Die Schweiz rätselt: Welchen Schweizer Top-Manager hat FDP-Präsident Philipp Müller mit seiner «Arschloch bleibt Arschloch»-Tirade beleidigt? Klar ist: Der kolportierte Lindt-&-Sprüngli-Chef Ernst Tanner wars nicht. Im Gespräch mit 20 Minuten sagte der 66-jährige: Der FDP-Chef habe mit seiner Beschimpfung nicht ihn gemeint.

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Nun meldet der «Sonntagsblick», Müller habe mit seinem Rundumschlag definitiv UBS-Chef Sergio Ermotti verunglimpft. Die Zeitung stützt sich dabei auf zwei nicht genannte Quellen. Der Vorfall, den Müller zum Ausraster verleitete, soll sich an einem Treffen zwischen UBS- und FDP-Spitze abgespielt haben. Müller hatte den Top-Manager gefragt, ob er wisse, was er mit seinen Bezügen von 7,2 Millionen Franken beim Volk anrichte. Daraufhin antwortete der CEO: Es seien 8,9 Millionen gewesen.

Die Berichtigung der Lohnsumme hatte Müller zutiefst empört: «Diese Arroganz! Ein Arschloch bleibt ein Arschloch», wetterte der Politiker später öffentlich. Laut Informationen des «Sonntagsblicks» wollte Ermotti lediglich seinen Lohn korrekt angeben. Zudem soll der Top-Manager sogar mit Verständnis auf die Kritik am Millionen-Salär reagiert haben.

«Müller hat nie einen Namen genannt»

Der FDP scheint der Wutausbruch ihres Präsidenten peinlich zu sein. Man mag nicht darüber reden. Auf Anfrage von 20 Minuten hat Müller keine Zeit für eine Erklärung. Er müsse gleich los – an eine Versammlung der Jungfreisinnigen. Mehr Zeit hat hingegen der Generalsekretär: «Philipp Müller hat weder in der Öffentlichkeit noch gegenüber Dritten je einen Namen genannt», sagt Stefan Brupbacher. Weiter könne sich die Partei zum Vorfall nicht äussern.

Müllers angebliche Beleidigung an die Adresse der UBS ist delikat. Die FDP dürfte jährlich einen sechsstelligen Betrag von der Grossbank erhalten. Seit 2012 zahlt die UBS rund eine Million Franken an nationale Parteien. Die Bedingung: Die Parteien müssen sich eindeutig zu Wettbewerb und Marktwirtschaft bekennen. Wird sich die Beziehung zwischen der Grossbank und der Wirtschaftspartei nun abkühlen? «Ein Verhältnis kann sich nicht aufgrund von Gerüchten abkühlen», stellt Brupbacher klar.

Keine Auskunft über Spenden

Ob und wie viel Geld der FDP von der UBS zugeschanzt wird, behält die Parteispitze für sich. Die FDP gebe grundsätzlich keine Auskunft über Spenden, sagt Brupbacher und betont, dass die Partei aus Gründen der Unabhängigkeit maximal 6,6 Prozent des Jahresbudgets von einem Spender entgegen nimmt. Dass bei der FDP Feuer im Dach ist zeigt dies: Nationalrat Ruedi Noser soll seinem Präsidenten die Leviten gelesen haben – und Nationalrätin Christa Markwalder legte Müller laut «Sonntagsblick» nahe, sich beim UBS-Chef zu entschuldigen.

Bei der UBS versucht man den Vorfall, der neben Müller auch Sergio Ermotti in ein nicht allzu gutes Licht rücken könnte, herunterzuspielen. Auf Anfrage von 20 Minuten sagt UBS-Kommunikationschef Stefan Nünlist, man könne die Sache nicht kommentieren. Klar ist: Die arg kritisiert Bank kann in der öffentlichen Meinung nicht auch noch einen arroganten CEO gebrauchen.

Immerhin bestätigt Nünlist, dass man die FDP jährlich mit einem grösseren Betrag unterstützt. Wird dieses Budget nun zusammengestrichen? Davon sei eher nicht auszugehen, so Nünlist. Die Unterstützung der Freisinnigen sei längerfristig ausgerichtet.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alain Gauche am 22.04.2013 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Transparenz

    Da verhält sich ein Politiker mal sehr Transparenz und wird wieder abgekanzelt. Wenn aber gewisse Poliker im Linken-Lager sich negativ äussern und alle fleissigen Bürger zu Kriminellen abstempeln (vgl. JUSO), dann ist alles in bester Ordnung. Komische Gedankenverhalten.

  • Silvan Rasser am 21.04.2013 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat recht

    Wenigstens einer, der, wenn auch unzimperlich, sagt was Sache ist. Die Fdp kriegt dadurch endlich wieder etwas Profil

  • Freddy Meyer am 21.04.2013 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker

    Na toll, Ermotti zeigt Verständnis für die Unruhe im Volk, schöpft sich aber trozdem einen satten Boni aus. Wasser predigen, Wein trinken.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Koller am 22.04.2013 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    "UEBERHEBLICHKEIT"

    Wenn die Auseinandersetzung so stattgefunden hat wie sie kommuniziert wurde, so war die Klassifizierung mit dem grossen "A" genau richtig. Auch wenn man sagen muss dass dies kein Umgang unter gesitteten Leuten sein kann.

  • Chris am 22.04.2013 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Politik

    Typisch Politik... Grosse Fresse und dann nicht den Mumm haben dazu zu stehen und Namen zu nennen. Ob das Parteiabhängig ist lass ich so offen stehen...

  • Alain Gauche am 22.04.2013 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Transparenz

    Da verhält sich ein Politiker mal sehr Transparenz und wird wieder abgekanzelt. Wenn aber gewisse Poliker im Linken-Lager sich negativ äussern und alle fleissigen Bürger zu Kriminellen abstempeln (vgl. JUSO), dann ist alles in bester Ordnung. Komische Gedankenverhalten.

  • Rolf P. am 22.04.2013 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entschuldigen Sie sich Herr Müller

    Egal wen er damit gemeint hat, es ist ein Schlag in das Gesicht aller Mitarbeiter der Firma dieses Chefs. Ein solcher Kommentar hilft niemandem bei der Bewältigung von heutigen "massiven" Problemen die die Firmen haben. Eine solche Aussage ist eines Politikers unwürdig!

  • Jason Wilson am 22.04.2013 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    Volksdemokratie?

    Zitat: "Die FDP dürfte jährlich einen sechsstelligen Betrag von der Grossbank erhalten." In den meisten Demokratien müssen die Parteien offenlegen, welche Beträge sie von welchen Spendern erhalten. Nur in der Schweiz hält man das Volk wohl nicht für reif genug. Soviel zur Volksdemokratie....