Päckli

08. Juli 2019 11:28; Akt: 08.07.2019 16:54 Print

Post zahlt Pöstlern 2 Mio Franken Lohn nach

von S. Spaeth - Die 1800 Paketboten erhalten im Schnitt rückwirkend 90 Franken mehr Lohn im Monat. Grund dafür ist ein neues Arbeitszeitmodell. Nun wird die effektive Zeit bezahlt.

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Der Unmut unter den Paketboten war gross: die Post hat nicht die effektiven Arbeitszeiten, sondern nach Durchschnittswerten pro zugestelltem Paket entschädigt. Wer im Stau stand oder eine Tour mit vielen Einfamilienhäusern statt Blöcken fahren musste, hatte das Nachsehen. «Das alte System hat die eher jungen, schnellen Mitarbeiter bevorzugt, die älteren wurden benachteiligt», sagt Syndicom-Sprecher Christian Capacoel zu 20 Minuten.

Darum hat die Post seit Juli 2018 ein neues System namens Mytime eingeführt, das grösstenteils auf den effektiven Arbeitszeiten der Paketboten basiert. Dieses wurde nun überarbeitet, wie die Post mitteilte. Die Folge: Rund 1800 Paketboten der Post erhalten im Oktober rückwirkend eine Lohnvergütung. Dafür gibt die Post insgesamt rund 2 Millionen Franken aus. Pro Mitarbeiter sind das im Schnitt rund 1100 Franken. Der Durchschnittslohn eines Paketboten beträgt rund 68'000 Franken im Jahr.

Einzelne Pöstler erhalten mehrere tausend Franken

Bei der Erarbeitung von Mytime ist es laut der Post nie das Ziel gewesen, bei der Paketzustellung zu sparen: «Die Standortbestimmung nach einem Betriebsjahr hat indes gezeigt, dass die Post Einsparungen erzielt hat», sagt Sprecher François Furer zu 20 Minuten. Aus diesem Grund nehme man Anpassungen vor und entschädige die Botinnen und Boten.

Für die im ersten Anwendungsjahr lohnmässig zu kurz gekommenen Paketboten rechnet die Post in den kommenden Wochen jede einzelne individuelle Nachzahlung aus. Laut der Gewerkschaft werden einzelne Mitarbeiter «mehrere tausend Franken erhalten, andere aber auch gar nichts». «Bis anhin wurde viel unbezahlte Arbeit geleistet», sagt Gewerkschafter Capacoel.

«Wir hoffen auf ein Zeichen für die ganze Branche»

Mit dem Prinzip, dass die effektiv geleistete Zeit bezahlt werde, sei es gelungen, ein zentrales Anliegen der Paketboten zu verankern, heisst es bei Syndicom. Der Trend der Pro-Stück-Entschädigung, den es in der Logistik-Branche gibt, wird laut den Gewerkschaften nun durchbrochen. «Wir hoffen auf ein Zeichen für die ganze Branche», sagt Capacoel. Neu wird die Fahrt ins Zustellgebiet, die Fahrt zurück und die Zustellung vom ersten bis zum letzten Paket als Ist-Zeit erfasst.

Laut der Post kann dank der Optimierung von Mytime der Einsatz des Personals angesichts der saisonalen Schwankungen bei den Paketmengen besser geplant werden. Auch Faktoren wie etwa der Strassenverkehr könnten nun besser einberechnet werden, heisst es in der Medienmitteilung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Shovelhead am 08.07.2019 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Es ist eine Frechheit wie die Post mit ihren Mitarbeitern umgeht. Ob Postbote oder PostAuto-Chauffeur! Hier sollte jetzt rigoros durchgegriffen werden und den Mitarbeitenden sofort anständige Verhältnisse geschaffen werden. Es kann ja wohl nicht sein dass diese Leute jedesmal dem/den zustehenden Geld/Arbeitszeiten nachrennen müssen!? Warum wird nicht sauber abgerechnet!? Eine Frechheit von unserer Postführung.

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  • Susi am 08.07.2019 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heilung der Post

    Ein kleines Detail des großen Schadens, denn die Quotenfrau S. R. verursacht hatte

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  • Rahel am 08.07.2019 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich mal was positives. Immer mehr Arbeit (teils 6 tage Woche) (10h Arbeit pro Tag) Keine Klimaanlage im Postbus.. Viel zuwenig Pausen und immer weniger Lohn. Es wurde Zeit!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Joska Bünte-Koch am 11.07.2019 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    Endlich gibts einen Entscheid in die richtige Richtung von der Post. (Doch leider nur auf Druck der Gewerkschaft) Leider sind sie selbst nicht auf die Idee gekommen, dass Sie "moderne Ausbeutung" betreiben !!! Ich hoffe dies sensibilisiert andere Unternehmen welche das Selbe machen...

  • Pöstler am 09.07.2019 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Asoziales Management

    Die Post soll ihre Angestelleten gefälligst regulär beschäftigen. Regulär heisst im Fixen Monatslohn, ohne wenn & aber. Sauerei dies Feilscherei auf Kosten Buckel der Angestellten. Das Management sollte im Gegenzug nur noch für Leistungen die erbracht wurden bezahlt werden, dazu gehören keine Sparmassnahmen zu Ungunsten der Belegschaft. Mal sehen was dann von deren Löhnen noch übrigbleibt. Es besteht die Gefahr dass das Mangement eher Geld bringen als erhalten sollte.

  • Phil Krill am 09.07.2019 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... wie immer ...

    ... wieder mal die Post. So langsam aber sicher sollte das auch in Bern angekommen sein. Wann wird reagiert und Schwaller & Co abgesetzt. Der Fall Rouff wird weiterhin unter den Teppich gewischt wie immer ...

  • Oliver B, am 09.07.2019 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    What?

    Nachzahlen für was? Fürs faul rumstehen der Postbeamten. In diesem Laden sollte man besser endlich mal beginnen wirtschaftlich zu denken und handeln.

    • Albin Notter am 09.07.2019 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Oliver B,

      sie dürfen gerne mal mitkommen. So einfach ist der Job auch wieder nicht.

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  • Stavi am 08.07.2019 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kaum zu glauben

    Mancherorts beginnen die Poststellen-Schliessungen erst im einem Jahr. Die Arbeitszeiten und Abrechnungen bei den Poschis ist eine Katastrophe. Kurzum: die POST ist ein gelber Schandfleck.