Sterbendes Wertpapier

02. März 2011 16:17; Akt: 02.03.2011 16:20 Print

Postchecks stechen Bankchecks aus

von Gérard Moinat - Die PostFinance ist auf der Überholspur: Auch 2010 knöpfte sie den Banken Kunden ab. Bei den Checks hat sie die Banken schon lange abgehängt.

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Vor allem bei Geschäftskunden mit Kollektivunterschrift sind Postchecks nach wie vor begehrt. (Bild: Keystone)

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PostFinance baute 2010 den Kundenstamm von 2,6 Millionen auf 2,75 Millionen Kunden aus. Von solchen Zuwächsen können Banken nur träumen. Doch nicht nur bei den Neukunden, auch bei den Checks hat die PostFinance gegenüber den Konkurrenten mit Banklizenz die Nase vorn.

Gab es gemäss der Schweizerischen Nationalbank zur Jahrtausendwende noch über 11 Millionen Checksausstellungen pro Jahr, waren es letztes Jahr nur noch 400 000. Davon entfielen gut zwei Drittel auf die PostFinance: 250 000 eingelöste Checks konnte das Institut 2010 verzeichnen. Die Posttochter hat den Banken hierzulande somit bei ihrer eigenen Erfindung den Rang abgelaufen.

Denn viele Banken stellen pro Jahr nur noch einige hundert dieser Wertpapiere aus. Bei der Basler Kantonalbank beispielsweise benutzten letztes Jahr nur noch 600 Personen die Dienstleistung der Bankchecks. Bei der Aargauischen Kantonalbank sind es lediglich noch 250 Checks pro Jahr, bei der St. Galler KB 150 und bei der Thurgauer KB nur noch 50 Stück.

Die Grossbank Credit Suisse weist keine Zahlen aus, bezeichnet die Nachfrage aber als generell rückläufig.

Bis zu 50 Franken pro Bankcheck

Kein Wunder, je nach Bank kostet die Ausstellung eines Bankchecks mittlerweile zwischen 30 und 50 Franken. Bei der PostFinance sind Kunden hingegen bereits ab 5 Franken pro Postcheck dabei.

«Unsere Kunden brauchen den Check für den Bargeldbezug in den Poststellen und PostFinance-Filialen», erklärt Sprecher Marc Andrey. Der Check ersetze dabei sozusagen die PostFinance-Card mit PIN. Benützt wird er vor allem von Postfinance-Kunden mit Kollektivunterschrift. Insbesondere Geschäftskunden oder Vereine führen derartige Konti, bei denen jeweils zwei oder mehr Kontoinhaber zum Geldbezug unterschreiben müssen.

Der Postcheck erleichtert diesen Kontoinhabern den Geldbezug, indem lediglich eine Einzelperson am Postschalter mit einem Check Bares abholen kann. Früher konnten PostFinance-Kunden mit den Postchecks auch im Handel bezahlen. «Dies ist heute kaum mehr möglich», so Andrey. Über die Akzeptanz der Postchecks in ihrem Geschäft entscheiden die Händler.

Bankchecks: Für grosse Absicherungen

Die verbleibenden Bankchecks hingegen werden vor allem für die Absicherung eines Kaufes genutzt, beispielsweise bei einer Auktion, erklärt Mats Bachmann von der Basler Kantonalbank.

Bankchecks sind in der Schweiz , im Gegensatz zu Amerika, ein veraltetes Zahlungsmittel, erklärt Chantal Schweizer-Zollet von der St. Galler Kantonalbank. Genutzt werden sie immer dann, wenn der Check eine grosse Menge Bargeld ersetzen kann.