Trotz Gebühr

11. April 2018 09:32; Akt: 11.04.2018 09:32 Print

Hier müssen Kunden für die Säckli nichts bezahlen

von Dominic Benz - Detailhändler verringern dank 5-Rappen-Gebühr den Säckli-Verschleiss. Kostenfreie Säcke gibts aber immer noch. Warum eigentlich?

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Beim Einkaufen von Lebensmitteln verzichten die Schweizer an der Kasse immer häufiger auf die Raschelsäckli. Der Verbrauch ist 2017 gegenüber dem Vorjahr um 84 Prozent zurückgegangen. Grund ist unter anderem die Gebühr von fünf Rappen pro Säckli. Diese haben etliche Läden eingeführt, um den Verbrauch zu reduzieren.

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Dennoch können Kunden nach wie vor bei Migros, Coop, Aldi Suisse oder Lidl viele Plastiksäckli gratis haben. So kosten etwa die Säckli fürs Gemüse und Obst nichts. Auch beim Take-away-Offenverkauf kriegt man fürs Fertigpoulet oder die Käsewähe ein Säckli ohne Gebühr. Bei den kleineren Läden Migrolino und Coop Pronto sind sie seit Anfang Jahr beziehungsweise Mitte Februar kostenpflichtig, Coop-to-go hat gar keine Säckli.

Säckli als Erstverpackung gratis

Doch warum verlangen die Läden nicht konsequent für alle Säckli eine Gebühr? Laut der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz haben etwa diejenigen für Brot, Früchte und Gemüse eine andere Funktion. «Hier sind die Säckli sogenannte Erstverpackungen und dienen der Hygiene und dem Schutz der Produkte», sagt Sprecher Patrick Marty.

Tatsächlich schreibt das Gesetz in der Hygieneverordnung vor, dass für Kunden beim Offenangebot von Lebensmitteln «geeignete Bedienungswerkzeuge und Verpackungsmaterialien» vorhanden sein müssen. Weder Migros noch Coop wollen daher auf die Säckli für Obst, Gemüse und Brot verzichten und geben sie auch künftig kostenlos ab, wie die Detailhändler auf Anfrage bestätigen. Allerdings bieten beide Supermärkte ökologische Alternativen an, Migros etwa den Veggie Bag im Viererpack für 9.90 Franken oder Coop den Multi-Bag im Triopack für 4.95 Franken.

Beim Poulet ist das Säckli nicht nötig

Weniger nachvollziehbar ist die Gratisabgabe der Säckli beim Take-away. Dort würde gemäss Bundesamt für Lebensmittelsicherheit die spezielle Papierverpackung etwa fürs Poulet oder Schinkengipfeli ausreichen, um den gesetzlichen Vorlagen zu genügen. Doch auch hier wollen sowohl Migros als auch Coop keine Gebühr einführen und die Säckli wegen des Schutzes und der Hygiene dem Kunden kostenlos abgeben.

Bei Migros und Coop gibt es allerdings auch bei der Gratisabgabe von Plastiksäcken Unterschiede, wie ein Test-Kauf von 20 Minuten zeigt: Wer in einem Migros-Supermarkt ein Sandwich und dann noch ein Paar Socken kauft, erhält einen grösseren Plastiksack ohne Aufpreis. Bei Coop ist das nicht der Fall. Laut Migros ist der Plastiksack ein kostenloser Service an den Kunden, der damit seine gekauften Kleider von Tomaten- oder Joghurt-Flecken schützen kann.

30 Unternehmen ziehen mit

Die Bemühungen der Branche, den Säckli-Verbrauch zu reduzieren, umfasst im Wesentlichen den Lebensmittel-Detailhandel. So sind etwa auch im ganzen Warenhaus Manor in Zürich die Säckli kostenfrei erhältlich. Eine Food-Abteilung gibt es dort nicht. Eine Gebühr will man nicht erheben. «Im Non-Food-Bereich sehen wir kostenlose, mehrfach verwendbare Plastiktragetaschen als einen Dienst am Kunden», sagt Manor zu 20 Minuten.

Die Säckli-Gebühr ist ein Resultat der «Branchenvereinbarung zur Verringerung des Verbrauchs von Einweg-Plastiksäcken» der Swiss Retail Federation und der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz. Angeschlossen haben sich rund 30 Lebensmittelhändler wie Migros, Coop, Denner, Lidl oder Aldi Suisse. Die Zielsetzung lautet, den Säckli-Verbrauch bis 2025 um rund 70 bis 80 Prozent zu verringern.

Was die Schweizer zu den Gebühren-Säckli sagen, erfahren Sie im Video unten:


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nick71 am 11.04.2018 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist je schon bezahlt

    Ist eigentlich egal, da diese schon mehrfach im Preis von den Produkten bezahlt sind, und auf die meisten sogar die Marke von Shop drauf steht, also sicher sogar im werbe Budget schon einkalkuliert !! Das grosse Problem kommt nicht bei uns, wo wir Verbrennungsanlage haben, sondern in diese Länder wo die alles einfach draussen schmeissen ohne Rücksicht, aber Hauptsache die können uns wieder irgendwo abzocken...

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  • Marcello am 11.04.2018 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Meiner Meinung nach geht das ganze nicht auf. Warum sollte ich an der Kasse bezahlen, wenn ich es beim Gemüse Gratis bekomme? Und es wird immer wieder Plastikspielzeuge zum sammeln abgegeben. Die Kassensäckli sind ein reines Geschäft, und der Kunde ist es langsam satt immer nur zu bezahlen für etwas was Gratis war

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  • Mani Motz am 11.04.2018 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist jetzt besser?

    und an Schluss liegt Obst und Gemüse unverpackt und ungeschützt auf den sicherlich nicht hygienischen Kassenbändern...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • TimmiT am 12.04.2018 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kompostierbar

    Warum werden keine Kompostierbaren Säcke verkauft? Somit könnte ich diese Säckli grad auch wieder benutzen um in die Grünabfuhr zu geben.

  • L.Mario am 12.04.2018 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Alles im Preis drinnen

    Geht doch den Läden gar nicht um die Umwelt sondern noch mehr abkassieren. Was soll das, ist doch alles im Preis bereits draufgeschlagen. Verlange Gratis Tragtaschen wenn ich eine brauche. Kaufe schliesslich im Laden ein.

  • frauchen am 12.04.2018 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe gestern

    eines gratis bekommen. Habe nicht eingepackte Unterwäsche gekauft.

  • Alan Bonvin am 12.04.2018 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Als Kundendienst

    Finde ich gut. Nicht alle schätzen diese Ökozwängelei. Die Bürgen sind mündig und müssen nicht wie Schafe gelenkt werden.

  • Dano am 12.04.2018 02:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tröpfchen in den Vulkan

    War neulich in Thailand im Urlaub, dort kriegt man im 7/11 (kleine Shops, gibts an jeder Ecke), für Alles einen Plastiksack. Bei schwereren Sachen werden mehrere Tüten übereinander gestülpt. Und wir machen uns hier Sorgen wegen zuviel Plastik. Das ist ein globales Problem, wenn nicht alle mitziehen ist das Ganze für die Katz.

    • blondie am 12.04.2018 07:37 Report Diesen Beitrag melden

      Darum ist

      dort auch das Meer mit Plastik zugemüllt. Aber klug sollen sie sein

    • TimmiT am 12.04.2018 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dano

      Horror in Asien. Für eine Banane gibts noch zwei Säckli um sie zu transportieren. Gut gibt unterdessen z.B TrasHeroThailand damit ein Umdenken statt findet

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