Kritik von Gewerkschaft

04. November 2019 14:54; Akt: 04.11.2019 16:59 Print

Post verteilt «sexistische Flyer» am Schalter

Die Gewerkschaft Syndicom kritisierte die Post scharf: Sie habe einen sexistischen Flyer verteilt. Die Post hat daraufhin die Verteilaktion gestoppt.

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Mit diesem Flyer hat die Post am Montagmorgen für PostFinance geworben. Nach einer Beschwerde der Gewerkschaft Syndicom stoppte die Post die Verteilung sofort. Immer wieder stossen sich Konsumenten an Werbung. Sie reichen bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission (SKL) Beschwerde etwa wegen Sexismus ein. Folgende Werbungen hat die SKL im ersten Halbjahr beurteilt: : Ex-Bachelorette Adela Smajic geht in Leggings und Sport-BH rücklings in eine Yoga-Pose. In der Stellung verharrend spricht sie in die Kamera und wirbt für eine Politsendung auf Telebasel. Dabei lässt sie tief in ihr freizügiges Décolleté blicken. Die SKL hat eine entsprechende Beschwerde gutgeheissen. Adelas Pose sei «einzig zum Zweck der Aufmerksamkeitssteigerung» eingesetzt worden. Ein sachlicher Zusammenhang zwischen der Werbebotschaft und der Yoga-Pose sei nicht erkennbar. : Eine Staubsauger-Firma warb mit dem Slogan «Ist Ihre Frau staubig? Dann ist es höchste Zeit für einen XY-Staubsauger!». Auch hier gab es eine Beschwerde wegen Sexismus, die die Experten der SKL guthiessen. Der Slogan erwecke den Eindruck, als könnte die Frau nicht selbstständig einen neuen Staubsauger kaufen, weil sie «staubig» (umgangssprachlich für «verärgert») sei, so die Begründung. Abgewiesen wurde hingegen eine Sexismus-Beschwerde wegen der Werbeaussagen «Ich komme immer» und «Ich schaue in jede Ritze» auf einem Servicefahrzeug einer Firma. Die Slogans hätten zunächst einen klaren sachlichen Bezug zu den Dienstleistungen der Firma, so die SKL. Dennoch habe handle es sich dabei «durchaus in einem zweiten Gedankenschritt um Bemerkungen mit sexuellem Bezug». Die doppeldeutige und sehr wohl gewollte Schlüpfrigkeit erfülle aber «den Tatbestand der unangemessenen Sexualität» aber noch nicht. Eine Beschwerde ist wegen der Website Putzfrauen.ch eingegangen: Die Seite erwecke den Eindruck, dass nur Frauen Hausarbeit verrichten sollen. Das ergebe sich schon aus dem Domainnamen. Die SKL wies die Beschwerde ab. Das Publikum erkenne im Begriff «Putzfrau» weder eine Verletzung der Würde noch eine stereotypisierende Herabsetzung des weiblichen Geschlechts, schreiben die Experten in ihrem Entscheid. Vielmehr sei «Putzfrau» im vorliegenden Kontext als im gängigen Sprachgebrauch übliche Berufsbezeichnung zu erkennen. In den letzten Jahren musste die SKL immer wieder Sexismus-Beschwerden prüfen: In diesem Jahr ging bei der Lauterkeitskommission eine Beschwerde wegen Sexismus ein. In einem Radio-Spot eines Dessous-Herstellers hiess es: «Wetsch dass dini Alt dihei mal wieder äs scharfs Häsli wird?» Die Kommission hiess die Beschwerde gut. «Werbung, die ein Geschlecht diskriminiert, indem sie die Würde von Frau oder Mann verletzt, ist unlauter», so die Begründung. Als geschlechter-diskriminierend fand ein Mann eine Werbung der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Die Aussagen wie etwa «Das checkt jede ... sogar min Maa» sei «ein exemplarisches Beispiel für die fortschreitende Herabwürdigung des Mannes». Die Kommission ist aber anderer Meinung. Für den durchschnittlichen Betrachter sei es klar ersichtlich, dass man hier auf ironische und parodistische Art und Weise mit Stereotypen spiele. Das geschehe so überspitzt, dass man das nicht als ernst gemeinte Behauptung verstehen könne. Auch bei älteren Werbungen gab es den Sexismus-Vorwurf. So wie bei der Werbung für ein Bügeleisen. Hier fehle zwischen dem Sujet und der Headline «heisses Gerät» ein natürlicher Zusammenhang, schreibt die Lauterkeitskommission. Zum andern werde der Mann, der mit einer sirupähnlichen Flüssigkeit übergossen werde, als willenloses und manipulierbares Objekt dargestellt. Bei der mit einem Kettenhemd bekleideten Frau handelt es sich laut SKL um einen Grenzfall. Zwar wurde die Beteuerung der Firma für Schutzbekleidung, solche Kettenhemden würden im Sicherheits- und Designbereich gewöhnlich tatsächlich auf nackter Haut getragen, als glaubwürdig erachtet. Der damit gekoppelte Hinweis «attraktive Angebote» wurde dagegen als zumindest zwiespältig beurteilt. Als lauter beurteilt wurde dagegen die Werbung für einen BH, bei der ein Mann das Oberteil trägt. Die Person, die die Beschwerde eingereicht hatte, sah darin eine Verletzung der Würde des männlichen Geschlechts, da das männliche Model in rein dekorativer Funktion als Blickfang dargestellt werde. Die SKL entschied anders: «Da beide Geschlechter inszeniert werden und das männliche Model sogar erst am Ende des Spots in den Mittelpunkt tritt, kann verneint werden, dass der Mann vorwiegend als dekorativer Blickfang dient.» Die Beschwerde zugelassen hatte die SKL im Fall einer Schaufenstergestaltung für Uhren. Das Sujet der mit gespreizten Beinen auf einer Bombe reitenden Frau erlaube einen unverstell­ten Blick auf den Schritt, so die Kommission. Dies diskriminiere das Geschlecht, indem die Würde von Frau oder Mann verletzt werde. Zudem bestehe zwischen der Person und dem beworbenen Produkt kein natürlicher Zusammenhang und sie werde in rein dekorativer Funktion als Blickfang dargestellt. Das Wortspiel «Dur ou mou» ziele klar auf die Biskuits, so die Kommission. Der Mann sei für den Durchschnittskonsumenten nicht stereotyp dargestellt oder zum Sexsymbol reduziert. Es sei für Landwirte nicht unüblich, mit nacktem Oberkörper zu arbeiten. Die Lauterkeitskommission begründet dies mit dem fehlenden Zusammenhang zwischen der eigentlich beworbenen Spielkonsole und dem in der Werbung gezeigten Frauenkörper. Der Frauenkörper werde als reines Objekt der Begierde dargestellt und zum Konsumgut degradiert. Das Décolleté dient ausschliesslich als Blickfang. Zwischen dem gezeigten Ausschnitt und dem beworbenen Fitnesscenter besteht gemäss der Lauterkeitskommission kein natürlicher Zusammenhang Die Frau ist nicht nur vollständig bekleidet, sondern wirkt auch «stark und selbstsicher». Halb liegend, halb sitzend, bilde sie mit dem beworbenen Sofa einen «natürlichen Zusammenhang», befand die Lauterkeitskommission. Die «Verführung» beziehe sich auf den Sonderpreis fürs Produkt. Die Geschichte in dem TV-Spot wird gemäss Lauterkeitskommission erkennbar übertrieben erzählt: Die Frau sei dank des beworbenen Deos stressresistenter als der Mann und schwitze weniger. Das gezeigte Model erwecke nicht den Eindruck, nicht volljährig zu sein. Zudem sei es stehend gezeigt, «ohne direkte Bezugnahme auf den Geschlechtsakt». Unterwerfung vermag die Lauterkeitskommission nicht zu erkennen. Zudem bestehe zwischen der Werbung und der angepriesenen Dienstleistung ein klarer und offensichtlicher Zusammenhang.

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Mit dem Spruch «ein Lächeln genügt, um mich anzumachen», wirbt die Post derzeit für die PostFinance. Entsprechende Flyer wurden ab Montagmorgen am Schalter verteilt. Die Gewerkschaft Syndicom ist aufgebracht: «Solch ein sexistischer Werbesatz hat im 21. Jahrhundert nichts zu suchen und ist im Jahr des Frauenstreiks ein Hohn für all jene, die gegen solche Strukturen ankämpfen», schreibt sie in einer Mitteilung.

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Das Schalterpersonal sei gezwungen, die Flyer zu verteilen, und Betroffene hätten sich bereits kurz nach Schalteröffnung empört an die Gewerkschaft gerichtet. Diese forderte die Post auf, die Verteilung sofort einzustellen. Sonst sei das ein riesiger Rückschritt im Gleichstellungsdialog mit der Post.

Die Post reagierte bereits und hat die Verteilung des Flyers gestoppt, wie eine Sprecherin zu 20 Minuten sagte: «Bei der Beurteilung der Verteilaktion der Flyer hat man zu wenig berücksichtigt, wie es sich anfühlt, den Flyer zu verteilen.» Man bedaure sehr, dass die Situation falsch eingeschätzt worden sei.

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Forster am 04.11.2019 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Nachwitz"-Zeit

    Ich kann es nicht mehr hören. Am Besten ein absolutes Werbe-, Witz- und Satire-Verbot! Nach der Laktose-, Gluten-Intoleranz kommt nun die Witz-Intoleranz. Traurige Zeiten in denen wir leben!

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  • Simi Keller am 04.11.2019 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Übersexismus

    Naja, auch die Männer verteilten die Flyer.... chillet mol.! Eure Übersexismus steigt Euch in den Kopf.

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  • Jacques Meierhofer am 04.11.2019 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Hören wir doch ...

    ... auf, zu Leben. Mir scheint, dass sich immer jemand findet, der den Spass oder die Pointe dahinter nicht versteht. Statt den Sch... zu halten, wird ein Shitstorm losgetreten. Haben wir echt keine anderen Probleme?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Scorpius am 05.11.2019 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Nur, weil sich ein par wenige Kleinkarierte Typen an der scheinbar sexistischen Werbung aufgeilen, muss man wieder ein Theater daraus machen? Eine Gewerkschaft die nichts besseres zu tun hat als so was nachzurennen ist eine Gewerkschaft, die echt kein Mensch braucht. Und wer sich an so was empört, sorry, sucht euch was anderes um euer Aufmerksamkeitsdefizit zu befriedigen. Uns interessiert euer Mimimi-Fetisch echt nicht mehr!

  • Kernel am 05.11.2019 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ist nicht harmlos.

    Man kann es schon lustig finden, aber am Ende prägen sich gewisse Ideologien im Unterbewusstsein ein, egal ob man "auf ironische und parodistische Art und Weise mit Stereotypen" gespielt hat. Mittlerweile werden Frauen bzw. Mädchen überall nur noch bevorzugt, vor allem in Schulen. Das wurde mit der gleichen Technik gemacht über Jahrzehnten.

  • Komischi Zite Hüt am 05.11.2019 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eindeutig Zweideutig

    Aber... Wo ist jetzt das Problem? Ernsthaft. Kann mir bitte mal jemand erklären, was daran nicht OK sein soll? Und zwar auf den Flyer bezogen. Nicht auf irgendeine hypothetische Person, die bei der Verteilung der Manieren gerade pinkeln war und diesen Spruch möglicherweise als Anlass sehen könnte einen hartnäckigen Flirt zu starten, der das Gegenüber so dermassen verwirrt, dass Er/Sie nicht mehr in der Lage ist "Nein" zu sagen. Denn wenn es nur darum geht, dann läuft noch viel viel mehr falsch, als wir alle ahnen mögen.

  • i-fit-you am 05.11.2019 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langeweile

    Uns ist ja so langweilig geworden. Anders kann man den ganzen Müll, der aktuell passiert, nicht erklären. So viel Kleinlichkeit ist überhaupt nicht vorstellbar...

    • You Fit Me? am 05.11.2019 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @i-fit-you

      Ach, dass sind nicht "Wir". Bei solchen Sachen Unterscheide ich zwischen "öffentlicher Meinung" und "verlöffentlichter Meinung" (Wobei beides natürlich nicht als "homogene Masse" betrachtet werden kann)

    einklappen einklappen
  • traugottle am 05.11.2019 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dummheiten

    Da geht es um etwas ganz anderes. Da versuchen irgendwelche Postangestellte ihren eigenen Arbeitgeber anzuschwärzen. Die Gewerkschaft ist noch so blöde und unterstütz das Ganze. Einer solchen Gewerkschaft muss man die Partnerschaft unbedingt kündigen!