Dumpinglöhne

09. November 2018 21:08; Akt: 09.11.2018 22:47 Print

Post-Tochter lässt für 11.70 Fr schuften

Eine Tochterfirma der Post bezahlt ihren Zeitungsverträgern in der Westschweiz zu tiefe Löhne. Mehrere Mitarbeiter haben sich bei der Unia gemeldet.

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Antonio Londono arbeitet in Genf und im Waadtland als Zeitungsverträger für die Genfer Firma Epsilon. Diese ist eine 100-Prozent-Tochterfirma der Post. Seit 2011 sei sein Stundenlohn nie gestiegen, wie SRF berichtet. Gegenüber «10vor10» sagt Londono: «Mein Septemberlohn war 1977 Franken. Ich weiss nicht, wie ich von diesem Lohn in Genf leben kann.»

Er fährt von Montag bis Samstag ab drei Uhr früh zwei Touren für mindestens 4,5 Stunden. Die Arbeit entspricht einer 60 Prozent-Anstellung und würde auf 100 Prozent gerechnet einen Monatslohn von 3100 Franken ergeben. Das Problem sei jedoch, dass Epsilon weniger Zeit für die Touren berechne als effektiv benötigt würde, so Personalvertreter. Wie Recherchen von SRF weiter zeigen, laufen bereits Untersuchungen gegen die Post-Tochter.

«Sollte es nicht geben»

«Im Kanton Genf untersteht die Firma Epsilon dem gesetzlichen Mindestlohn in dieser Branche von rund 20 Franken. Bezahlt sie diese Löhne nicht, sind Bussen möglich», so Joel Varone, Präsident der paritätischen Arbeitsinspektoren des Kantons Genf. Personalvertreter der Epsilon-Mitarbeitenden hatten die Gewerkschaft Unia über die Umstände informiert. «Die tiefsten Stundenlöhne liegen bei 11.70 Franken laut unseren Schätzungen», sagt Unia-Sekretär Alessandro Pelizzari. Man gehe davon aus, dass rund 100'000 Franken an zu wenig bezahlten Löhnen nachbezahlt werden müssen.

Epsilon wollte sich laut SRF zu den Vorwürfen nicht äussern. Die Post versprach gegenüber «10vor10» Massnahmen zu ergreifen, um die Situation in der Westschweiz zu korrigieren. Post-Sprecher Oliver Flüeler erklärt: «Stundenlöhne von 11.70 Franken sollte es nicht geben.» Zudem strebe man jetzt einen Gesamtarbeitsvertrag an.

(dmo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • payassli am 09.11.2018 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So fies

    Warum gibt es immer noch Menschen, die es verantworten können, solche Sklavenlöhne festzulegen. Sklaven bekamen immerhin Kost und Logie. Schämt Euch! Schämt Euch!

    einklappen einklappen
  • Prolet am 09.11.2018 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo Sinn?

    Umsatz von Acht Milliarden CHF und 420 Millionen CHF Profit im letzten Jahr und die Tochterfirma zahlt Dumpinglöhne um vergleichsweise läppische 100000 CHF zu sparen?

    einklappen einklappen
  • Tereza am 09.11.2018 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterste Schublade

    Auch hier im Kanton ZH gibt es solche Zeitungsvetretungs Firmen die sogar weitaus tiefere Löhne als 11.-/std bezahlen. Das ist kein leeres geschnurr sonder alles belegbar. Schwarz auf weiss...

Die neusten Leser-Kommentare

  • lobbyist ;~) am 11.11.2018 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    interesant

    immer dann....wenn die "grossen glocken" läuten, möchte man massnahmen ergreifen. und ist natürlich ausserordentlich "konsterniert"...dass sowas überhaupt geschehen kann.

  • Unternehmer am 11.11.2018 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betriebslizenz

    Nehmt der Post die Lizenz zum Betrieb eines Unternehmung weg, wenn sie nicht fähig ist die Gesetze einzuhalten. Jeder Privatbetrieb erhält mehr Auflagen!

  • Mark am 11.11.2018 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Calm down..

    Wieder so eine unnötige Diskussion. In spätestens 30 Jahren wird kein Mensch mehr Zeitungen vertragen. Solche minderen Aufgaben, genau wie Bau und Handwerk, Fabrikarbeit und Reinigung werden dann von automitisierten Systemen wie Drohnen Robotern ausgeführt. Also regt euch ab und bildet euch weiter. Sonst habt ihr bald keinen Platz mehr in der Gesellschaft.

  • Niedersachse am 11.11.2018 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuldfrage

    Schuld sind die Mitarbeiter auch selbst, denn sie haben den Arbeitsvertrag zugestimmt.

  • Michu77 am 11.11.2018 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tochtergesellschaft schliessen

    Diese Tochtergesellschaft soll eine horrende Busse bezahlen, danach sollte sie geschlossen werden. Zusätzlich das doppelte Löhne zurück zahlen. Die Verantwortlichen Manager vor Gericht stellen und Ihnen auf Lebzeiten die Zertifikate für Ihre Ausübung ihren Jobs entziehen. Neben all dem 500 gemeinnützige unentgeltliche Arbeiten verrichten lassen.