Plastikentsorgung

08. Mai 2019 10:27; Akt: 08.05.2019 10:27 Print

Unser Abfall soll nicht länger Asien verschmutzen

von Isabel Strassheim - So weit weg wie möglich verschiffen Industrieländer einen Teil ihres Plastikabfalls. Eine internationale Konferenz will das nun verhindern.

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Plastik aus Europa und den USA landet auf einer Deponie in Mojokerto, Ostjava in Indonesien. Einer Studie von Greenpeace zufolge wird in Länder in Südostasien mehr Plastikabfall exportiert, seit China 2018 die Einfuhr verboten hat. Die Schweiz exportiert Plastikabfall vor allem nach Deutschland. Getrennt gesammelte PET-Flaschen werden im Inland aufbereitet. Etwa von der Poly Recycling AG. Diese Plastikpellets sind das Ergebnis. Anderer Plastikabfall aus Industrieländern landet jedoch in Indonesien, wo er weder recycelt noch ordnungsgemäss verbrannt wird. Von dort gelangt er dann in den Ozean, wo er Fische und andere Meerestiere tötet. Laut den Vereinten Nationen schwimmen rund 100 Millionen Tonnen Kunststoff in den Meeren und Ozeanen. Plastik lässt sich auch vermeiden: In Unverpackt-Läden gibt es Teigwaren und andere Waren lose zum Abfüllen in eigens mitgebrachte Mehrwegbehälter. Die Meere sollen mit Spezialaktionen gereinigt werden: Mit dem Projekt Ocean Cleanup will etwa der 24-jährige Niederländer Boyan Slat innert fünf Jahren den sogenannten Great Pacific Garbage Patch, auch Nordpazifikwirbel genannt, von 40'000 Tonnen Plastikmüll befreien. Der Startschuss für das gigantische Projekt fiel am 8. September 2018 in San Francisco. Hinter den Beteiligten liegen acht Jahre Vorbereitungszeit. (Im Bild: Boyan Slat mit Pressevertretern) Dann soll die erste Ausbaustufe (System 001) der U-förmigen Anlage unter der Golden-Gate-Brücke hindurch knapp 500 Kilometer von der Küste weg aufs offene Meer gezogen werden. Slats Ocean-Cleanup-Projekt ist jedoch nicht das einzige, das die Weltmeere von Müll befreien soll. Noch weit von einer Realisierung entfernt ist das Pacific Garbage Screening (PGS) der deutschen Architektin Marcella Hansch. Die riesige Plattform (400 Meter lang) soll Plastikpartikel ohne für Meerestiere gefährliche Netze aus dem Wasser filtern. Da Plastikteilchen, obwohl sie leichter als Wasser sind, durch die Meeresströmung bis zu 30 Meter in die Tiefe gezogen werden können, soll das PGS die Strömung durch seine Bauform zuerst beruhigen. Im ruhigen Wasser soll das Plastik dann durch seinen eigenen Auftrieb an die Wasseroberfläche steigen. An der Oberfläche angekommen, kann das Plastik auf einfachem Weg gesammelt und abgeschöpft werden – ohne Netze. Eine erste Hürde hat Marcella Hansch für ihr Projekt bereits genommen: Mitte Juli wurde eine Crowdfunding-Runde erfolgreich abgeschlossen. 231'205 Euro kamen zusammen. Ebenfalls auf hoher See Plastik einsammeln möchte der Schweizer Yvan Bourgnon mit seinem Quadrimaran Manta: Mit dessen Hilfe sollen pro Törn jeweils 600 Kubikmeter Plastikmüll aus dem Meer gefischt werden. Verhindern, dass Plastikmüll zu Mikroplastik zerfällt, will auch One Earth – One Ocean (OEOO). Ihr Konzept einer maritimen Müllabfuhr konzentriert sich auf stark verschmutzte Küstenlinien, wie zum Beispiel in Hongkong. Dazu hat OEOO-Gründer Günther Bonin die «Seekuh» entwickelt. Der Katamaran verfügt über eine Netzkonstruktion zwischen seinen Rümpfen. Diese fischt bis in eine Tiefe von vier Metern treibende Kunststoffteile ab. Pro Fahrt könne so zwei Tonnen Müll gesammelt werden. Ist ein Netz voll, wird es verschlossen und mit einer Boje und einem Peilsender versehen, der seine Position an eine Kontrollzentrale überträgt.

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Auf wilden Deponien in Malaysia oder Indonesien finden sich Plastikverpackungen mit deutschen Aufschriften. Der Abfall stammt aus Europa. Verschifft und verscharrt in Asien. Dort verschmutzt er die Länder oder gelangt in die Ozeane. Die internationale Abfallkonferenz, die diese Woche mit fast allen Staaten der Welt in Genf tagt, will das nun ändern.

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Worum geht es?

Auch wenn Plastikflaschen oder anderer Kunststoffabfall getrennt gesammelt wird, lässt er sich nicht immer leicht recyclen. Die Wiederverwertung ist schwierig, wenn der Abfall verdreckt ist – zum Beispiel noch Reste von Medikamenten oder Motoröl in der Plastikflasche sind. Oder wenn der Plastik unsortiert ist, also verschiedene Kunststoffe in einem Container liegen oder es sich um beschichtete Materialien handelt, wie Kurt Röschli vom Verband Swiss Plastics zu 20 Minuten sagt. In solchen Fällen exportieren einige Länder den Plastikabfall.

Was passiert damit?

Jährlich landeten Millionen von Tonnen des Problemplastiks in China. Dort wurde dieser sortiert oder gereinigt und für die Wiederverwendung zu Granulat gemahlen. Seit 2018 ist das auch den Chinesen zu aufwendig und zu teuer, und der Export dorthin ist verboten. Nun endet der Plastik in anderen Ländern Asiens: etwa in Malaysia, Indien oder Indonesien. Dort gibt es für den Exportabfall oft überhaupt keine Möglichkeit zum Recycling oder zum sicheren Verbrennen. Bilder aus Asien zeigen wilde Deponien mitten in der Landschaft. «Die Bilder aus Malaysia dokumentieren jedoch Missstände, die möglicherweise krimininellen Ursprungs sind. Dagegen gilt es vorzugehen», sagt Kurt Röschli von Swiss Plastics.

Was soll sich nun ändern?

Auf der internationalen Abfallkonferenz stimmen knapp 200 Staaten – und damit praktisch alle der Welt – über einen Antrag von Norwegen ab. Dieser sieht vor, dass verunreinigter und unsortierter Plastik nur noch exportiert werden darf, wenn der Empfängerstaat über die Einfuhr informiert wurde und seine Zustimmung gegeben hat. Das ist zwar kein Verbot, aber der Abfallhandel wird damit zur Staatsangelegenheit.

Wie ist die Rolle der Schweiz?

Die Schweiz unterstützt den Vorschlag Norwegens und will die Exporte erschweren. Sie kämpfe auch für eine internationale Partnerschaft gegen die Umweltbelastung durch Kunststoffabfälle, so das Bundesamt für Umwelt. Das heisst, sie will weltweit praktische Lösungen gegen den Abfall unterstützen.

Exportiert auch die Schweiz Plastikabfall?

Rund 60'000 Tonnen oder rund 8 Prozent des getrennt gesammelten Plastikabfalls werden exportiert. Allerdings nicht nach Asien, sondern zum grössten Teil nach Deutschland. Dieser Abfall sei unsortiert und ungereinigt und werde dort fürs Recycling aufbereitet und dann wiederverwertet, sagt Kurt Röschli vom Verband Swiss Plastics. Dass Deutschland aber zu den weltweit grössten Exporteuren von Problemplastik nach Asien zählt, widerspricht dem laut Röschli nicht.

Was passiert mit dem Problemplastik, wenn er nicht mehr frei exportiert werden darf?

Das ist unklar. Ziel der Verschärfung soll es ja sein, Recycling oder eine sachgemässe Beseitigung zu gewährleisten, auch wenn der Abfall exportiert wird. Greenpeace Schweiz fordert, dass die Schweiz und auch andere Länder gar keinen Plastikabfall mehr exportieren: «Wir müssen mit unserem Plastikmüll selbst zurande kommen, da, wo er produziert wird», sagt Yves Zenger, Sprecher von Greenpeace Schweiz. Er will darüber hinaus, dass Wegwerfverpackungen drastisch reduziert und schliesslich komplett durch alternative Mehrweg-Liefersysteme ersetzt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simba74 am 08.05.2019 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in Niederurnen GL

    wird zur Energieerzeugung sogar Lastwagenweise voll Müll aus Italien importiert.

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  • Ch am 08.05.2019 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsches Fernsehen

    Der Bericht kam doch im Deutschen Fernseh, das die ihren Abfall verschiffen

  • Scho wieder am 08.05.2019 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    wieder eine Konferenz in der sich Vertreter aus aller Welt treffen, und endlos palavern. Bitte daran denken Greta reist mit Zug an.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 14.05.2019 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Geld, wessen Werk?

    Es ist 2000 Jahre her da sagte jemand warum willst du Geld verdienen und gehorchst den Königen, die Natur gibt dir alles was du brauchst! So in etwa, ich habe die Bibel nicht gelesen. Wir sehen heute aber was passiert, wenn die ganze Welt dem Geldwahn verfallen ist.

  • Das Wort am 09.05.2019 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plastik ist nicht mein Problem

    Das ist nicht mein Problem. Der Verursacher ist ein Verwaltungsrat der geizig war und Glasflaschen durch Plastik ersetzte. Der Soll das Problem auch lösen. Der Ausweg vom Plastikmüll weg ist aufhören für solche Firmen zu arbeiten wie es die Bibel seit zweitausend Jahren sagt doch niemand daran glaubt.

    • Realist am 14.05.2019 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Ich habe die Bibel nicht gelesen aber genau das tue ich!!

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  • S@m.W am 09.05.2019 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerne

    Der Sünder ist derjenige der begonnen hat Getränke in kunstoffflaschen abzufüllen, und Esswaren in plastik zu verpacken, da hat der Kunde wenig Möglichkeiten etwas anderes zu kaufen als etwas das kein Plastik Müll enthalten ist

    • Realist am 14.05.2019 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      Mal überlegen

      Und die weiteren Sünder sind die welche den Abfall aus den Augen schaffen, damit der Konsument die Mengen nicht sieht und brav weiter konsumiert. Diese Strategie der Verdrängung lässt sich in allen Lebensbereichen beobachten. Wir sind zu 100 Prozent vom Geldadel und deren Vasallen geleitete Menschen.

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  • urs am 09.05.2019 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimmer

    Das Plastikproblem und dass wir selbst Plastikabfall exportieren ist wesentlich schlimmer und bedenklicher als unser CO2. Wenn schon, müsste dagegen demonstriert werden.

  • Phil Krill am 09.05.2019 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... was bringt?...

    ... und wenn die korrupten Regierungen damit auch Geld verdienen - was bringts? Ein generelles Verbot für internationalen Abfall-Handel wäre das einzig Richtige ...