Enter Air

03. Mai 2019 13:40; Akt: 03.05.2019 14:37 Print

Polen beteiligen sich an Germania Flug AG

Eine polnische Chartergesellschaft beteiligt sich mit 49,9 Prozent an der Schweizer Fluggesellschaft. Auf den aktuellen Flugplan hat diese keine Auswirkungen.

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Der noch bestehende Teil ist nun in Schweizer Hand: der Ferienflieger Germania. In der Schweiz war die insolvente deutsche Germania mit ihrer Tochtergesellschaft Germania AG weiterhin aktiv. Germania hatte schon länger in einer Finanznot. Hauptgrund dafür waren steigende Treibstoffpreise, die die kurzfristige Zahlungsfähigkeit beeinträchtigten. Auch rückläufige Ticketkäufe dürften eine Rolle gespielt haben. So meldete der Schweizer Reiseanbieter Hotelplan Mitte Januar, dass Kunden nur noch auf eigenes Risiko Tickets kaufen könnten. Germania agiert in der Schweiz mit der nun eigenständigen Tochterfirma Germania AG. Im Gegensatz zur deutschen Mutterfirma hat die Germania AG ihren Mitarbeitern im Januar die Löhne ausbezahlt, wie Chef Urs A. Pelizzoni in einem Interview mit dem Brachenportal Travelinside sagte. Die Schweizer Germania verfügt aber nur über einen Bruchteil der Germania-Flotte mit 40 Fliegern: Laut der Germania AG sind es drei Flugzeuge, die von Zürich Destinationen wie Palma de Mallorca oder Teneriffa anfliegen. Aviatik-Experte Andreas Wittmer von der Hochschule St. Gallen prophezeit der Germania AG einen steinigen Weg: «Um mit einer so kleinen Flotte auf dem hart umkämpften Flugmarkt zu überleben, braucht eine Airline Partner.» Germania könnte laut Wittmer mit grossen Airlines wie Swiss und Easyjet Kontakt aufnehmen. «Es ist unwahrscheinlich, dass die Germania AG es im Alleingang schafft.» Doch am 3. Mai beteiligte sich nun eine polnische Gesellschaft. Die Schweizer Reiseanbieter Kuoni und TUI Schweiz arbeiten mit der Germania AG zusammen. Von TUI Schweiz hiess es zuvor, man beobachte die Lage laufend. Und: «Germania ist weiterhin ein wichtiger Partner. Der Flugplan wird eingehalten und die Lage ist ruhig.» Bei der Konkurrentin Kuoni klingt es ähnlich: «Unabhängig vom Fall Germania sind wir darauf eingestellt, dass Airlines Insolvenz anmelden können. Als Reiseveranstalter bieten wir unseren Kunden in so einem Fall auch kurzfristige Lösungen an.» Flugpleiten haben für Reiseanbieter hohe Kosten zur Folge. Wie Hotelplan-CEO Thomas Stirnimann im Rahmen eines Gesprächs an einer Tourismus-Messe im Oktober 2018 sagte, sollen die Pleiten von Fluggesellschaften im Jahr 2018 den Konzern rund eine halbe Million Franken gekostet haben.

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Nach der Pleite der Berliner Airline Germania gelangte die Schweizer Tochter Germania Flug AG in die Hände der Schweizer Unternehmerin und Air-Prishtina-Chefin Leyla Ibrahimi-Salahi. Nun trennt diese sich aber bereits wieder von 49,9 Prozent ihrer Anteile an der Fluggesellschaft.

Per 3. Mai 2019 übernimmt die polnische Charterfluggesellschaft Enter Air diese Anteile, wie die Germania Flug am Freitag in einem Communiqué mitteilte. Die restlichen 50,1 Prozent bleiben bei der Schweizer Albex Aviation von Ibrahimi-Salahi. Finanzielle Details wurden keine genannt. Die konkursite Airline Germania aus Deutschland war ursprünglich zu 40 Prozent an der Schweizer Germania Flug AG beteiligt.

Keine Auswirkungen auf Flugplan

Auswirkungen auf den Flugplan des Unternehmens habe der Schritt keine, hiess es weiter. Enter Air verfüge über eine Flotte von 23 Flugzeugen mit, wodurch sich für die Germania Flug AG «unerlässliche Synergieeffekte» erzielen liessen, wurde Germania-Verwaltungsrat Urs Pelizzoni zitiert.

Enter Air wurde im November 2009 gegründet und führte ihren ersten kommerziellen Flug im April 2010 durch. Die am Chopin-Flughafen Warschau beheimatete Airline betreibt eine Flotte von 23 Maschinen sowie ein eigenes Crew-Training Center.

Erst vor kurzem hatte die Germania Flug bekannt gegeben, dass sie mehrere Destinationen aus dem Flugplan streicht. Als Grund hatte sie genannt, dass ihr im Sommer aufgrund des Groundings der «Boeing 737 Max»-Flugzeuge lediglich drei statt wie geplant vier Flugzeuge zur Verfügung stünden.

(20 Minuten/sda)

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